Martin Kaufmann, CEO Meier Tobler, im Interview

Martin Kaufmann
Martin Kaufmann, CEO Meier Tobler. (Foto: Meier Tobler)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Kaufmann, der Umsatz aus fortgeführtem Geschäft ist im letzten Jahr um vier Prozent geschrumpft. Welche beiden wichtigsten Gegenmassnahmen werden Sie jetzt beschleunigt umsetzen?

Martin Kaufmann: Wir haben in den letzten Monaten die ganze Organisation, die infolge der Fusion noch einige Kinderkrankheiten aufwies, wieder mit aller Konsequenz auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet, die Prozesse verbessert und wir haben diverse verkaufsfördernde Massnahmen definiert. Nun sind wir in der Umsetzung und wir spüren, dass es wirkt.

Die Neubautätigkeit ist zwar dank tiefen Zinsen überall nach wie vor hoch, der Sanierungsmarkt verharrt hingegen auf tiefem Niveau. Haben die Leute für Heizungssanierungen einfach nicht genug Geld?

Das Geld wäre vorhanden. Natürlich wird es lieber dort investiert, wo man täglich etwas davon hat und etwas davon sieht, zum Beispiel für mehr Design und Komfort in Küche oder Bad. Die schleppende und zum Teil auch komplizierte Umsetzung der neuen Energiegesetze sowie die tiefen Energiepreise halten viele Liegenschaftsbesitzer davon ab, ihre Heizungsanlage zu erneuern. Die Technik dazu wäre vorhanden – die Rahmenbedingungen und die kaum vorhersehbaren Amortisationsfristen führen jedoch zu hemmenden Verunsicherungen.

Alte Heizungen werden nur mehr alle 45 Jahre ersetzt. Das ist für Meier Toblers Umsatzzahlen ein Problem. Kommt Ihnen jetzt der steigende Ölpreis beim Erneuerungsbedarf zu Hilfe?

Wie zuvor gesagt: Wäre die Entwicklung der Energiepreise vorhersehbar, liessen sich die Betriebskosten über den ganzen Lebenszyklus rechnen und die Investitionen in eine neue Heizungsanlage wären planbar. Das wäre für alle ein Vorteil und die Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Bundes wäre einfacher.

Welcher der von Meier Tobler angebotenen Wärmeerzeuger hat gerade im Moment die grösste Zuwachsrate?

Die grössten Zuwachsraten verzeichnen ganz klar die Wärmepumpen, im Neubau werden praktisch nur noch WP’s eingebaut, aber auch bei Sanierungen spielt sie eine immer grössere Rolle. Das ist nicht nur bei Meier Tobler so, sondern in der ganzen Branche.

Als klarer Marktführer in der Schweiz im Segment Klimatechnik müssten die Klimakapriolen Meier Tobler in die Hände spielen…

Wir profitieren nicht gerne aus einer bedenklichen Entwicklung. Aber es ist schon so, es werden in der Schweiz immer mehr Gebäude klimatisiert. Der Klimatisierungs-Markt entwickelte sich in den letzten Jahren positiv und wir konnten in diesem Segment den Umsatz positiv entwickeln.

Kommt man vielleicht bald in der Schweiz nicht mehr ohne Klimaanlage aus?

Ich denke im Wohnbau wird die Klimaanlage auch in den nächsten Jahren eine Randerscheinung bleiben, im Zweckbau hingegen wird oder ist sie bereits Standard. Die Technik dazu ist vorhanden. Eine reversible Wärmepumpe kann die ganze Temperaturachse bespielen – im Winter wird geheizt und im Sommer gekühlt.

„Ich denke im Wohnbau wird die Klimaanlage auch in den nächsten Jahren eine Randerscheinung bleiben, im Zweckbau hingegen wird oder ist sie bereits Standard.“
Martin Kaufmann, CEO Meier Tobler

Bei der Sanitärtechnik gibt es zwar immer wieder viele Patente, aber für den Aussenstehenden sieht das Geschäft eher eintönig aus. Wo sehen Sie bei Sanitär in den nächsten Jahren die grossen Neuerungen?

Von Langeweile kann keine Rede sein! Bauherren investieren immer mehr in Sanitär – das Bad wird zum Wellness-Erlebnis. Wir unterscheiden den Bereich «Sanitär hinter der Wand» – das ist der für Bauherren unsichtbare technische Teil. In diesem Bereich sind wir stark und wollen weiter wachsen. Dieses Geschäft entwickelt sich in Richtung Standardisierung, Planungs- und Montagesicherheit, einfache und schnelle Montage sowie Wartungsaspekte. Im Bereich «Sanitär vor der Wand» stehen Design, Komfort und Funktion im Zentrum. In diesem Bereich überarbeiten wir zurzeit das Portfolio und wollen mit neuen Marketingmassnahmen noch breiter Fuss fassen. Beide Bereiche fliessen zusammen in der Entwicklung von «Fertignasszellen» die in hoher Standardisierung vermehrt in Grossprojekten ab 100 Wohnungen zum Einsatz kommen.

