Jürg Dübendorfer, CEO Cicor Gruppe, im Interview

Jürg Dübendorfer
Jürg Dübendorfer, ehemaliger Cicor-CEO. (Foto: Cicor)

Jürg Dübendorfer, CEO Cicor Gruppe. (Foto: Cicor)

von Robert Jakob

Moneycab.com: Herr Dübendorfer, Cicor will vermehrt auf „Box Building“ setzen. Was verstehen Sie darunter genau – in einem Satz?

Wir wollen verstärkt komplette Outsourcing-Dienstleistungen anbieten: Das Produkt komplett hergestellt, getestet und fertig verpackt „in einer Schachtel/Box“.

Mikroelektronik ist ja mittlerweile ein Massengeschäft. Differenzierung ist schwierig. Wo ist dies noch möglich und wo kommt denn bei Cicor „Swissness“ ins Spiel?

Wir wollen uns in Zukunft durch noch umfassendere Dienstleistungen und anspruchsvolle Technologien differenzieren. Wir werden den Kunden noch stärker in der Entwicklung seiner Produkte und Anwendungen unterstützen und ihn dann während des ganzen Lebenszyklus des Produktes betreuen. Wir unterstützen ihm so, dass er sich auf seine Kernkompetenzen fokussieren kann. Alles andere nehmen wir ihm ab. Der Trend in verschiedenen Märkten geht auch klar in Richtung „Outsourcing“; so zum Beispiel im hochanspruchsvollen Bereich der aktiven Implantate. Die Devices werden immer komplexer. Hier ist gezieltes Fachwissen gefragt: verschiedene Technologien, Entwicklungs-Know-how und Produktions-Fähigkeiten, welche OEMs (Original Equipment Manufacturer) zum Teil nicht „in House“ haben. Schweizer- und Europäische-Kunden schätzen die kompetente Zusammenarbeit mit Cicor.

Und wo ist da die Swissness?

Wir gehen flexibel auf die Bedürfnisse der Kunden ein, mit einem Rucksack gefüllt mit anspruchsvollen Technologien und Dienstleistungen. Und wir liefern, was wir versprechen. Das macht aus unserer Sicht die Swissness aus.

«Wir haben uns als Ziel gesetzt, in der Zukunft EBITDA-Margen von mehr als 10 Prozent zu generieren.»
Jürg Dübendorfer, CEO Cicor

Vor zwei Jahren war das Finanzziel eine EBIT-Marge von 8 Prozent. Wie realistisch wird dies in dem hochkompetitiven Umfeld je sein?

Beim EBIT/EBITDA müssen wir den beiden unterschiedlichen Divisionen im Geschäftsmodell Rechnung tragen. AMS mit seinen „leading edge“-Technologien kann sich stärker am Markt differenzieren und wird deshalb grössere Margen als ES generieren. Aber auch für ES erwarten wir vor allem mit dem oven erwähnten „Box Build“ eine stärkere Differenzierung und damit höhere Margen. Wir erwarten in der Kombination die kommunizierten EBITDA-Margen von über 10 Prozent. Ich möchte nicht zu den 8% Prozent EBIT der Vergangenheit Stellung nehmen.

Im letzten Jahr verzeichneten die Segmente Automobil und Transport schöne Wachstumsraten. Stehen Ihre Kunden da jetzt eher auf der Bremse?

Wir sind in Nischen innerhalb dieser Marktsegmente tätig. Die Kunst ist es, die wachstums- und margenträchtigen Nischen zu identifizieren und mit den dort gewonnen Kunden profitabel zu wachsen. Manchmal gelingt es, auf dieser Welle mitzureiten. Das wollen wir versuchen in Zukunft noch systematischer angehen.

Im 2014 betrug der Umsatzanteil in Schweizer Franken nur noch rund 25% und der Kostenanteil noch 34%. Drei Jahre zuvor waren das jeweils über 50 Prozent. Liegen Werte knapp über 10 Prozent drin?

Das Ziel ist ein möglichst ausgeglichener Anteil an Umsatz und Kosten in Schweizerfranken. Durch den globalen Setup der Cicor Gruppe wird der Umsatz- und Kostenanteil in Fremdwährungen im Gegensatz zum Schweizerfranken weiter ansteigen.

Electronic Solutions, die grössere ihrer beiden Divisionen, hatte letzthin stark mit dem Wegfall von Grosskundenaufträgen zu kämpfen. Was muss man in Ihrem Business alles auf die Beine stellen, um die grossen Kunden bei der Stange zu halten?

