Michael Agoras, CEO Adecco Schweiz

Michael Agoras

Michael Agoras, CEO Adecco Schweiz.

Von Robert Jakob

Moneycab: Herr Agoras, Frankreich und Nordamerika als Adeccos Hauptmärkte laufen trotz der im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz schwächeren Konjunktur besonders gut. Adecco profitiert ja auch bei schwächelnder Konjunktur vom Hang zur Temporärarbeit. Die Bruttomarge ist der Adecco-Gruppe liegt im Moment sehr stabil bei 17,8% . Wie sieht der Beitrag der Adecco Schweiz zu diesem Zahlenkranz aus?

Michael Agoras: Der Beitrag von Adecco Switzerland zum Gesamtumsatz der Adecco Group war, ist und bleibt bedeutend. In der Schweiz verzeichnen wir sogar eine deutlich höhere Bruttomarge als der Adecco Group Länderdurchschnitt, nicht zuletzt deshalb, weil wir uns in einem nischenreichen und entsprechend spezialisierten Markt bewegen.

«Der Beitrag von Adecco Switzerland ist in Anbetracht der Grösse des Landes und im Vergleich mit den anderen 60 Adecco-Ländern überproportional gross.» Michael Agoras, CEO Adecco Schweiz

Wird sich die Nachfrage nach Fachkräften, die ja in der Schweiz im internationalen Vergleich kaum nachgelassen hat, in diesem Jahr stark erhöhen?

Die Nachfrage wird in der Schweiz weiterhin ungebrochen stark sein. Wir gehen nicht davon aus, dass sich dass in absehbarer Zeit ändern wird.

Im Moment läuft vor allem im Industriesektor sehr gut, in den Schwellenländer und bei den Fachkräften. Warum werden immer noch vergleichsweise wenig Büroangestellte gesucht?

Der kaufmännische Bereich umfasst einfache wie auch komplexe Gebiete der Betriebswirtschaft wie Buchhaltung, Rechnungswesen, Verkauf, Einkauf, Marketing, Personalwesen, Immobilienbewirtschaftung und Verwaltung sowie Versicherungen. In allen Fachgebieten benötigt es Sachbearbeiter/Innen, die einfache und repetitive Arbeiten erledigen, die mit einer Handelsgrundausbildung gut bewältigt werden können. In diesem Bereich werden eher weniger Mitarbeitende gesucht. Spezialisierte Fachkräfte aus den genannten Gebieten sind wiederum stark nachgefragt.

Im dritten Quartal ging es mit dem Gruppenumsatz um satte 36% bergauf auf über 5 Milliarden, der Adecco Reingewinn stieg gar um 42% auf 128 Millionen. Wie viel wird die Schweiz 2011 zum Gruppengewinn beitragen können?

Wir rechnen dieses Jahr mit einem Umsatz, der bedeutend höher sein wird als derjenige von 2010. Der Beitrag von Adecco Switzerland ist in Anbetracht der Grösse des Landes und im Vergleich mit den anderen 60 Adecco-Ländern überproportional gross. Adecco Schweiz hat weltweit die mit Abstand höchste Produktivität! Auf diesen KPI sind wir sehr stolz.

Sehen Sie unterschiedliche Anforderungsprofile zwischen Arbeitgebern in der Romandie, dem Tessin und der Deutschschweiz?

Die Anforderungsprofile widerspiegeln auf direkte Art und Weise die Unternehmenslandschaft eines Gebietes, sei es regional, sprachregional oder national. Wir sehen deshalb Unterschiede in den Stelleninseraten der unterschiedlichen Sprachregionen, die sich auf Grund der lokalen soziodemographischen und makroökonomischen Gegebenheiten äussern.

Sie werden bald Ihr zehnjähriges Betriebsjubiläum feiern. Welche Krisenperiode war für Sie die schwierigste? Jene nach dem Platzen der New Economy bubble oder jene nach der Finanzkrise?

Die Finanzkrise machte sich sehr kurzfristig und heftig bemerkbar. Die Unternehmen mussten sehr schnell Strukturanpassungen einleiten. Von daher gesehen empfand ich die Finanzkrise als schwieriger.

Wie schätzen Sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz und des Schweizer Führungsnachwuchs ein?

Die Schweiz steht mit ihrem überdurchschnittlich hohen Niveau, besonders in den Bereichen Finanz-und Versicherungsdienstleistungen, Tourismus, Forschung, Engineering und Industrie-Manufakturen – vor allem in der Uhrenindustrie – sehr stark im internationalen Wettbewerb da. Auf Grund des dualen Ausbildungssystems und dem sehr hohen Niveau Schweizerischer Ausbildungsstätten sind wir bezüglich unseres Führungsnachwuchses guter Dinge. Der Schweizer Führungsnachwuchs zeichnet sich vor allem auch durch überdurchschnittliche Sprachkompetenzen, einer ebensolchen Dienstleistungsorientierung sowie Produktivität aus.

