Johannes Steurer, CEO Aluflexpack-Gruppe, im Interview

Johannes Steurer
Johannes Steurer, CEO Aluflexpack. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Steurer, der Firmenname Aluflexpack suggeriert Aluminium über alles, doch natürlich verarbeiten Sie nicht nur Alu. Aber schmerzen die extrem gestiegenen Aluminiumpreise jetzt sehr?

Johannes Steurer: Zu einer unserer Kernkompetenzen zählt die Konvertierung von Aluminium zu hochwertigen flexiblen Verpackungs- und Barrierelösungen. Die gesamte Wertschöpfungskette ist natürlich von den höheren Kosten für Inputmaterialien und der bedingten Verfügbarkeit vieler Rohstoffe betroffen. Der Anstieg des Aluminiumpreises wirkt sich allerdings nicht negativ auf unsere Profitabilität aus.

Wieso das?

Weil wir gegenüber Aluminiumpreisschwankungen seit Jahren eine Absicherungspolitik über automatische Weitergabemechanismen oder Derivate verfolgen. Zudem können wir auf einen Pool an qualitativ hochwertigen Lieferanten zurückgreifen, mit denen wir enge Kontakte pflegen und dadurch uneingeschränkt lieferfähig bleiben.

Und wie ist die Lage beim Kunststoff?

In einigen unserer Verpackungsmaterialien werden auch Kunststoffe verwendet, aber der Anteil ist mit rund zehn Prozent des gesamten Materialanteils deutlich geringer als Aluminium. Auch diese Rohstofffe sind ebenso wie Energie- und Transportkosten deutlich im Preis gestiegen. Wir befinden uns hier im engen Dialog mit Kunden, was die adäquate Weitergabe der gestiegenen Kosten anbelangt und konnten bereits gute Fortschritte erzielen. Aktuell arbeiten wir an einem Massnahmenpaket, das abzielt, uns in Zukunft noch besser gegen Preisschwankungen bei unseren wichtigsten Inputmaterialien abzusichern.

«Der Anstieg des Aluminiumpreises wirkt sich nicht negativ auf unsere Profitabilität aus, da wir gegenüber Aluminiumpreisschwankungen seit Jahren eine Absicherungspolitik über automatische Weitergabemechanismen oder Derivate verfolgen.»
Johannes Steurer, CEO Aluflexpack-Gruppe

Wie hoch ist denn Aluflexpacks Strombedarf?

Der Gesamtenergieverbrauch betrug in etwa 52 GWh im Jahr 2020.

Und wie hoch ist Ihr Eigenversorgungsgrad?

Energie produzieren wir aktuell noch nicht selbst. Dabei machte der Anteil erneuerbarer Energien zuletzt 92% aus. Dieser hohe Anteil hängt damit zusammen, dass der Anteil der kroatischen Produktionswerke an unserem Energiebedarf die Mehrheit ausmacht und das Land gut ausgebaute Wasserkraft-Infrastruktur vorweist. In Zukunft wollen wir auch einen gewissen Grad über die Eigenversorgung abdecken. Wobei hier in erster Linie die Solarenergie in Frage kommt.

Aluflexpack produziert auch Verpackungen für Nicht-Lebensmittel. Ist dabei der Markt für Kosmetika oder für technische Produkte wie «Pharma» am margenträchtigsten?

Es wäre falsch, zu behaupten, dass ein Endmarkt profitabler als der andere ist. Die Profitabilität variiert ja von Kunde zu Kunde und von Produkt zu Produkt. Grundsätzlich ist es so, dass die Attraktivität proportional mit der Komplexität und der Anzahl der Bearbeitungsschritte in unserer eigenen Wertschöpfungskette steigt. Im Pharma-Bereich gibt es zudem sehr hohe Eintrittsbarrieren und Anforderungen, die diesen Markt attraktiv machen.

Die EBITDA-Marge liegt seit längerem bei knapp 16 Prozent. Lässt Sie sich weiter steigern?