Die Resultate der Cicor sind eng gekoppelt mit der Leistung, dem Erfolg ihrer Kunden. Wir hatten dieses Jahr einige Kunden, die aus verschiedenen Gründen nicht wie erwartet gute Resultate erzielt haben und hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Das hat nichts mit uns zu tun, und dagegen können wir auch nicht viel machen. Was wir können, ist über die Neukundengewinnung zusätzlich die Diversifikation in unserem Kundenportfolio zu verbessern.

«Die Bereiche Medical und Industrial wachsen überproportional, sowie die Region Südostasien. Davon wollen wir in Zukunft profitieren.»

Sind vielversprechende Leads in Aussicht? Und – ohne dass Sie Betriebsgeheimnisse verraten sollen -in welchem Marktsegmenten spielt da die Musik?

Wenn man sich das Marktwachstum in unserer Branche anschaut, dann wachsen die Bereiche Medical und Industrial überproportional, sowie die Region Südostasien. Davon wollen wir in Zukunft profitieren.

In der Medizin und dort speziell in Sensortechnologien finden viele Chips von Cicor Verwendung. Wird das Ihr absolut grösster Wachstumspfad sein?

Das wird zweifellos eines der grossen Wachstumsgebiete sein. Wir haben gerade in diesem Gebiet viel Know-how in unserer Firma und mit einigen Projekten haben wir gezeigt, dass wir dieses Know-how zugunsten der Kunden erfolgreich umsetzen können.

In rund einem Jahr soll das neue Produktions- und Verwaltungsgebäude in Wil/Bronschhofen im Kanton St.Gallen bereits fertiggestellt sein. Bekommen sie dort so etwas wie einen „Willkommensbonus“?

Cicor ist bereits seit vielen Jahren in Bronschhofen mit der Swisstronics Contract Manufacturing AG ansässig. Wir ziehen in der zweiten Jahreshälfte 2016 in das neue Produktions- und Verwaltungsgebäude innerhalb der Gemeinde um. Einzig die Cicor Management AG zieht im Sommer 2016 von Zürich nach Bronschhofen, damit das Gruppenmanagement bei einer produzierenden Einheit angesiedelt ist. Die Cicor Holding bleibt weiterhin in Boudry.

Man muss bis 2009 zurückgehen, um einen ähnlich tiefen Cicor-Aktienkurs zu sehen. Was für eine Botschaft haben Sie für die Aktionäre?

Cicor steckt in einer Phase von Veränderungen, die mit dem Wechsel im Verwaltungsrat und des CEOs in diesem Jahr einhergehen. Wir sind überzeugt, dass diese Veränderungen der Anfang einer positiven, langfristigen Entwicklung der Cicor Gruppe sind.

Zur Person:
Jürg Dübendorfer, Schweizer, geboren 1968, erlangte seinen Master of Science (dipl. phys. ETH) in Physik an der ETH Zürich und promovierte an der Universität Freiburg, Schweiz (Dr. rer. nat.). Zusätzlich hält er ein MBA der University of Rochester, NY, USA (Executive MBA Rochester-Bern) mit Fokus in Geschäftsführung und Finanzmanagement.
Dr. Dübendorfer weist eine 20jährige Industrieerfahrung auf. Er arbeitete 3 Jahre in den USA in der Forschung und Entwicklung einer Life Science Firma und 12 Jahre lang für Tecan (6 Jahre davon als Mitglied der Gruppenleitung). In seiner letzten Funktion bis 2012 als Executive Vice President der Division Product Development & Operations übernahm er die Verantwortung über alle Entwicklungs- und Produktionsstandorte weltweit bei der Tecan. Bis zu seinem Eintritt bei Cicor war er CEO der Firma Sauser Management AG, einer Holding Gesellschaft im Privatbesitz mit Beteiligungen an verschiedenen Firmen, insbesondere Firmen im Bereich Outsourcing, Supply Chain Management und Herstellung von komplexen mechatronischen Baugruppen und Geräten für den industriellen Bedarf und den Bereich Medizinprodukte.

Zum Unternehmen:
Cicor ist eine global tätige Gruppe der Elektronikindustrie. Sie ist in zwei Divisionen organisiert: Advanced Microelectronics & Substrates (AMS) und Electronic Solutions (ES). Diese bieten komplette Outsourcing-Dienstleistungen und eine breite Palette von Technologien für die Fertigung von hochkomplexen Leiterplatten und elektronischen Modulen an. Mit rund 1950 Mitarbeitenden in elf Produktionsstätten weltweit liefert die Gruppe qualitativ hochstehende, massgeschneiderte Lösungen für ihre Kunden in Europa, USA und Asien. Die Aktien der Cicor Technologies Ltd. werden an der SIX Swiss Exchange gehandelt (CICN).

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