Marc Bürki, CEO Swissquote, im Interview

Marc Bürki, CEO Swissquote, im Interview
Swissquote-CEO Marc Bürki. (Foto: Swissquote)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Bürki, als Sponsor der Europa League müssten Sie sich nach dem Swissquote-Rekordergebnis eigentlich Gedanken über ein Champions League-Sponsoring machen…

Marc Bürki: Nein, das wäre um einiges teurer und würde unser Marketing-Budget sprengen (lacht). Für uns ist das Europa- und vor allem auch Conference-League-Sponsoring auch spannender. Denn diese Wettbewerbe geniessen zwar etwas weniger Prestige, aber sie sind geographisch breiter aufgestellt und Schweizer Fussballklubs sind hier auch häufiger vertreten.

Ein 30% höherer Nettoertrag, ein Vorsteuergewinn von über 255 Mio. Franken und Kundenvermögen von fast 58 Mrd. Franken: Welches waren für Sie die hauptsächlichen Erfolgsfaktoren im vergangenen Jahr?

Natürlich der höhere Zinsertrag, resp. mit dem Ausstieg aus den Negativzinsen die Normalisierung der Zinssituation. Man hatte ja schon fast vergessen, dass man Zinsen erhalten kann. Ob die Zinsen im aktuellen Bereich bleiben oder wieder etwas zurückkommen, wird sich weisen. Noch immer haben wir Inflation im System. Die Zinsen werden sinken, aber vielleicht nicht so schnell, wie verschiedentlich erwartet wird.

Ausserdem haben wir 2023 viele Kunden und Neugelder gewinnen können. Neue Kunden haben im vergangenen Jahr 11 Prozent zum Ertrag beigetragen. Der Netto-Neugeldzufluss erreichte 5 Milliarden Franken. Entsprechend wichtig ist es, dass wir uns stetig weiterentwickeln.

«Die Zinsen werden sinken, aber vielleicht nicht so schnell, wie verschiedentlich erwartet wird.»
Marc Bürki, CEO Swissquote

Das Sponsoring der Europa League soll die Bekanntheit von Swissquote in ganz Europa steigern. Offenbar mit Erfolg: Internationale Kunden trugen 2023 mit 51% gegenüber 49% erstmals mehr zum Nettoertrag bei als Kunden mit Wohnsitz in der Schweiz. Wie wird sich dieses Verhältnis weiter verschieben?

Das wird sich in diese Richtung weiterentwickeln. Die Schweiz ist zwar ein kleiner Markt, aber wir sehen hierzulande immer noch viel Wachstum für uns. Einerseits können wir auch dank dem Bevölkerungswachstum mehr Kunden akquirieren, andererseits können wir immer neue Dienstleistungen anbieten. Wir wollen uns wie bekannt vom eigentlichen Online-Broker in eine Digitalbank wandeln.

Unsere Internationalisierungsstrategie sieht vor, dass wir in Europa wohlhabendere Kunden ansprechen wollen, sprich sogenannte mass affluent-Kunden ab 100’000 Euro. Wir haben hier bereits gute Erfolge mit unserer Bank in Luxemburg, die wir vorantreiben wollen. In Asien sind wir vor allem für institutionelle Kunden der Bankpartner und im Mittleren Osten, Schwerpunkt Dubai, sind wir für institutionelle wie auch Privatkunden da.

«Unsere Internationalisierungsstrategie sieht vor, dass wir in Europa wohlhabendere Kunden ansprechen wollen, sprich sogenannte mass affluent-Kunden ab 100’000 Euro.»

Sie wollen die internationale Präsenz weiter ausbauen. Dazu hat Swissquote einen Finanzdienstleister in Südafrika übernommen. Was erhoffen Sie sich davon?

Es handelt sich um einen bestehenden Partner, die Optimatrade Investment Partners. Der Gründer ist ein nach Südafrika ausgewanderter Schweizer, der seit zehn Jahren als Zubringer für unsere Bankdienstleistungen tätig ist. Dieses Geschäft ist in den letzten Jahren stark gewachsen und wir haben mittlerweile Assets von über 1 Mrd. Franken mit südafrikanischen Kunden. Deshalb wollen wir nun unter dem eigenen Brand vor Ort tätig sein. Denn Südafrika ist ein interessantes Land mit vielen Herausforderungen und Schwierigkeiten, aber auch vielen Opportunitäten. Es gibt Kunden, die ihr Geld offshore haben wollen, aber wir haben auch ein onshore-Geschäft mit lokalen Partnern wie Lebensversicherungen, wo wir der Bankpartner sind.

Sie haben es angesprochen, Swissquote entwickelt sich immer mehr zu einer Online-Universalbank. Ist da die Konkurrenz nicht übermächtig?

