Robert Hauri, CEO und Mitinhaber SPG Intercity Zurich AG, im Interview

Robert Hauri, CEO und Mitinhaber SPG Intercity Zurich AG, im Interview
Robert Hauri, CEO und Mitinhaber SPG Intercity Zurich AG. (Foto: SPG Intercity Zurich)

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Hauri, die Coronakrise hat sich im Immobilienbereich sehr unterschiedlich ausgewirkt. Die einen können ihre Mieten nicht mehr bezahlen, die anderen profitieren von steigenden Immobilienpreisen wegen erhöhter Nachfrage. Wie präsentiert sich die Situation für SPG Intercity?
 
Robert Hauri: In unseren Teams spüren wir je länger je mehr eine gewisse «Pandemie-Müdigkeit». Wir alle würden uns wünschen, wenn die Einschränkungen im privaten und beruflichen Umfeld gelockert oder gar aufgehoben würden.

Was den Geschäftsverlauf anbelangt, geht es uns – wie man so schön sagt – den Umständen entsprechend gut. Es war und ist unsere Zielsetzung, mit unternehmerischem Rückgrat durch diese Krise durch zu gehen. Glücklicherweise gelang es uns, für unsere Kunden auch letztes Jahr mehrere zehntausend Quadratmeter Bürofläche zu vermieten, im Namen von rund 35 bedeutenden Unternehmungen Flächen anzumieten.

«Wir merken aber immer mehr, dass ein Mindestmass an physischer Präsenz für das Funktionieren unserer Teams unabdingbar ist.» Robert Hauri, CEO und Mitinhaber SPG Intercity Zurich AG

Auch im Retailmarkt waren wir in der Lage, einige sehr schöne Abschlüsse zu realisieren und last but not least gelang es uns, einige Investment-Transaktionen zum Abschluss zu bringen. Alles in allem sind wir sehr glücklich und dankbar für das grosse Vertrauen, dass wir von unseren Kunden geniessen durften und nach wie vor geniessen.

Wir stellen vermehrt fest, dass sich Seriosität und langjährige stabile Beziehungen gerade in der aktuellen Situation auszahlen. Wie sich das laufende Jahr entwickelt, lässt sich nur schwer prognostizieren. Was ich aber als sicher erachte, ist, dass es in allen Bereichen, in denen wir tätig sind, eher anspruchsvoller werden wird.

Eine bleibende Auswirkung der Krise dürfte sein, dass der Anteil von Remote-/Home-Office-Zeiten zunehmen wird. Welche Auswirkungen wird das auf Ihr Geschäft haben, wie wirkt sich das eventuell auf die gesamte Strategie Ihres Unternehmens aus?

Auch ich gehe davon aus, dass Home-Office, oder wie ich viel lieber sage «mobiles Arbeiten», nach der Pandemie Bestandteil der Arbeitsplatzkonzepte von vielen Büroflächen-Nutzern bleiben wird. Meines Erachtens wird aktuell aber sowohl der zukünftige prozentuale Anteil von mobilem Arbeiten an der gesamten Arbeitsleistung eines Arbeitnehmers als auch die Auswirkungen auf die Büroflächennachfrage – allenfalls sogar massiv – überschätzt.

«Wenn die physische Präsenz an einem gemeinsamen Ort nicht mehr regelmässig als notwendig befunden wird, könnte es meines Erachtens durchaus sein, dass Arbeitsplätze ganz aus der Schweiz in andere Regionen von Europa verschoben werden.»

Bei SPG Intercity haben wir schon 2018 ein Arbeitsplatzkonzept eingeführt, welches «arbeiten von überall» ideal ermöglicht. Ganz nach dem Motto «alles immer und überall». Wir merken aber immer mehr, dass ein Mindestmass an physischer Präsenz für das Funktionieren unserer Teams unabdingbar ist. Wir befürchten sonst, dass wir als Unternehmen auf Dauer viel verlieren könnten. Was abhandenkommen könnte ist unter anderem die Firmenkultur, der Zusammenhalt, die Loyalität, die Innovationskraft und der interne Informationsfluss.

Erste Stimmen warnen davor, dass Remote-Office bei Unternehmen auch dazu führen könnte, dass vermehrt Arbeitsplätze gleich ganz in andere Länder ausgelagert werden, sich Automatisierungs-Bemühungen noch signifikant verstärken und so Home-Office-Angestellte vermehrt unter Druck kommen. Welche Tendenzen sehen Sie hier, wie beurteilen Sie die Situation in der Schweiz?

In finde dies einen sehr interessanten Aspekt der «Work-for-Home-Diskussion», der bisher noch nicht genügend beleuchtet wurde. Wenn die physische Präsenz an einem gemeinsamen Ort nicht mehr regelmässig als notwendig befunden wird, könnte es meines Erachtens durchaus sein, dass Arbeitsplätze ganz aus der Schweiz in andere Regionen von Europa verschoben werden.

Ich denke, auch hier sollten wir behutsam mit unseren Errungenschaften umgehen und uns darauf besinnen, wie der Wohlstand der Schweiz entstanden ist.

Virtuelle Besichtigungen, Video-Konferenzen, Digitalisierung von Kernprozessen. Was hat Ihr Geschäft im letzten Jahr technologisch am meisten geprägt, welche technologischen Entwicklungen werden die Zukunft des Immobilienmarktes am nachhaltigsten verändern?

Wenn ich auf meine fast dreissigjährige berufliche Laufbahn zurückschaue, sehe ich die grössten Veränderung in der Art und Weise (und dem Umfang) der Kommunikation zwischen den Stakeholdern.

