Oliver Jaussi, CEO SeeBeteiligungs AG, SeeImmo AG und der Bank Zimmerberg AG

Oliver Jaussi, CEO SeeBeteiligungs AG, SeeImmo AG und der Bank Zimmerberg AG

Oliver Jaussi, Geschäftsleiter/CEO SeeBeteiligungs AG, SeeImmo AG und der Bank Zimmerberg AG. (Foto: zvg)

von Robert Jakob

Moneycab.com: Herr  Jaussi, über eine  Million Menschen pendelt  pro Jahr über den Zürichsee nach Horgen. Profitiert Ihre Bank von diesem Strom?

Oliver Jaussi: Das Bankengeschäft ist grundsätzlich ein Beziehungsgeschäft. Es ist relativ selten, dass eine Bank Neukunden aufgrund von Pendlerströmen erhält. Dennoch dürfen wir seit unserer Umfirmierung zur Bank Zimmerberg immer wieder neue Kunden bei uns begrüssen, welche explizit erwähnen, dass sie aufgrund unserer Werbung auf uns aufmerksam wurden.

Neben der Filiale Horgen hat die Bank Zimmerberg AG Filialen im benachbarten Oberrieden und auf dem Hirzel. Wie hält man eine kleine Bank wie die in Hirzel kostenmässig fit? Die Schalteröffnungszeiten sind ja bei allen Ihren Filialen gleich.

Eine reine Profitcenter-Rechnung ist für eine Niederlassung in dieser Grösse nicht adäquat. Wir arbeiten mit einer Mischrechnung, welche versucht die effektiven Leistungen möglichst korrekt zu reflektieren. Wir haben einerseits die tatsächlichen Erträge, welche durch die Kundenbedienung- und Betreuung vor Ort erwirtschafteten werden und anderseits die indirekten Erträge aus Vermittlung – Kundenvermittlung an den Hauptsitz. Zudem bestehen weitere, nur schwer kalkulierbare positive Einflüsse, wie Imageträger, lokale Werbung, einzige Bank im Ort, et cetera. Unter Berücksichtigung aller Aspekte erhalten wir einen Mehrwert und ein positives Gesamtresultat. Das macht diese zwei Niederlassungen zu wichtigen strategischen Distributionskanälen.

Die Schwestergesellschaft SeeImmo AG besitzt die Bankgebäude in Horgen und Hirzel; Oberrieden gehört der Gemeinde. Wäre da nicht ein Rückkauf sinnvoll?

Unsere Niederlassung in Oberrieden wird nach Bauvollendung (voraussichtlich im Januar 2016) in unser neues Wohn- und Geschäftshaus an die Alte Landtrasse 29 umziehen. Damit erhält unsere Bank, welche auch in Oberrieden Alleinbank ist, den bestmöglichen Standort an optimaler Verkehrslage. Aus diesem Grund haben wir die Liegenschaften, welche die heutige Niederlassung beherbergt, vor geraumer Zeit der Gemeinde Oberrieden verkauft.

«Wir haben in der Vergangenheit eine eher restriktive Kreditpolitik verfolgt und könnten auch eine umfangreichere Preiskorrektur problemlos verkraften.» Oliver Jaussi

Mit einer Kapitalquote nach Basel III von 15,2% sind Sie nach der erfolgten Kapitalerhöhung auf der sicheren Seite. Sie hätten sicher Luft für die ein oder andere etwas grössere Investition?

Das ist richtig, Wir haben uns bewusst für diesen präventiven Weg entschieden, um allfällige Veränderungen am Markt beziehungsweise mögliche weitere regulatorische Veränderungen problemlos schultern zu können. Zudem wird die Bilanzsumme unserer Bank bald die 1 Milliarden-Grenze erreichen, was eine leicht höhere Eigenmittelunterlegung zur Folge haben wird.

Horgen und Oberrieden gehören zu den bevorzugten Wohngemeinden im erweiterten Einzugsgebiet von Zürich. Hier sind die Immobilienpreise explodiert. Rechnen Sie gar nicht mit Ausfällen in Ihrem Hypothekarportfolio?

Das stetige Wachstum der Immobilienpreise in den vergangenen Jahren hat vor allem mit der Attraktivität der Lage am linken Zürichseeufer zu tun. Generell rechnen wir mit einer Verlangsamung der Preisentwicklung, nicht zuletzt aufgrund von regulatorischen Massnahmen  und vielleicht mit einem leichten Rückgang im höheren Preissegment. Zudem haben wir in der Vergangenheit eine eher restriktive Kreditpolitik verfolgt und könnten auch eine umfangreichere Preiskorrektur problemlos verkraften.

