Jean-Paul Clozel, CEO Idorsia, im Interview

Jean-Paul Clozel
Jean-Paul Clozel, CEO Idorsia. (Foto: Idorsia)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Clozel, das neue Jahr begann gleich mit der Zulassung von Daridorexant in den USA und von Clazosentan in Japan. Könnten es in diesem Jahr sogar mehr als drei geplanten Neuzulassungen werden?

Jean-Paul Clozel: Derzeit sind noch die Zulassungen für Daridorexant in Europa, im Vereinigten Königreich, in Kanada und in der Schweiz hängig. Die Entscheidung der Europäischen Wissenschaftsbehörde CHMP ist unterdessen auch gekommen. Mit einer Europäischen Zulassung können wir im nächsten Quartal rechnen. Die anderen Behörden sind noch ein wenig unklarer zu prognostizieren. Somit liegt eine weitere Zulassung im Bereich des Möglichen.

Im Mai geht es in den USA mit der «Seize the Night & Day»-Kampagne für das Schlafmittel QUVIVIQ, so der Produkt-Name des Wirkstoffs Daridorexant, los. Frontfrau für die Werbekampagne ist Jennifer Aniston. Wie kamen Sie auf die?

Die Kampagne mit Jennifer Aniston ist seit Januar lanciert. Es geht um eine Sensibilisierung der Patienten für das Thema Schlafstörung und wie mangelnder Schlaf sich schlecht auf den ganzen Tag weiterwirkt. Frau Aniston wird aber nicht das Produkt an und für sich bewerben.

«All die alten Beruhigungsmittel auf dem Markt sind Beruhigungsmittel, auch Narkosemittel genannt, und nicht Schlafmittel, welche einen körperkontrollierten Schlaf geben.»
Jean-Paul Clozel, CEO Idorsia

Wie ist das gemeint?

Sie müssen wissen, dass es seit bald 15 Jahren keine richtigen Fortschritte im Bereich Schlafmittel gegeben hat. Somit müssen wir alle, das heisst die Patienten, die Ärzte, die Krankenkassen, auf den neuesten Stand der Forschung bringen. Das beginnt, indem man auf das Problem Schlafstörung aufmerksam macht. Da kann man bekanntlich mit Aufklärung um mögliche Lösungen, beginnen.

Gibt es nach all den Opioid-Skandalen in den USA nicht einen immensen Bedarf an schonenden Beruhigungsmitteln?

Jetzt umso mehr. All’ die alten Beruhigungsmittel, welche auf dem Markt sind, sind faktisch genau das: Es sind Beruhigungsmittel, auch Narkosemittel genannt, und nicht Schlafmittel, welche einen körperkontrollierten Schlaf geben. Mit Quviviq führen wir eine neue Art der Behandlung von Schlafstörungen ein, und zwar mit einem Mittel, das die Ungleichgewichte im Nacht-Tag-Zyklus des Menschen wieder zurechtrückt und nicht direkt das zentrale Nervensystem soweit unterdrückt, dass der Behandelte bewusstlos wird. So kriegt die oder der Behandelte einen vom Körper gesteuerten Schlaf und nicht einfach Regungslosigkeit wie mit Beruhigungsmitteln. All’ die Suchtprobleme, welche mit den alten Beruhigungsmitteln entstehen, sehen wir bei den Studien zu Daridorexant nicht.

«Bezüglich weiteren liquiden Mitteln versuchen wir, mittels Partnerschaften oder mit Monetarisierung von zukünftigen Lizenzeinnahmen die Bilanz bis zur Gewinnschwelle noch zu verstärken.»

Für das laufende Jahr werden 145 Millionen Franken Nettoumsatz und ein Betriebsverlust von rund 840 Millionen Franken erwartet. Durch die 600 Millionen-Franken-Wandelanleihe vom Sommer ist Idorsia weiterhin solide finanziert. Führt die Zinswende zu irgendeiner Feinplanung?

Die Zinswende hat bei unserer Planung keinen grossen Einfluss. Beim Cash Management wird sie helfen, so dass wir auf den Depotgeldern nicht noch drauflegen müssen. Bezüglich weiteren liquiden Mittel versuchen wir mittels Partnerschaften oder mit Monetarisierung von zukünftigen Lizenzeinnahmen die Bilanz bis zur Gewinnschwelle noch zu verstärken.

Sie peilen erst im Jahr 2025 einen Reingewinn an. Dann mit einem Umsatz von über einer Milliarde Franken. Wie geht es weiter mit der Pipeline?

In unseren Prognosen für 2025 haben wir nur die Lancierung von Daridorexant und Clazosentan in Japan berücksichtigt. Alles andere ist sogenanntes «Upside».

Zu Ihrer Pipeline: Was macht Aprocitentan?

Wir erwarten Mitte dieses Jahres die Daten von der Phase 3 – Studie für Aprocitentan.

Aprocitentan senkt sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck um zehn Einheiten und wird Idorsias Mittel gegen hartnäckigen Bluthochdruck sein. Wie hoch ist das finale Umsatzpotenzial?

Behandlungsresistenter Bluthochdruck ist ein Problem, dass etwa 5-10 Millionen Bürger in den USA betrifft und nochmals so viele in Europa. Die Analysten rechnen mit einem Produktumsatzpotenzial von gegen zwei Milliarden Franken. Johnson&Johnson ist bereits unser Vertriebspartner, somit werden wir im Fall von positiven Daten und einer Produktbewilligung Lizenzeinnahmen in der Höhe von 20% bis 35% der globalen jährlichen Umsätze mit Aprocitentan verbuchen können.

«Bei Cenerimod denken wir, dass wir vor Ende Jahr die Phase 3 lancieren können.»

Und wie sieht es aktuell bei den anderen Kandidaten aus, die noch mitten in der Zulassungspipeline stecken?

Mit Lucerastat evaluieren wir weiter die Daten aus der «open label extension», um zu sehen ob die positiven Signale am Herz und an der Niere, welche auf einen möglichen Organschutz hinweisen könnten, sich halten. Dann müssen wir mit der FDA die Daten besprechen, um das weitere Vorgehen festzulegen. Bei Cenerimod denken wir, dass wir vor Ende Jahr die Phase 3 lancieren können. Ferner – auch gegen Jahresende – erwarten wir den Abschluss der REACT Studie für Clazosentan. Ob die Daten auch noch vor Jahresende geliefert werden können? Das ist noch zu früh, um es abzuschätzen.

Seit letzten September hat Idorsia in den fünf bevölkerungsreichsten europäischen Ländern – Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Grossbritannien – Niederlassungen. Mit Deutschland als mit Abstand grössten Marktchance, nehme ich an?

Zu Fragen des deutschen Marktes sind derzeit Kommentare zu früh.

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