Angesichts des derzeitigen inflationären Marktumfelds und den steigenden Inputkosten gehen wir davon aus, dass 2022 ein Übergangsjahr im Hinblick auf unsere Ertragskraft sein wird. Gleichzeitig arbeiten wir jedoch daran, schnellstmöglich zur Ertragskraft der vergangenen Jahre zurück zu kehren. Aktuell ist es jedoch noch zu früh für eine Schätzung der zukünftigen Margenentwicklung. Da der Anteil der Materialkosten in unserer Industrie sehr hoch ist, wird die relative Ertragskraft auch vom zukünftigen Niveau der Materialkosten abhängen. Mittel- bis langfristig ist es unser Ziel, mit der Inbetriebnahme unseres Expansionsprojekts in Drniš (Kroatien), wo eine der modernsten Folienkonvertierungsanlagen weltweit entsteht und wo wir bis zu 70 Millionen Euro investieren, einen positiven Ergebnisbeitrag zu erzielen.

«Angesichts des derzeitigen inflationären Marktumfelds und den steigenden Inputkosten gehen wir davon aus, dass 2022 ein Übergangsjahr im Hinblick auf unsere Ertragskraft sein wird.»

Im letzten Geschäftsjahr machte der Cashflow einen deutlichen Sprung nach oben. Damit wurden unter anderem die restlichen Anteile der 2018 gekauften türkischen Tochter (Arimpek) erworben. Wo will Aluflexpack weiterwachsen?

Unser hoher operativer Cashflow unterstützt uns bei der Finanzierung unserer organischen Expansionsprojekte. Wir erkennen viel Potenzial in mehreren Marktsegmenten, in denen wir bereits gut positioniert sind. Es gibt auch interessante Nischen, wo wir noch keine grosse Präsenz haben. Auf unseren neuen Produktionsanlagen in Drniš werden wir jedenfalls universell für all unsere Endmärkte produzieren können und viele unserer Wachstumsvorhaben adressieren. Gleichzeitig möchten wir auch «anorganisch» weiter wachsen. Akquisitionen ausserhalb Europas sind ebenfalls im Fokus, vorausgesetzt sie ergänzen wertsteigernd unser Kunden- und Produktportfolio sowie unsere Wertschöpfungskette.

«Akquisitionen ausserhalb Europas sind im Fokus.»

Wie ergänzte die jetzt gekaufte Firma Teko ihre türkische Tochtergesellschaft?

Teko ist in der Türkei und in angrenzenden Geographien Marktführer bei flexiblen Verpackungen im Molkerei- und Getränkemarkt und damit komplementär zu unserem bestehenden Werk in der Türkei, das auf die Produktion von Pharma-Verpackungen spezialisiert ist. Mit der Aufnahme von Teko in die Aluflexpack-Gruppe werden wir unsere Marktpräsenz am wachsenden türkischen Konsumgütermarkt weiter stärken und Wachstumsvorhaben in der gesamten MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika, A.d.R.) beschleunigen.

Beeinträchtigt der brutale Absturz der türkischen Lira Ihr Geschäft?

Die Abwertung der türkischen Lira hat so gut wie keine negative Auswirkungen auf unser Geschäft. Der Grund dafür ist, dass Verträge mit Kunden und Lieferanten sich an harten Währungen wie EUR oder USD orientieren. Das minimiert das allgemeine Währungsrisiko.

Ihre vorletzte Übernahme, die Firma Top-System bei Posen/Polen, sollte als Sprungbrett für Märkte in Nord- und Westeuropa dienen. Hat sich das erfüllt?

Das Unternehmen hat sich seit unserer Übernahme ausgezeichnet entwickelt und sehr gut in unsere Plattform integriert. Grosse kulturelle Brücken gab es dabei nicht zu überwinden. Wir konnten bereits eine Reihe neuer Kunden für unsere neue polnische Tochtergesellschaft gewinnen. Zudem ist auch das Potenzial des polnischen Binnenmarktes nach wie vor gross.

Dividende gibt es vorerst nicht. Wann könnten die Aktionäre damit rechnen?

Wir befinden uns aktuell am Höhepunkt unseres Investitionszyklus und spüren sehr viel Rückenwind am Markt. Der Verwaltungsrat ist daher der Ansicht, dass der grösste Mehrwert für die Aktionäre durch die Reinvestition der Gewinne in weitere Wachstumsprojekte erzielt werden kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.