Jean-Paul Clozel, CEO Idorsia, im Interview

Jean-Paul Clozel
Jean-Paul Clozel, CEO Idorsia. (Foto: Idorsia)

von Bob Buchheit

Moneycab: Herr Clozel, Idorsia hat genau ein Dutzend Wirkstoffkandidaten in der Pipeline. Daridorexant steht als erstes bereit: Wann und wo können Sie mit dem Zulassungsprozess beginnen?

Jean-Paul Clozel: Gegen Ende des Jahres werden wir die Zulassung für den US Markt beantragen. In der ersten Hälfte des Jahres sollten wir dann auch in Europa das Zulassungsdossier einreichen.

Mit rund anderthalb Milliarden Franken ist Idorsias Liquidität nach der Kapitalerhöhung für gut zwei Jahre gesichert. Ab wann rechnen Sie mit Umsätzen durch Daridorexant?

Wie Sie wissen, dauert ja die Durchsicht von Marktzulassungsanträgen 12 bis 15 Monate. Wir rechnen, dass wir in der ersten Hälfte 2022 mit der Lancierung beginnen können. Das wird in der zweiten Hälfte des Jahres dann wahrscheinlich erste Umsätze bringen.

„In der zweiten Hälfte 2022 werden wir wahrscheinlich erste Umsätze mit Daridorexant sehen.“
Jean-Paul Clozel, CEO Idorsia

Durch Covid-19 fiel die Patientenrekrutierung niedriger aus. Hatte das Auswirkungen auf die Geschwindigkeit der Testverfahren für die anderen Wirkstoffkandidaten?

Für die Studien für Aprocitentan und Clazosentan in Europa und USA entschleunigte sich die Geschwindigkeit der Rekrutierung aufgrund der COVID-19-Lage. Ich sehe, dass Aprocitentan sich da schon ganz gut erholt hat. Für Clazosentan ist die Lage ein wenig komplizierter. Das Produkt wird in den Intensivstationen von Spitälern getestet, und genau diese Intensivstationsbetten sind derzeit knapp.

Bei Cenerimod, dem Mittel gegen die klassische Autoimmunkrankheit Lupus erythematosus, ist Idorsia bereits seit knapp drei Jahren am Testen. Wann kann es endlich in Phase drei übergehen?

Nun, wir befinden uns eigentlich in der Phase 2b, das heisst, wenn die Studie erfolgreich sein sollte, dann könnte diese zur Zulassung gebraucht werden. Es braucht aber noch eine zweite Studie. Diese wird wohl im 2022 beginnen.

Auf die Blockade von Zellrezeptoren haben sich jetzt gerade viele Pharmafirmen bei der Entwicklung eines Anti-Coronavirus-Mittels gestürzt. Hat Sie das Thema nicht gereizt?

Wissen Sie, wir haben eine Produktebibliothek von mehr als 700’000 Molekülen. Wir haben diese möglichen Wirkstoffe nach ihrer Fähigkeit das Virus zu bekämpfen gekämmt. Leider ohne Erfolg. Um neue Forschung auf diesem Gebiet zu tätigen, ist aber der Zug schon am Rollen.

„Wir haben eine Produktebibliothek von mehr als 700’000 Molekülen.“

Selatogrel soll Idorsias Mittel bei akuten Herzinfarkt werden. Patienten sollen es sich selbst bei Verdacht unter die Haut spritzen können. Den gewünschten antikoagulativen und damit lebensrettenden Effekt hat das Mittel in durchschnittlich weit über 90 Prozent der Patienten in klinischer Erprobungsphase 2 erreicht. Welche Blockbusterumsatzgrösse kann Selatogrel erreichen?

Es gibt mehr als 10 Millionen Menschen in den USA alleine, welche einen Herzinfarkt schon ein Mal überlebt haben. Wir stellen uns vor, dass diese Leute eine «Lebensversicherung», welche das Herz für circa 4 Stunden vor den Schäden eines weiteren Infarktes schützen, gebrauchen könnten. Sie nicht?

Wie gut kann bei dieser Selbstmedikation per Spritze die Compliance sein?

Ein Herzinfarkt ist sehr schmerzhaftes Erlebnis, und die Konsequenzen können tödlich enden. Ich glaube nicht, dass die Compliance hier ein Problem sein wird. Viel wichtiger wird sein, dass Patienten welche über eine solche Spritze verfügen, gut ausgebildet wurden, einen Herzinfarkt zu entdecken.

Das therapeutische Spektrum der Idorsia-Medikamentenkandidaten ist ungemein breit. Was sind die Vor- und Nachteile dieser Applikationsbreite?

Das Spektrum bestimmt sich aus der Forschung. Wir folgen dem Pfad, den uns die Wissenschaft und die Entdeckungen geben. Kolumbus hat ja auch nicht Indien entdeckt, sondern Amerika.

„Wir verpartnern unsere Produkte nicht des Geldes wegen. Das Geld holen wir auf dem Kapitalmarkt. Dafür ist dieser da.“

Durch die Applikationsbreite sind Sie aber auf umfangreiche Partnerschaften angewiesen. Bahnen Sie diese, Herr Clozel, aufgrund Ihrer Erfahrung alle persönlich an?

Wir suchen nach Partnern dort wo wir glauben, dass jemand anderes schneller das Produkt zu Gunsten der Patienten entwickeln kann. Wir verpartnern unsere Produkte nicht des Geldes wegen. Das Geld holen wir auf dem Kapitalmarkt. Dafür ist dieser da.

Was bedeuten eigentlich die Wandgemälde an Ihrem Firmensitz in Allschwil bei Basel?

Beim Entwerfen des Logos und der Marke Idorsia hat unsere Kommunikationsabteilung einen cleveren Schritt gewagt und uns gefragt, welche Attribute würden wir Idorsia geben, wenn Idorsia eine Person wäre. Da haben wir gesagt: kreativ, energie-geladen, neugierig. Die Wandgemälde an der Fassade sind eine Visualisierung von Idorsias Persönlichkeitsattributen.

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