Matthias C.E. Preiswerk, Teilhaber und GL-Vorsitzender, Baumann & Cie, Banquiers im Interview

Matthias C.E. Preiswerk
Matthias C.E. Preiswerk, Teilhaber und GL-Vorsitzender, Baumann & Cie, Banquiers. (Foto: zvg)

Von Karin Bosshard

Moneycab.com: Herr Preiswerk, Sie verzichten bewusst auf übermässige Diversifikation und bevorzugen in Schweizer Franken nominierte Sachwertanlagen wie Aktien. Ist das Ihr Erfolgsrezept?

Matthias C.E. Preiswerk: Wir haben im Unterschied zu vielen anderen Banken, welche mehrheitlich im festverzinslichen Bereich tätig sind, immer auf Aktien gesetzt. Dadurch konnten wir in den letzten Jahren von den Märkten und den guten Performances profitieren. Und ja, ich darf sagen, das ist eines unserer Erfolgsrezepte.  

«Banking ist nach wie vor eine Kunst und keine Wissenschaft.»
Matthias C.E. Preiswerk, Teilhaber und Vorsitzender der GL, Baumann & Cie, Banquiers

Was bedeutet das scheinbar noch länger anhaltende Tiefzinsumfeld für Ihr Geschäftsmodell, wo wollen Sie eventuell doch noch diversifizieren?

Wir haben bereits eine Strategieänderung vorgenommen, indem wir mit unseren Eigenmitteln auch Hypotheken und Lombarddarlehen vergeben. So ist unser Zinsergebnis in diesem Jahr besser geworden als im Vorjahr.

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf Ihr Geschäft?

Für uns betrachte ich die Digitalisierung als Chance, um noch effizienter zu werden. Grundsätzlich sehen wir uns dabei nicht als First Mover. Wir beobachten die ganzen Entwicklungen sehr genau und nutzen die besten Angebote für unsere Kundschaft.

«Die Kundinnen und Kunden von heute sind gut informiert und verstehen die Zusammenhänge.»

Wie beurteilen Sie die Folgen des politischen Drucks aus dem Ausland auf den Schweizer Finanzplatz?

Der Druck auf den Finanzplatz Schweiz ist unbestritten grösser geworden, insbesondere auf das Vermögensverwaltungsgeschäft. Persönlich bin ich davon überzeugt, dass durch die Offenlegungen die Beziehungen zu den Kunden in der Folge qualitativ besser geworden sind.

Wie stellen Sie sich zu den teils rekordhohen Salären und Boni für das Top-Management, insbesondere im Bankwesen?

Diese Entwicklung ist aus meiner Sicht sehr schädlich für die gesamte Branche. Vor allem wenn man berücksichtig, wie eigentlich risikolos relativ viel Geld verdient werden kann. Auch das Argument, dass man keine Talente mehr findet, kann ich nicht nachvollziehen.

Wäre eine Änderung der Rechtsform und eine Publikumsöffnung für Baumann & Cie, Banquiers eine Möglichkeit, einen kräftigen Expansionsschritt zu machen?

Ich bin immer noch der Ansicht, dass es keine modernere Gesellschaftsform gibt als die Personengesellschaften. Eine Publikumsöffnung mit unserer Kommanditärin, bei welcher wir die Aktien unseren Kunden und Mitarbeitenden angeboten haben, ist erfolgt. Wir sind damit vor fünf Jahren gestartet und zählen mittlerweile bereits über 250 Aktionäre.

Grösse allein scheint demnach entgegen der herrschenden Meinung im Finanzmarkt weder Garant noch Hinderungsgrund für eine erfolgreiche Existenz zu sein: Was ist die Basis für eine zukunftsfähige Schweizer Privatbank?

Das Kleinbanken-Bashing ist unerfreulich und hat zur Folge, dass zum Teil Kunden und potenzielle neue Mitarbeiter verunsichert werden. Nicht die Grösse, sondern die Effizienz und das Angebot spielen eine Rolle. Wir müssen nicht zwingend einfach nur wachsen, wir wollen in unserer Nische sehr spezifisch wirken.

«Das Kleinbanken-Bashing ist unerfeulich und verunsichert Kunden wie Mitarbeiter.»

Herr Preiswerk, welches unternehmerische Fazit ziehen Sie nach rund 100 Jahren Baumann & Cie Banquiers?

Ich kann nur 20 Jahre überblicken. Diese Zeit ist geprägt durch die fundamentalen Veränderungen im Private Banking. Mein unternehmerisches Fazit bezogen auf Baumann & Cie, Banquiers lautet, dass wir heute gut aufgestellt sind, um sämtliche Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft optimal zu meistern.

Baumann & Cie, Banquiers zählte seit zwei Jahren nur noch zwei voll haftende Teilhaber. Die Suche nach neuen Teilhabern ist zwischenzeitlich erfolgreich abgeschlossen. Was können Sie uns zu den neuen Teilhabern sagen?

Mit grosser Freude und Genugtuung können wir zwei neue Teilhaber präsentieren, die ab dem 1. Januar 2020, vorbehältlich der Genehmigung der Finma, unser Unternehmen gemeinsam in das 100. Geschäftsjahr führen. Wir sind ausserordentlich froh, mit Daniel Burkhardt und Mathias Brenneis eine interne Lösung präsentieren zu können.

Was bedeutet dieser Generationenwechsel für Sie persönlich?

Ich werde mich nach 19 Jahren aus der operativen Geschäftsleitung zurückziehen und den Vorsitz an Daniel Rüedi übergeben. Als unbeschränkt haftender Teilhaber der Bank und als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung und Präsident der Kommanditärin AVAG werde ich die Bank weiterhin aktiv begleiten.

Zum Schluss des Interviews haben Sie drei Wünsche frei, wie sehen diese aus?

Ich wünsche mir, dass die Schweiz und der Schweizer Finanzplatz selbstbewusster auftreten. Die Schweiz hat so viele positive Werte, welche im Moment immer „klein geredet“ werden. Wir dürfen durchaus eine „breitere Brust“ zeigen, auch in den Verhandlungen mit der EU und den USA.

Ich glaube auch, dass die Schweiz eine unglaubliche Innovationskraft hat. Wahrscheinlich gibt es keinen weiteren so kleinen Staat mit so vielen guten und neuen Ideen. Das dürfen wir alle gerne mehr erwähnen und unterstützen.

Und mein dritter Wunsch ist, und dieser ist jetzt vor den Wahlen ganz entscheidend, dass Politiker gewählt werden, welche lösungsorientierte und nicht interessenspolitik- und amtsperiodenbezogene Politik betreiben, damit sie wiedergewählt werden, sondern sich effektiv mit aller Kraft für das Allgemeinwohl einsetzen und wirklich Lösungen bringen.  

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