Peter Hilfiker, CEO Schwyzer Kantonalbank

Peter Hilfiker
SZKB-CEO Peter Hilfiker. (Foto: SZKB)

Peter Hilfiker, CEO Schwyzer Kantonalbank. (Foto: SZKB)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Hilfiker, am 15. Januar hat die Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgehoben. Waren Sie von dem Schritt überrascht?

Peter Hilfiker: Von der Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank waren wir nicht überrascht, vom Zeitpunkt aber schon.

Hat die Schwyzer Kantonalbank dadurch Verluste erlitten?

Nein, aber die SZKB war mit einer stark erhöhten Nachfrage nach physischen Euronoten konfrontiert. Unsere Mitarbeitenden haben sehr gut und professionell reagiert.

Anleger mussten nach dem Einbruch an der Börse Verluste hinnehmen. Was raten Sie den Anlegern?

Für Anleger heisst es, kühlen Kopf zu bewahren. Überstürztes Handeln lohnt sich selten. Investiert zu bleiben hat sich langfristig hingegen meistens ausbezahlt. Es gilt, die Ereignisse vom 15. Januar abzuhaken und als neue Realität zu akzeptieren. Wichtig ist, dass die Anleger gemäss ihrer eigenen Risikotoleranz- und -fähigkeit investiert sind, dann lassen sich auch solche extremen Schocks besser verkraften.

«Die SZKB sieht aktuell keinen Grund, auf der Kundenseite Negativzinsen einzuführen.»
Peter Hilfiker, CEO SZKB

Wie sieht es bezüglich der Weitergabe von Negativzinsen aus?

Die SZKB sieht aktuell keinen Grund, auf der Kundenseite Negativzinsen einzuführen. Die SZKB wird aber den Markt, das Verhalten der Marktteilnehmer und der SNB weiterverfolgen und bei Bedarf geeignete Massnahmen prüfen.

Welche Folge haben die weiter sinkenden Zinsen für die SZKB?

Das ist ein Paradigmawechsel. Das ist neu und im System nicht vorgesehen. Bleiben diese negativen Zinsen über längere Zeit bestehen, wird das auch für die Schwyzer Wirtschaft negative Auswirkungen haben. Export- und tourismusorientierte Unternehmen sind hingegen schon jetzt vom starken Franken stärker betroffen.

«Bleiben diese negativen Zinsen über längere Zeit bestehen, wird das auch für die Schwyzer Wirtschaft negative Auswirkungen haben.»

Die Hypothekarforderungen der SZKB sind im vergangenen Jahr um weitere 4,6% auf knapp 11 Mrd Franken gestiegen. Wie beurteilen Sie den Immobilienmarkt in Ihrer Region?

Die Preisentwicklung im Immobilienmarkt des Kantons Schwyz hat sich im Verlauf des Jahres 2014 weiter beruhigt und tendierte in den letzten beiden Quartalen negativ. Die Dynamik des starken Anstiegs scheint gebrochen zu sein. Die Kombination des durch die SNB verordneten Kapitalpuffers und weiteren regulatorische Massnahmen («echtes» Eigenkapital, Niederstwertprinzip, Amortisationspflicht) vermindern zum einen die Anzahl potenzieller Kunden und schränken zum andern auch die Finanzierungsmöglichkeiten der Bank spürbar ein.

Wie im Vorjahr hat sich die SZKB auch für 2014 ein unter den Marktmöglichkeiten liegendes, risikobewusstes Hypothekarwachstum verordnet und dies mit 4.6% auch erreicht. Die Preise im Immobilienmarkt Schwyz bewegen sich nach wie vor auf einem Niveau, das zu Vorsicht mahnt. Doch scheint der Höhepunkt überschritten. Die SZKB trägt diesem Umstand mit einer rigide durchgesetzten Kredit- und Risikopolitik Rechnung.

Die tiefen Zinsen führen dazu, dass immer mehr Menschen sich ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen wollen. Welche Regeln wenden Sie heute bei der Vergabe von Hypotheken an?