Ihre Hypothekarausleihungen sind nur um 2 Prozent gewachsen. Sind Sie bewusst vorsichtig oder ist der Konkurrenzkampf hart?

Aufgrund der Unsicherheiten am Markt und der genannten vorsichtigen Haltung unserer Bank haben wir die Kredit- und Hypothekarvergabe leicht angepasst.

Letztes Jahr steigerte die Bank Zimmerberg den Gewinn um rund 15 Prozent. Soll die Ausschüttungsquote an die Aktionäre bei rund einem Drittel bleiben?

Wir haben in den letzten Jahren die Ausschüttungsquote laufend leicht erhöht. Wenn es das Geschäftsergebnis zulässt, halten wir an dieser Strategie fest.

Die SeeBeteiligungsAG als Dachgesellschaft der Bank Zimmerberg und der SeeImmoAG besitzt auch auch  die SeeInvestment AG. Letztere ist aber im Moment inaktiv. Wann kann das ändern?

Zur Zeit bestehen keine Pläne, die SeeInvestment AG zu aktivieren.

«Die RBA hat in den letzten Jahren deutlich an Einfluss verloren.»

Die Bank Zimmerberg gehört der RBA-Bankengruppe an. Ein Ausscheren würde sie rund 1 Million Franken kosten. Ist das eine Art goldene Kette?

Die RBA hat in den letzten Jahren deutlich an Einfluss verloren. In der nächsten Zeit wird der Verbund auf einzelne Kerndienstleistungen reduziert werden. Bezugspflichten sind nicht weiter relevant.

Wie viel Prozent Ihres Bankberatungsgeschäfts läuft denn mittlerweile übers Internet?

Das ist schwer zu quantifizieren. Grundsätzlich informieren sich viele Kunden und potentielle Neukunden über das Internet und nehmen anschliessend mit einem Kundenberater unserer Bank, entweder per Email oder telefonisch, Kontakt auf. Wir bieten alle modernen Möglichkeiten wie Netbanking, Mobile Banking an. Zudem verfügen wir über eine Beratungslösung, die es uns ermöglicht, Kunden im direkten Gespräch mittels iPad und Bildschirmen ihre Situation in Form von Visualisierungen eindrücklich darzustellen. Als beinahe 200-jährige traditionsreiche Universalbank ist es wichtig, laufend die neuesten digitalen Entwicklungen in der Bankenlandschaft zu prüfen und bei Bedarf einzuführen.

Da haben Sie ja grosse Pläne. Wie sehen diese aus?

Wir arbeiten stets nach dem Motto: „Das Eine tun, das Andere nicht lassen“. Das heisst, wir bieten unseren langjährigen und treuen Kunden den gewohnt überdurchschnittlichen und zuvorkommenden Service, den sie verdienen. Anderseits verschliessen wir die Augen nicht vor der Zukunft und legen grossen Wert darauf, bei künftigen Entwicklungen sehr früh mit dabei zu sein. Wir setzten gezielt auf unsere Kernwerte und entwickeln uns dadurch seit Jahren überdurchschnittlich gut. Dies hat dazu geführt, dass wir in einem für Banken eher schwierigen Umfeld, sieben Rekordergebnisse in Folge präsentieren konnten.

Zur Person:
Oliver Jaussi, geb. 28.11.1972, ist seit 1. Oktober 2007 CEO der BANK ZIMMERBERG AG. Zuvor arbeitete er von 1989 bis 2007 bei der Zürcher Kantonalbank, zuletzt als Leiter der Geschäftsstelle Wädenswil. Jaussi arbeitet seit über 23 Jahren in verschiedenen Sparten des Bankgeschäfts, leitete u.a. ein Privat- und Firmenkundenteam, arbeitete als Finanzplanungs- und Vorsorgespezialist und führte eine Bankfiliale in Zürich. Er absolvierte verschiedene Ausbildungen im Finanzbereich und schloss unter anderem folgende Studiengänge erfolgreich ab: 2005 Financial Consultant FH (Studium an der Hochschule Winterthur) und 2008 den Master in Real Estate Management (Studium an der Hochschule für Wirtschaft Zürich).

Zum Unternehmen:
Die SeeBeteiligungs AG (SBA) ist das Holdingdach der Bank Zimmerberg (ZIM),  der Seelmmo AG und der derzeit inaktiven SeeInvestment AG. Die SeeImmo AG verwaltet die Liegenschaften der SeeBeteiligungsAG.  Die Aktien  werden auf der eKMU-X Plattform der Zürcher Kantonalbank gehandelt. Damit beteiligt man sich also an einer Bank und an einer kleineren Immobiliengesellschaft. Hervorgegangen ist die Bank Zimmerberg aus der Sparkasse Horgen.

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