Wie wichtig ist Diversity für Ihr Unternehmen und welche Massnahmen sind in Ihrem Unternehmen zum Thema geplant oder schon umgesetzt?

Wir leben Diversity sowohl als Arbeitgeber wie auch als Dienstleister: unsere Kernkompetenz ist der Verleih und die Vermittlung von Arbeit und Arbeitskräften da wo sie gebraucht und gesucht wird. Das wichtigste ist, dass die Parteien zusammenpassen. Die Frage nach der Wichtigkeit von Diversity stellt sich bei uns in dem Sinne also nicht mehr, weil wir diese bereits leben und pflegen. Als Massnahmen zur Unterstützung von Diversity fördern und realisieren wir Teilzeitmodelle – auch auf Kaderstufe) – Home Office, Wiedereinstieg nach dem Mutterschaftsurlaub, Sprachaufenthalte in anderen Adecco-Länderniederlassungen sowie interregionale und interdisziplinäre Austauschmöglichkeiten.

Wie sieht die Zeitarbeitsbranche in weiteren zehn Jahren aus?

Die Zeitarbeits- sowie die Personaldienstleistungsbranche werden sich weiterhin positiv entwickeln und einen nicht zu unterschätzenden volkswirtschaftlichen Nutzen bringen. Flexible Arbeitsmodelle werden weiterhin notwendig sein.

«Auf Grund des dualen Ausbildungssystems und dem sehr hohen Niveau Schweizerischer Ausbildungsstätten sind wir bezüglich unseres Führungsnachwuchses guter Dinge.»

Ist die Zeitarbeitsbranche irgendwann mal am Sättigungslimit?

Wir gehen davon aus, dass die Zeitarbeitsbranche in einer flexiblen Arbeitswelt weiter an Bedeutung zunehmen wird. Wo sich dieser Bedeutungszuwachs zu verlangsamen beginnt, hängt von der weiteren Entwicklung der Arbeitswelt und der Konjunktur ab.

Ist eine brummende Konjunktur eher weniger gut fürs Geschäft?

Im Gegenteil. Die diversen Konjunkturzyklen fordern einen flexiblen Arbeitsmarkt und Flexibilität ist unser Kerngeschäft. Auf Grund unseres diversifizierten Produktportfolios können wir auf alle Zyklen reagieren und die vom Markt benötigten Dienstleistungen bieten.

Weshalb kommt es gerade im Personalvermittlungsmarkt so häufig zu Mergers&Akquisitions?

Der Hauptgrund solcher strategischen Vorgehensweisen ist die Diversifikation der Dienstleistungen. Konzentriert man sich in unserer Branche hauptsächlich auf den Personalverleih, riskiert man auf Grund des Margendrucks Konkurrenzunfähigkeit und somit die Überlebensfähigkeit seines Unternehmens. Wir müssen uns mit dem Markt entwickeln.

Der Gesprächspartner:
Michael Agoras, Jahrgang 1967, ist in Männedorf im Kanton Zürich aufgewachsen, wo er auch die Schulen besucht hat. Er liess sich zum Maschinenmechaniker, zum technischen Kaufmann, zum Marketingplaner und schliesslich zum Verkaufsleiter ausbilden.

Seine berufliche Laufbahn begann er als Mechaniker und Monteur bei diversen Unternehmen auf temporärer Basis. 1989 startete seine Karriere in der ADIA-Interim-Filiale in Wetzikon als Personalberater. 1991 wurde er Filialleiter in Wetzikon, danach Filialleiter der Branch Winterthur, schliesslich Leiter und Koordinator sämtlicher Ostschweizer Filialen von ADIA Interim. 1995 war Michael Agoras für das Business Development der ganzen Deutschschweiz verantwortlich. Seit Juli 2002 amtet Michael Agoras als Country Manager Switzerland.

Michael Agoras ist griechischer Abstammung und Vater zweier Kinder. Seine Freizeit verbringt er am liebsten mit der Familie, auf Motorradtouren oder beim Segeln. Weiter interessiert er sich für Sport und Uhren.

Das Unternehmen:
Adecco Switzerland ist der führende Personaldienstleister im Bereich Working Life Cycle der Schweiz mit einer mehr als 50-jährigen Erfahrung auf diesem Gebiet. Das Unternehmen beschäftigt über 450 interne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist schweizweit mit mehr als 100 Geschäftsstellen an über 50 Standorten vertreten. Mit 40’000 temporären Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist Adecco Switzerland einer der grössten Arbeitgeber des Landes. Adecco Switzerland gehört zur weltweit tätigen Adecco Group.


Symbolbild KF für CEO Interviews


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