Ralph Dietrich, CEO Ascot Elite Entertainment Group, im Interview

Ralph Dietrich

Ralph Dietrich, CEO Ascot Elite Entertainment Group. (Foto: Ascot Elite)

Von Peter Stöferle

Moneycab: Herr Dietrich, wann ist für Sie persönlich ein Film grosses Kino?

Ralph Dietrich: Wenn man während dem Film keine Glace-Pause haben möchte.

Nach welchen Kriterien – nebst kommerziellen – wählen Sie Filme für Ihren Verleih aus?

Natürlich achten wir darauf, dass wir Filme von Regisseuren, mit denen wir schon erfolgreich zusammengearbeitet haben (z.B. Martin Scorsese, Quentin Tarantino oder die Coen Brothers), erneut für uns gewinnen können. Dann sollten sie auch ins Line-Up unserer Firma passen und zu guter Letzt auch unser persönliches Interesse wiederspiegeln.

Da wir die Filme hauptsächlich ab Drehbuch kaufen, ist es wichtig, die Trends für die nächsten zwei bis drei Jahre frühzeitig zu erkennen und richtig einzuordnen. Heute mögen die Zuschauer Komödien und einfach gestrickte Geschichten, bei denen sie abschalten können, morgen sind es Dramas und Kriegsfilme.

Sie sind kürzlich aus Cannes vom Filmmarkt mit einigen Neuerwerbungen im Gepäck zurückgekehrt. Wie muss man sich den Erwerb von Filmrechten vorstellen? Ein Verhandlungs- oder ein Bietergeschäft?

Drei Wochen vor Filmmarktbeginn erhalten wir zwischen 80 und 100 Drehbücher inklusive den Informationen, welche Regisseure und Schauspieler zu den jeweiligen Projekten dazugehören. Diese werden von unserem Team gelesen, analysiert und eingeschätzt, damit wir am Markt mithalten können. Pro Drehbuch braucht man zwischen zwei bis drei Stunden Lesezeit, dies verdeutlicht, dass dieser Prozess enorm viel Zeit in Anspruch nimmt.

Auf dem Markt angekommen, sind wir im Stundentakt in Gesprächen mit Verkaufsfirmen und versuchen die Filmrechte der besten Drehbücher zu erhalten. Ja, das ist ein Bietergeschäft. Man hat beinahe keine Chance einen Film nur durch gute Partnerschaft zu erhalten. Schlussendlich ist es wie an der Börse: Der Meistbietende gewinnt!

Und wie war die Ausbeute heuer?

Dieses Jahr war besonders erfolgreich. Wir sind mit 18 Filmen aus Cannes zurückgekommen. Unter anderem haben wir die Auswertungsrechte für folgende Hochkaräter erhalten: C’EST LA VIE von den INTOUCHABLE-Erfolgsregisseuren Olivier Nakache und Eric Toledano, Jason Reitman‘s TULLY mit Charlize Theron in der Hauptrolle, Janus Metz Pedersen‘s BORG VS MCENROE mit Shia LaBoeuf und Sverrir Gudnason, THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE von unserem guten Freund Terry Gilliam mit Adam Driver und Olga Kurylenko sowie für den neuen Streich SUBERBICON von George Clooney mit Matt Damon, Oscar Isaac, Woody Harrelson, Julianne Moore und Josh Brolin. In zwei bis drei Jahren wissen wir dann, ob wir für diese Filme einen guten Riecher hatten.

„Wir versuchen uns mit viel Liebe zu Filmen, langjähriger Erfahrung, einem guten Team und mit sehr viel Mut sowie Engagement in der ganzen Firma von den anderen abzuheben.“
Ralph Dietrich, CEO Ascot Elite Entertainment Group

Welches waren die filmischen Highlights bei Ascot Elite im ersten halben Jahr?

Mit den Hits THE HATEFUL EIGHT, CHOCOLAT, THE NICE GUYS und dem Oscar-Film ROOM können wir auf ein erfolgreiches erstes halbes Jahr zurückblicken.

Und mit welchen weiteren Leckerbissen – nebst den «Mitbringsel» aus Cannes – wartet Ascot Elite in naher Zukunft auf?

Oh, da gibt es viele. Unter anderem Steven Spielberg’s Kinderbuchverfilmung THE BFG, die erfolgreiche Kinofortsetzung NOW YOU SEE ME 2, die Komödie BAD MOMS von den Machern von HANGOVER mit Mila Kunis, die Bestsellerverfilmung THE GIRL ON THE TRAIN von Tate Taylor mit Emily Blunt, Luke Evans und Rebecca Ferguson, das neue Werk von Marc Forster ALL I SEE IS YOU mit Blake Lively sowie Martin Scorceses neues Werk SILENCE mit Liam Neeson, Andrew Garfield und Adam Driver. Mit diesen Filmen freuen wir uns sehr auf die zweite Hälfte dieses Jahres.

