Martin Rohner, CEO Alternative Bank Schweiz

Martin Rohner

Martin Rohner, CEO Alternative Bank Schweiz

von Alexander Saheb

Moneycab: Herr Rohner, Sie sind Anfang 2012 von Max Havelaar zur ABS gewechselt. Wie einfach war es im aktuellen Umfeld, ein Banker zu werden?

Martin Rohner: Während der faire Handel heute bereits stark in den Köpfen der Konsumentinnen und Konsumenten sowie der Anbieter verankert ist, steht der Finanzsektor noch am Anfang der Auseinandersetzung über Fairness und Nachhaltigkeit. So gesehen ist es ein sehr spannender Zeitpunkt, um vom fairen Handel ins Bankgeschäft zu wechseln.

Was waren für Sie entscheidende Faktoren, bei der ABS anzuheuern?

Die ABS ist eine Pionierorganisation, was das ethische Banking angeht. Wurde das Geschäftsmodell der ABS bei ihrer Gründung noch belächelt, mutet es heute geradezu visionär an. Ich sehe ein grosses Entwicklungspotenzial für die ABS. Ihr Geschäftsmodell entspricht einem grossen Kundenbedürfnis.

Jetzt sind Sie bald 100 Tage bei der ABS. Wie ist der erste Eindruck, welche Ziele haben Sie für die Zukunft?

Erfreulich sind der rekordhohe Zufluss von Neugeldern und das entsprechende Wachstum unserer Bilanz im letzten Jahr von knapp 11 Prozent. Gleichzeitig sind alle Banken durch das Zinsumfeld und die sehr tiefen Margen gefordert. Für die Zukunft wollen wir im Kreditgeschäft weiterwachsen, und das Anlagegeschäft zu einem zweiten Standbein ausbauen. Zudem wollen wir unser Profil als wertorienterte Bank im Markt schärfen, indem wir unser Fachwissen in bestimmten Branchen oder auf bestimmten Themen stärker nach aussen tragen.

2011 war ein gutes Jahr für die Bank. Bilanzsumme und Reingewinn konnten deutlich gesteigert werden. Woran lag das?

Das lag am überdurchschnittlich hohen Zuwachs an Kundinnen und Kunden und dem Zufluss von Neugeldern. Zudem konnten wir unsere Ausleihungen erhöhen und gleichzeitig die Kosten vermindern. Mit dem Geschäftsergebnis sind wir sehr zufrieden.

„Die ABS ist keine gewinnmaximierende Bank“, Martin Rohner, CEO ABS

2011 wuchs die Kundenzahl der ABS um 6,7%. Es war die höchste Wachstumsrate seit 13 Jahren. Woher kommt das grosse Interesse an der Bank?

Das hat einerseits ganz allgemein mit dem gesteigerten Bewusstsein für die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit zu tun. Eine Entwicklung die sich zum Beispiel auch am Erfolg von biologisch produzierten oder fair gehandelten Produkten zeigt. Andererseits ist der Zuwachs wohl auch auf die Krise des Finanzsystems zurückzuführen, die zu Misstrauen gegenüber anderen Banken geführt hat. Da sind wir als überblickbare, transparente Bank, die ausschliesslich in die Realwirtschaft investiert, zu einer willkommenen Alternative geworden.

Allerdings ist man bei Ihnen ein transparenter Kunde. Den Datenaustausch mit ausländischen Steuerbehörden gibt es schon seit 2007 und alle Kreditnehmer werden publiziert. Warum ist das so und wer hat etwas davon?

Auch bei uns respektieren wir die Privatsphäre unserer Kunden. Hingegen verlangen wir, dass sämtliche Kunden und Kundinnen deklarieren, dass sie ihr Geld ordentlich versteuert haben. Seit 2007 meldet die ABS die Zinserträge von Vermögensanlagen der ausländischen Kundschaft im Rahmen der Zinsbesteuerungsabkommen zudem unaufgefordert an die Steuerbehörden. Die ABS setzt seit ihrer Gründung auf Transparenz und Glaubwürdigkeit. Für uns ist es also ganz normal, dass wir in Bezug auf die Versteuerung der Kundengelder so vorgehen. Kreditnehmende dürfen mit ihrem Projekt ja auch keine Negativkriterien verletzen. Es wäre dann aus unserer Sicht inkonsequent, wenn wir uns nicht dafür einsetzen würden, dass das Geld für die Finanzierung sauber ist.