Die EBITDA-Marge ist im letzten Geschäftsjahr von 6,3 auf 5,6% gefallen. Wo soll Sie nach erfolgreichem Turnaround liegen?

Deutlich höher. Wir überarbeiten zurzeit die Mittelfristplanung und können somit zur Zeit noch keine konkrete Zahl nennen.

Durch die Fusion mit Tobler hatten Sie einen neuen Mehrheitsaktionär, die britische Ferguson (ehemals Wolseley) bekommen. Deren sehr konservativer Abschreiber auf die Meier-Tobler Aktie hat Ende Jahr für Verstimmung gesorgt. Hat sich das Verhältnis zu Ihrem Hauptaktionär nach Auflösung des Aktionärsbindungsvertrags mittlerweile etwas entspannt?

Durch die Übernahme eines Aktienpakets von Ferguson durch Silvan G.-R. Meier, unseren Präsident des Verwaltungsrates, hat sich die Lage und auch das Verhältnis normalisiert. Er hält nun mit 43 Prozent das grösste Aktienpaket.

Wie sähe denn der ideale Ankeraktionär für Meier Tobler aus?

Silvan G.-R. Meier ist der ideale Ankeraktionär, er kennt das Unternehmen, den Markt und auch die langfristigen Trends in der Haustechnik sehr gut. Er steht weiterhin mit seinem Namen für das Unternehmen ein, und vor allem denkt und handelt langfristig, was in anspruchsvollen Phasen für ein Unternehmen äusserst wichtig ist.

In der Elektroinstallationsbranche gibt es rund ums Jahr immer zahlreiche Firmenübernahmen. Wieso ist die Heizungs- und Klimatechnikbranche da eher zurückhaltend? Player hat es doch auch da genug.

In der Installationsbranche findet auch im Bereich HLKS (Heizung/Lüftung/Klimatechnik/Sanitär, A.d.R.) eine Konsolidierung statt, immer mehr Unternehmen schliessen sich zusammen oder werden von einem der grossen schweizweit tägigen Installationsunternehmen übernommen.

„Heute überwachen wir schon mehr als 1000 Anlagen mit «smart-guard» aus der Ferne. Wir haben dazu das neue Berufsbild des Ferndiagnostikers etabliert.“

Welche Bedeutung hat in Ihrer Branche die „Wartung aus der Ferne“?

Die Bedeutung nimmt laufend zu. Meier Tobler investiert seit Jahre in dieses Thema. Alle von uns verkauften Wärmepumpen und Klimaanlagen sind heute mit Fernwartungsmodulen ausgestattet. Heute überwachen wir schon mehr als 1000 Anlagen mit «smart-guard» aus der Ferne. Wir haben dazu das neue Berufsbild des Ferndiagnostikers etabliert – er ist unser Fern-Servicetechniker.

Es wird ja immer wieder plakativ vom Haus der Zukunft geredet. Was davon ist Wunschdenken und wo liegen die klaren Nutzen für jedermann?

Das Haus der Zukunft ist energieeffizient, benutzerfreundlich und bietet ein hoher Komfort in einem guten Raumklima. Sobald die Nutzen für die Bewohnenden einfach und klar dargestellt werden können, sind sie bereit, in die Haustechnik zu investieren. Heute gibt es zu viele Schnittstellen und zu wenig Kommunikation zwischen den einzelnen Komponenten. Es liegt an der Branche, die richtigen Lösungen zu entwerfen und diese auch mit den richtigen Argumenten auf den Markt zu bringen.

Zum Gesprächspartner:
Nach seinem Eintritt in die Oertli Service AG im Jahr 1999, war Martin Kaufmann (49) zuerst als Serviceleiter und dann als Geschäftsleiter tätig. Seit der Fusion von Oertli Service, Vescal und AxAir Kobra im Jahr 2007 führte er die Walter Meier (Klima Schweiz) AG als Geschäftsleiter. Martin Kaufmanns beruflicher Werdegang hat ihn nach der kaufmännischen Grundausbildung und dem Abschluss als Betriebsökonom HWV zuerst als Controller zur Ascom Zelcom AG geführt. Vor seinem Übertritt zur Oertli Service AG stand er als CFO bei der Stäfa Wirz Ventilator AG im Einsatz. Martin Kaufmann wurde im Februar 2017 CEO der aus dem Zusammenschluss mit der Tobler Haustechnik AG entstandenen Meier Tobler AG.

Meier Tobler AG
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