Der Schweizer Finanzplatz ist generell ein sehr konkurrenzfähiger Markt. Die digitale Revolution hat die Konkurrenzsituation aber verändert. Und die Entwicklung ist ja nicht vorbei, es gibt immer neue Möglichkeiten, wie zum Beispiel im Kryptobereich oder mit künstlicher Intelligenz. Und als Technologieunternehmen mit einer Banklizenz, wie wir eines sind, hat man in diesem Konkurrenzkampf Vorteile. 35 Prozent unserer Mitarbeitenden sind im Technologiebereich tätig, das ist im Schweizer Markt schon speziell.

Aber Sie spüren den Konkurrenzdruck all der Online- und Digitalbanken, die in den letzten Jahren entstanden sind?

Nur marginal, da diese nicht genau das gleiche Kundensegment bedienen. Sie bedienen aber mit den «Kunden der Zukunft» ein interessantes Segment. Deshalb haben wir auch zusammen mit der PostFinance die Finanz-App «Yuh» gegründet.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung von Yuh?

Es läuft gut. «Yuh» ist mittlerweile eine der grössen Finanz-Apps in der Schweiz. Das Wachstum in unwahrscheinlich stark. Wir haben bereits über 200’000 Kunden und über 1,5 Mrd. Franken Depotvermögen. Und das Wachstum wird sich im laufenden Jahr beschleunigt fortsetzen.

Der Nettoertrag aus Kryptoanlagen ging 2023 um gut ein Drittel zurück. Die Volatilität der Kryptowährungen war bis in den Herbst gering. Mittlerweile eilt der Bitcoin von Rekord zu Rekord. Merken Sie dies an gestiegenen Handelsaktivitäten?

Ja, klar. Man merkt es. Wir haben für 2024 einen Umsatz von 595 Mio. Franken budgetiert, wobei Krypto nur 30 Mio. davon ausmacht, also einen kleinen Prozentsatz. Allerdings haben wir jetzt in den ersten zwei Monaten bereits 9 Mio. realisiert.

Dennoch, wir bleiben vorsichtig, wir wissen ja, wie schnell sich die Situation verändern kann. Wir haben aber in den letzten drei Jahren in die Technologie investiert, also zu einer Zeit, als sich die Situation ziemlich hoffnungslos präsentierte. Das Kryptogeschäft gehört heute zum Angebot einer Digitalbank einfach dazu.

«Wir bleiben vorsichtig, wir wissen ja, wie schnell sich die Situation im Kryptogeschäft verändern kann.»

Sie haben es erwähnt, Informatikerinnen und Informatiker spielen für Ihr Geschäft eine entscheidende Rolle. Wo finden Sie diese trotz dem vielzitierten Fachkräftemangel?

Der Mangel besteht, aber es gibt sie noch (lacht). Ich bin Mitglied des ETH-Rates und dort sprechen wir das Thema immer wieder an. Die Schweiz muss unbedingt mehr IT-Ingenieure ausbilden, was nicht leicht ist, wenn man der ETH noch das Budget kürzt.

Aber es kommen jedes Jahr neue Informatikerinnen und Informatiker auf den Markt und wir versuchen zum Beispiel mit unserer Präsenz an der EPFL, wo wir einen Lehrstuhl finanzieren und Sponsor von weiteren Aktivitäten sind, die guten Ingenieure zu uns zu bringen. Aber das reicht nicht. Deshalb haben wir auch das Tech-Zentrum in Bukarest gegründet, wo Ingenieure für uns arbeiten. Ausserdem arbeiten wir mit Offshore-Firmen zusammen, die einen Teil der Entwicklung übernehmen.

Vor dem Überfall Russlands hat Swissquote etwa 150 Informatikerinnen und Informatiker in der Ukraine beschäftigt. Wie präsentiert sich die Situation für diese heute?

Zum Teil sind die Leute aus dem Land geflohen oder sind ausgewandert. Aber wir haben immer noch Informatiker vor Ort, die indirekt für uns arbeiten. Das ist eine sehr spezielle Situation. Die sind zum Teil an der Front und arbeiten dann wieder, bevor es zurück an die Front geht. Es ist zum Teil etwas schwierig mit der Zusammenarbeit – zum Beispiel bei der Organisation der sogenannten Scrum-Meetings. Aber die Arbeitsqualität ist unverändert gut. Die Resilienz dieser Menschen ist beeindruckend.

Letzte Frage: Sie stehen seit 28 Jahren an der Spitze des Unternehmens. Man soll bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Tragen Sie sich mit entsprechenden Gedanken?

28 Jahre? Ja, das stimmt! Nun gut, ich bin jetzt 63 und irgendwann höre ich dann auf. Aber am schönsten ist es halt bei Swissquote (lacht). Es ist spannend bei Swissquote, es gibt immer Neues und es macht mir unwahrscheinlich viel Spass. Ich habe ein sehr gutes Team hinter mir, mit guten Leuten, guten Stellvertretungen in allen Bereichen und kann mich auch mehr auf strategische Projekte konzentrieren. Und eben, es macht sehr viel Spass!

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