Mindestens 10 Prozent der eigenen Mittel müssen in Form von echtem Eigenkapital vorhanden sein. Für die Berechnung der Tragbarkeit wird mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5% gerechnet. Diese Kriterien setzen wir konsequent durch. So kann die Tragbarkeit auch bei steigenden Zinsen und langfristig sichergestellt werden.

«Sehr schwierig wird die nähere Zukunft für Tourismus-Unternehmen. Sie spüren die die Währungsschwankungen unmittelbar und verfügen über wenige Kompensationsmöglichkeiten.»

Von der Aufhebung des Euro-Mindestkurses sind vor allem die Exportindustrie und der Tourismus und mit ihnen die ganzen Zulieferketten betroffen. Wie stark sehen Sie Ihre Region betroffen?

Ich bin kein Prognostiker. Rein theoretisch ist aber wahrscheinlich, dass die Arbeitslosigkeit auch im Kanton Schwyz etwas steigen dürfte. Um wieviel, weiss heute niemand. Die SZKB hat Geschäftsbeziehungen zu rund 60 Schwyzer KMU, die zum Teil über 90% ihres Umsatzes im Export erzielen. Die meisten besetzen jedoch eine interessante Nische. So gesehen bin ich optimistisch, dass die Schwyzer Unternehmen auch diese Herausforderung bewältigen werden. Sehr schwierig wird die nähere Zukunft für Tourismus-Unternehmen. Sie spüren die die Währungsschwankungen unmittelbar und verfügen über wenige Kompensationsmöglichkeiten.

Die Ereignisse zu Jahresbeginn überlagern derzeit die Bilanzen des vergangenen Jahres. Lassen Sie uns aber dennoch einen Blick zurück werfen. Die SZKB hat einen höheren Ertrag erzielt, den Gewinn gesteigert, 7200 Neukunden gewonnen und einen Nettoneugeldzufluss von über 350 Mio Franken erzielt. Sie dürften mit dem Erreichten zufrieden sein.

Ja, wir sind mit dem Geschäftsergebnis sehr zufrieden. Besonders gefreut hat uns, dass wir in allen drei Geschäftsbereichen haben zulegen können. Dass wir die Kosten im Griff haben, beweisen wir seit Jahren.

Welches waren die Erfolgsfaktoren?

Die Erfolgsfaktoren sind ausgezeichnete und gut motivierte Mitarbeitende, welche die Vorgaben der Geschäftsleitung konsequent umsetzen, die sehr grosse Nähe zu unseren Kunden und ein konsequentes Kostenmanagement.

Wagen Sie in Anbetracht der anspruchsvollen Rahmenbedingungen eine Prognose für das laufende Jahr?

Aus heutiger Sicht erwartet die SZKB ein für sie herausforderndes Jahr 2015. Das extrem tiefe Zinsniveau wird sich im Zinsergebnis niederschlagen. Das Bilanzungleichgewicht wird sich voraussichtlich noch einmal verstärken, die Zinsänderungsrisiken werden steigen und damit die Kosten für deren Absicherung. Zudem werden die Margen zusehends unter Druck geraten. Neue Gesetze, die das Bankgeschäft noch stärker regulieren, sind derzeit im Gesetzgebungsprozess. Das bedeutet noch einmal höhere Kosten und direkte Auswirkungen auch auf unser Geschäftsmodell. Überdies muss auch unsere Bank mit dem rasanten technologischen Fortschritt und dem sich schnell verändernden Kundenverhalten Schritt halten. Unter all diesen Vorzeichen rechnet die SZKB für 2015 mit einem tieferen Bruttogewinn und operativen Ergebnis.

Herr Hilfiker, besten Dank für das Interview.

Zur Person:
Dr. Peter Hilfiker ist Vorsitzender der Geschäftsleitung und für den Präsidialbereich der Schwyzer Kantonalbank verantwortlich.

SZKB

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