Ascot Elite bzw. die Elite Film AG ist seit mehr als 80 Jahren der führende unabhängige Filmverleih der Schweiz. Was braucht es, um sich in diesem Geschäft gegenüber den Majors zu behaupten?

Wir versuchen uns mit viel Liebe zu Filmen, langjähriger Erfahrung, einem guten Team und mit sehr viel Mut sowie Engagement in der ganzen Firma von den anderen abzuheben. Gleichzeitig zählen wir auf unser aussergewöhnlich starkes Netzwerk, welches unseren Namen national wie auch international bedeutend macht.

2013 haben Sie mit der deutschen Constantin Film eine Vereinbarung für den gemeinsamen Schweizer Vertrieb der Filme von DreamWorks geschlossen, dem hochwertigsten aller US-Major-Studios. Welche Früchte hat dieser Deal inzwischen getragen?

Leider waren die Resultate der Filme bislang doch eher enttäuschend. Wir sind aber fest davon überzeugt, dass das neue Produzententeam von DreamWorks den Rank findet. Was wir dieses Jahr noch von ihnen sehen werden (THE BFG, THE GIRL ON THE TRAIN, A DOG’S PURPOSE sowie CHRISTMAS OFFICE), sieht schon mal sehr vielversprechend aus. Wir sind nun bereit Früchte zu ernten.

„NORTHMEN – A VIKING SAGA wurde in insgesamt 54 Länder verkauft. Die Kinoauswertung in Asien, Osteuropa und Südeuropa war sehr erfolgreich.“

Filme aus Ihrem Verleih sind – nebst als DVD und Blu-ray – bei Apple iTunes auch als Video On Demand (VOD) erhältlich. Wie hat sich dieser weitere Vertriebskanal mittlerweile etabliert?

In der Schweiz hat sich VoD – sei es im OTT-Bereich wie iTunes oder über die Telekom-Anbieter wie Swisscom – bereits als wichtiger und wachsender Vertriebskanal gefestigt. Dennoch ist dieses neue Geschäftsfeld stets im Wandel: die traditionelle Fensterauswertung wird aufgeweicht und verkürzt – neue Vertriebsstrategien werden so möglich. Der Trend geht vom digitalen Leihen (TVoD) zum digitalen Kaufen (EST) über, was sehr von unserem Interesse ist.

Streaming-Angebote wie Netflix & Co sind für die konventionellen Kinos in erster Linie eine (übermächtige) Konkurrenz. Und für die Verleiher?

Die Verleiher hegen ein zwiespältiges Verhältnis zu den Abonnements-Plattformen wie Netflix oder Amazon. Einerseits intensivieren diese den Wettbewerb im Filmeinkauf und nehmen viele der interessantesten Film vom Markt. Ferner wird die Preiswahrnehmung des Konsumenten ungünstig beeinflusst, da Filme zu einem scheinbar unfassbar günstigen Preis angeboten werden. Andererseits bedeuten diese Angebote einen komplett neuen Absatzmarkt, welcher auf die Vertriebsstrategie auch positive Effekte ausüben kann.

Mit «NORTHMEN – A VIKING SAGA» ist 2014 eine eigene Grossproduktion von Ascot-Elite weltweit in die Kinos gekommen. Mit welcher Resonanz?

NORTHMEN – A VIKING SAGA wurde in insgesamt 54 Länder verkauft. Die Kinoauswertung in Asien, Osteuropa und Südeuropa war sehr erfolgreich. In Amerika landete der Film sogar in den Top 15 der VoD/DVD-Charts und erzielte eine enorm hohe Einschaltquote.

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land: In der Schweiz blieb der Film etwas hinter den Erwartungen…

Mit 40‘000 Kinobesucher hätten wir knapp viermal das Zürcher Hallenstadion füllen können. In dieser Relation gesehen ist das Resultat doch eher erfreulich. Auch die VoD- und DVD-Auswertungen waren ein Erfolg, denn NOTHMEN – A VIKING SAGA gehörte zu den Top 3 Titel im gesamten letzten Jahr.

„Zugegeben, wer kommt bei einem Wikingerfilm, der in Schottland spielt, auf den Gedanken in Südafrika zu drehen…“

Wie ist es für «NORTHMEN – A VIKING SAGA» zu einer Dreiländer-Produktion in der Schweiz, in Deutschland und in Südafrika gekommen?

