Martin Stadler, CEO, Initiator und Gründer von Stadler Form, im Interview

Martin Stadler, CEO, Initiator und Gründer von Stadler Form, im Interview
Martin Stadler, CEO, Initiator und Gründer von Stadler Form (Foto: Stadler Form)

Von Karin Bosshard

Moneycab.com: Herr Stadler, bitte erzählen Sie kurz was Stadler Form macht.

Martin Stadler: Wir entwickeln Raumklima-Produkte für individuelle Luft-Wünsche. Dabei legen wir viel Wert auf ein zeitgemässes wie auch aussergewöhnliches Design. Die Produktpalette beinhaltet mittlerweile Klimageräte wie Luftbefeuchter und -reiniger, Bedufter, Heizlüfter, Ventilatoren und Luftentfeuchter.

Sie beschäftigen fünf Designer in Ihrem Unternehmen. Das hört sich nach sehr viel an …

Wir sind eine kleine Firma mit Sitz in Zug und arbeiten daher nur auf Projektbasis mit externen Spezialisten zusammen. Swissness ist uns sehr wichtig, weshalb unsere Produkte ausschliesslich in Zusammenarbeit mit Schweizer Produktdesignern konzipiert werden. Da es unterschiedliche Experten vom Fach sind, erhalten wir ein grosses Know-How und sehr viel Kreativität. Das ist auch bei den Geräten spürbar.

Sie haben Stadler Form vor rund 21 Jahren gegründet. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Inzwischen bringen wir jährlich 2-3 Produktneuheiten auf den Markt. Wir decken so neu aufkommende Bedürfnisse ab und erweitern unser Angebot hinsichtlich der Breite wie auch Tiefe unseres Sortiments, welches mittlerweile 34 verschiedene Produkte in unterschiedlichen Ausfertigungen umfasst. Darüber hinaus sind wir in den vergangenen Jahren auch als Firma stark gewachsen. Ich startete mit einem Einmannbetrieb und heute beschäftigen wir 17 Mitarbeitende.

«Swissness ist uns sehr wichtig, weshalb unsere Produkte ausschliesslich in Zusammenarbeit mit Schweizer Produktdesignern konzipiert werden.»
Martin Stadler, CEO, Initiator und Gründer von Stadler Form

Die Konjunktur in der Schweiz hat sich analog der globalen Entwicklung abgeschwächt. Was bedeutet das für die Stadler Form?

Unsere Produkte sind mittlerweile in über 500 Verkaufsstellen erhältlich. Damit haben wir eine stabile Marktposition in der Schweiz. Auch wenn der Markt nicht mehr ganz so stark wächst, konnten wir in den vergangenen Jahren den Vertrieb ausdehnen. Das gelingt vor allem dank innovativer Neuheiten und aufgrund der Kundenzufriedenheit.

Sehen Sie irgendwelche Anzeichen, dass sich für Ihr Unternehmen am herausfordernden Marktumfeld in naher Zukunft etwas ändert?

Wir gehen absolut mit der Zeit und stellen uns auch gerne neuen technischen Herausforderungen. Trotz der hervorragenden Qualität, sind unsere Produkte erschwinglich. Damit heben wir uns auf dem Markt stark ab. Der Online-Markt wird künftig sicherlich noch mehr an Bedeutung gewinnen. Mit Videos rund um das Thema Luftbehandlung oder mit 3D Ansichten unserer Produkte wollen wir den digitalen Ansprüchen gerecht werden.

«Nachhaltigkeit ist bei uns ein grosses Thema, das in den nächsten Jahren sicherlich noch stärker in den Fokus rückt.»

Was beinhaltet Ihre Strategie/Vision, resp. was rücken Sie in den kommenden Jahren in den Fokus?

Nachhaltigkeit ist bei uns ein grosses Thema, das in den nächsten Jahren sicherlich noch stärker in den Fokus rückt. Deshalb bieten wir Reparaturen von unseren Klima-Geräten an und achten während der Produktentwicklung verstärkt auf viel Leistung bei niedrigem Stromverbrauch. Viele unserer Produkte arbeiten mittlerweile sehr effizient und schalten sich beispielsweise bei schlechter Luft automatisch ein und bei guter Luft wieder ab. Das spart Energie und bringt zugleich individuellen Komfort, da zumeist auch verschiedene Stufen einstellbar sind.