Wie hat vor diesem Hintergrund die ganze Bankkundengeheimnis-Diskussion auf Sie gewirkt?

Wir fühlen uns im Weg bestätigt, den wir seit der Gründung gehen.

„Wer ABS-Aktien kauft, ermöglicht transparentes, nachhaltiges und sinnvolles Wirtschaften“, Martin Rohner, CEO ABS

Zurück zum Geld. ABS-Aktionäre haben schon seit 2009 keine Dividende mehr erhalten. Wie lautet die Dividendenpolitik der Zukunft?

Die ABS ist keine gewinnmaximierende Bank. Unsere Politik sieht vor, dass der Gewinn prioritär für die Stärkung der Kapitalbasis und für den Innovationsfonds verwendet wird. Je nach Ergebnis kann es vorkommen, dass keine Dividendenausschüttung stattfindet. Das wissen auch die Aktionäre. Betrachtet man nicht nur die Dividende, sondern auch die Entwicklung des inneren Werts unserer Aktien, bietet die ABS eine durchaus attraktive Investitionsmöglichkeit, in finanzieller als auch in sozialer und ökologischer Hinsicht. Trotzdem werden wir in Zukunft aber verstärkt auf die Dividendenpolitik achten und darauf hinarbeiten, dass wir regelmässig eine Dividende ausschütten können.

Die ABS ist nicht börsenkotiert und allen Anlegern einfach zugänglich. Warum? 

Der Wert der ABS-Aktien soll immer mit dem tatsächlichen Wert der Bank Schritt halten. Gehen wir an die Börse, können die Aktien zu Spekulationsobjekten werden, deren Wert unverhältnismässig hochgejubelt oder runter gehandelt wird. Das wollen wir vermeiden. Die ABS investiert gezielt in die Realwirtschaft und will selbst Teil der Realwirtschaft bleiben.

Wie kann man Aktionär der ABS werden?

Am besten nimmt man mit unserer KundInnenberatung Kontakt auf. Gerne stellen unsere Beraterinnen und Berater den Interessenten einen Zeichnungsschein zu.

Wem empfehlen Sie den Kauf von ABS-Aktien?

Die ABS-Aktie ist für Menschen die langfristig denken und ihr Geld in eine sinnvolle Alternative anlegen wollen. Wer ABS-Aktien kauft, ermöglicht transparentes, nachhaltiges und sinnvolles Wirtschaften.

Sind Sie selbst auch Aktionär?

Ich habe kürzlich ABS-Aktien gezeichnet, die jedoch noch ins Aktienbuch eingetragen werden müssen.

Zur Person
Martin Rohner ist seit Januar 2012 der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Alternativen Bank Schweiz. Er hat an der Universität St. Gallen Ökonomie studiert und hat ein Masterdiplom der Universität Cambridge in Umwelt und Entwicklung. In seiner bisherigen beruflichen Laufbahn war er beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), bei der Weltbank und bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank tätig.  Als Geschäftsleiter der Max Havelaar Stiftung (Schweiz) hat er während sechs Jahren die Entwicklung des fairen Handels in der Schweiz massgeblich mitgeprägt.

Zum Unternehmen
Die Alternative Bank Schweiz AG, gegründet 1990, wird von 4’400 Aktionärinnen und Aktionäre getragen. Sie weist eine Bilanzsumme von über 1 Milliarde Franken aus. Mehr als 26’000 ABS-Kundinnen und Kunden wissen, was mit ihrem Geld geschieht, und dass es Sinn stiftet. Denn die ABS publiziert sämtliche ausbezahlten Kredite und investiert in nachhaltige Projekte und Unternehmen. Sie verzichtet auf Gewinnmaximierung und stellt konsequent ihre sozialen und ökologischen Grundsätze in den Vordergrund. Auf diesem ethischen Fundament bietet die ABS gesamtschweizerisch die üblichen Dienstleistungen einer Anlage-, Spar- und Kreditbank an.

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