Eine Koproduktion über drei Länder birgt gewisse Risiken, hat aber auch viele Vorteile. In unserem Fall sahen wir uns bereits in der Finanzierungsphase gezwungen, über die Schweizer Landesgrenzen hinauszuschauen. In unserem Nachbarland Deutschland fanden wir mit der Nordmedia Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen einen Partner, der vom ersten Moment an an unser Vorhaben glaubte und uns ohne mit der Wimper zu zucken die nötigen Fördergelder zusprach. Leider hatten wir diesbezüglich in unserem Heimatland kein Glück, denn die hiesigen Filmförderungsanstalten sahen in NORTHMEN – A VIKING SAGA nicht das nötige Potenzial.

Dies war nur einer der Gründe, warum wir eine Dreiländerkoproduktion anstrebten. Ein weiterer Grund war auch, dass Kapstadt ein unglaubliches Productionvalue hat. Denn die Landschaft, das Know-how, aber auch die Infrastruktur hat schon einige namhafte Hollywood-Produktionen angelockt. Es ist in der Tat so, dass die Unterstützung, welche wir dort erfahren haben, seinesgleichen sucht. Zugegeben, wer kommt bei einem Wikingerfilm, der in Schottland spielt, auf den Gedanken in Südafrika zu drehen… Auch ich war skeptisch und dachte, dass dies nie und nimmer funktionieren kann. Aber als ich dann vor Ort war und mich diese unglaubliche Landschaft überwältigte, war mir schlagartig klar, dass das zu 200% passt. Wir hatten unser Schottland in Südafrika gefunden!

Das Wetter war dann in Südafrika auch ziemlich schottisch…

Uns wurde dann auch ans Herz gelegt die Dreharbeiten in den Frühling zu legen, da das Wetter und die Lichtverhältnisse dann am besten seien. Doch während den Dreharbeiten fing es an zu schneien (das erste Mal seit Jahren)! Und als ob dies nicht schon genug war, bildete sich auch noch dichter Nebel. Schnee und ewiger Regen hatten die Erde dermassen aufgeweicht, dass unser Equipment sowie Kamerakräne sprichwörtlich im Boden versanken. Dies setzte unser komplettes Team vor Ort vor die fast unmögliche Aufgabe, auch nur einen Drehtag wahrzunehmen (bei diesen Bedingungen kann einfach nicht gedreht werden). Zum Glück hatten wir mit dem hollywooderprobten Schweizer Regisseur Claudio Fäh einen Visionär im Lead, der die Situation erkannte und es verstand, diese Herausforderung kreativ anzugehen und in diese einmaligen Bilder umzuwandeln, die nun den Look des Filmes ausmachen.

Die Postproduktion wieder in die Schweiz, respektive nach Deutschland zu verlegen, hatte nicht nur den Vorteil, dass wir dies direkt vor unserer Haustüre hatten. Vielmehr wollten wir den vielen talentierten jungen Menschen die Möglichkeit bieten, an einem einmaligen Projekt mitzuarbeiten. Es ist in der Tat beeindruckend, was hierzulande möglich ist.

Und welches ist Ihr persönliches Fazit über die gesamte Produktion?

Rückblickend muss ich sagen, dass wir mit dieser Dreiländerkoproduktion, der Produktionsstätte Kapstadt, der Postproduktion Schweiz/Deutschland den richtigen Weg eingeschlagen haben. Dank einem professionellen sowie motivierten Team entstand dieser weltweite Kino-, DVD, TV und VoD-Erfolg.

Herr Dietrich, wir danken Ihnen für dieses Interview.

Über die Person:
Ralph S. Dietrich ist CEO der Elite Film AG und der Elite Filmproduktion AG (Ascot-Elite Entertainment Group). Seine filmische Laufbahn begann nach dem Wirtschaftsstudium bei «Lorimar Pictures» in Los Angeles. Als Assistent des Hollywood-Produzenten Joel Silver («The Matrix», «Swordfish») sammelte er wichtige Erfahrungen, bevor er 1991 zusammen mit seiner Schwester Karin G. Dietrich vom Vater, Erwin. C. Dietrich, den Schweizer Filmverleihe Elite Film AG übernahm.

Über das Unternehmen:
Die Ascot Elite Entertainment Group kann auf eine mehr als 80-jährige Geschichte zurückblicken und hat bereits in den 70er, 80er und 90er Jahren die Kinolandschaft im deutschsprachigen Raum massgeblich geprägt. In der Schweiz ist Ascot-Elite der führende unabhängige Filmverleiher und hat unter anderem preisgekrönte Filme wie «Kings Speech», «Der Verdingbub» und die «Twilight Saga» in die Kinos gebracht. In jüngerer Zeit hat Ascot-Elite auch wieder eigene Filme produziert wie das Wikinger-Epos «Northmen – A Viking Saga» oder «Hosenlupf», eine Hommage an das Schwingen.

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