Gehört es auch zu Ihrer Unternehmensstrategie, neue Kundengruppen zu erschliessen und den Marktanteil zu erhöhen?

Wer neue Kundengruppen erschliessen möchte, muss individuelle Bedürfnisse berücksichtigen. Zum einen heisst das, dass wir beispielsweise mit unseren Luftreinigern Allergiker ansprechen wollen und zum anderen aber in diesem Zuge auch mit neuen Geschäftskunden, in diesem Fall wären es Arztpraxen, zusammenarbeiten möchten. Ja, das ist absolut in unserem Sinne. Wir arbeiten mit unseren Vertriebspartnern in der Schweiz und im Ausland intensiv daran, unseren Marktanteil zu erhöhen. Dazu gehören neben Arztpraxen auch weitere Kundengruppen wie Hotels und Büros. Unser neuestes Produkt heisst Emma – eine Luftbefeuchterin, die man mit auf Reisen nehmen kann. Dass man das Gehäuse in die Wasserflasche stecken kann, ist neuerdings patentiert. Neue Kundengruppen muss man insofern auch differenziert betrachten. Das gelingt uns dank innovativer Ideen.

Planen Sie einen weiteren Ausbau Ihres nationalen und internationalen Distributorennetzwerks?

Wir möchten die Distribution nicht mehr ausweiten, sondern mit den bestehenden Partnern den Markt intensiver bearbeiten, um so den Marktanteil zu erhöhen. In der Schweiz sind wir online und offline präsent und international sind wir bereits in über 50 Ländern tätig.

«Besonders die Kunden im asiatischen Raum sind sehr interessiert an vernetzten Produkten, die sie mit dem Smartphone steuern können.»

Die ganze Welt wird digitaler. Welches sind Ihre Zielsetzungen im Digitalisierungsbereich?

Wir haben unsere Prozesse stark modernisiert. Eigens dafür haben wir bei Stadler Form eine Stelle im Management für Digitale Transformation geschaffen. Eine Person kann sich nun fast vollzeitlich um Angelegenheiten rund um die Digitalisierung kümmern. Das zahlt sich bereits aus, denn wir hinterlassen schon digitale Fussspuren, die zum Online-Handel und letztlich auch zum stationären Handel führen. Erstmals haben wir dieses Jahr auch Werbevideos umgesetzt, die im Rahmen einer Online-Kampagne ausgespielt wurden.

Welche Digitalisierungsprojekte verfolgt die Stadler Form derzeit konkret und welche Trends finden Sie persönlich am spannendsten?

Wir testen derzeit ein sprachgesteuertes Gerät aus unserem Sortiment in China. Besonders die Kunden im asiatischen Raum sind sehr interessiert an vernetzten Produkten, die sie mit dem Smartphone steuern können. Eine Interaktion mit den Geräten über Sprachbefehle liegt aktuell im Trend. Dies finde ich persönlich für unsere Produkte auch sehr spannend, da unsere Geräte ohnehin bereits Namen tragen und auf dieser Ebene bereits personifiziert sind. Über die Sprachsteuerung wird den Produkten als Mitbewohnern noch mehr Leben eingehaucht.

Die meisten KMUs sind von ihrem Ursprung her eher traditionelle, konservative Unternehmen. Was bedeutet die digitale Transformation für Ihre Mitarbeitenden?

Mit der Digitalisierung eröffnen sich uns neue Möglichkeiten im Service-Bereich. Wir haben inzwischen ein Social-Media-Team, das sich um alle Belange unserer Kunden kümmert. Für unsere Mitarbeitenden bedeutet dies, dass Sie verstärkt mit den Kunden in Kontakt treten. Damit erhalten Sie eine grosse Verantwortung, da sie die Firma über einen öffentlichen Kanal repräsentieren. Hierfür bieten wir Schulungen an und sorgen intern für einen guten Kommunikationsfluss. Über diesen Weg können wir hinsichtlich des traditionellen Aspekts auch unsere Firmenwerte kommunizieren.

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