War das Telefon und das physische Treffen bis vor einigen Jahren noch die Kommunikationsart Nummer eins, stehen heute unzählige zusätzliche Mittel und Kanäle zur Verfügung. Weiter hat sich in der Bereitstellung von Unterlagen und Informationen sehr vieles verändert – bis hin zu «self-service-Lösungen» ohne die Notwendigkeit einer direkten Interaktion.

Drittens werden Immobilien heute komplett anders präsentiert bzw. den Kunden vorgestellt. In diesem Bereich sehe ich einen starken Trend weg von statischen Bildern hin zum Bewegtbild. Der Möglichkeiten bestehen viele. Entscheidend ist aus meiner Sicht, das jeweils passende Hilfsmittel für die Erreichung der gesteckten Ziele zu wählen. Dabei ist meines Erachtens auch Gelassenheit gefragt.

Städte wie Zürich befreien die Innenstädte zunehmend vom motorisierten Individualverkehr. Welche Auswirkungen hat dies auf die Struktur der Immobilienportfolios, wo sehen sie in nächster Zukunft das grösste Nachfrage-Wachstum?

Den Siedlungsraum autofrei zu machen ist ein zweischneidiges Schwert. Auf den ersten Blick scheint es einleuchtend, dass weniger Individualverkehr zu grösser Sicherheit, weniger Lärm und Staub und zu lebenswerteren Quartieren führt. Aber gerade beim Aspekt «lebenswert» gilt es zu beachten, dass das Leben auch aus Arbeit als Basis unseres Wohlstands besteht. Das Gewerbe, Firmen und natürlich auch der Detailhandel sind auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen.

«Den Siedlungsraum autofrei zu machen ist ein zweischneidiges Schwert.»

Aus einer liberalen Sichtweise heraus kann man sich mich mit diesem Trend nicht einverstanden erklären. Die verschiedenen Aspekte werden dabei meines Erachtens zu einseitig gewichtet und den Bedürfnissen der Wirtschaft wird zu wenige Beachtung geschenkt. Es muss ein fairer Interessenausgleich hergestellt werden.

Mit SPG Intercity bearbeiten Sie die Themen «Büro- und Retailflächen-Vermietung», «Tenant Representation» und «Investment Advisory». Welcher Bereich hat das grösste Wachstum, wo sehen Sie das grösste Potential im 2021?

Die Nutzungsarten «Office» und «Retail» befinden sich beide aus unterschiedlichen Gründen in einem Wandlungs- und Anpassungsprozess.

Der Strukturwandel im Detailhandel ist schon seit einigen Jahren in vollem Gang und wurde in der Schweiz im Januar 2015 aufgrund der Aufhebung der Wechselkursbindung des Schweizer Frankens an den Euro zusätzlich beschleunigt.

Der Büromarkt befindet sich seit der COVID-Pandemie aus den genannten Gründen ebenfalls in einem Transformationsprozess. Der Investment-Markt hingegen folgt einer anderen Logik. Hier sind die tiefen Zinsen und der Mangel an alternativen Investitionsmöglichkeiten der Haupttreiber für die grosse Nachfrage.

Für uns als Beratungs- und Vermarktungsunternehmen in diesem drei Märkten sehe ich grosses Potential. Wenn das Marktumfeld rauer und Aufgaben anspruchsvoller werden, ist ein Partner mit grosser Fach- und Sozialkompetenz und einem grossen und erprobten Netzwerk gefragt.

In anderen Industrien (Finanz, Pharma, Gesundheitswesen) sorgen Startups für viel frischen Wind. Wie sieht es in Ihrem Sektor aus, welche Ansätze haben das Potential, fundamentale Änderungen zu bewirken?

Das Thema Digitalisierung, bzw. Startups aus diesem Bereich ist auch in der Immobilienwirtschaft fast omnipräsent. Inwieweit «Proptech»-Unternehmen fundamentale Änderungen bewirken werden, wird sich zeigen. Wirklich disruptive Entwicklungen, im grossen Stil, sehe ich (noch fast) keine.

Was ich jedoch sagen kann ist, dass auch wir bei SPG Intercity bzw. auch in unseren Schwesterfirmen in der Intercity-Gruppe aktuell verschiedene Digitalisierungsprojekte in Planung und Umsetzung haben. Ein Beispiel für ein realisiertes Projekt ist unser kürzlich lanciertes «Transaktionsportal», über das wir die Datenbereitstellung und die Kommunikation in Investment-Transaktionen modernisiert und vereinfacht haben. Diese Digitalisierungsinitiative macht den Transaktionsprozess deutlich einfacher und für alle Prozessbeteiligten effizienter.

«Wirklich disruptive Entwicklungen, im grossen Stil, sehe ich (noch fast) keine.»

Der Immobilienmarkt reagiert meist eher träge auf Veränderungen. Welche Veränderungen erwarten Sie in den kommenden Jahren, welchen Stellenwert haben Arbeitsplätze zum Beispiel an bester Innenstadtlage in Zukunft?

In unserem Arbeitsalltag, in den Gesprächen mit unseren Kunden, stellen wir eine klare Tendenz zu «wenn schon physische Arbeitsplätze, dann richtig» fest. Übersetzt bedeutet dies, dass Innerstädtische Büroflächen möglicherweise im Nachgang der Pandemie sogar noch weiter an Bedeutung gewinnen könnten – und dieser Büroflächen-Teilmarkt gestärkt aus der Krise hervorgehen könnte.

Denn obwohl ich wie gesagt nicht von radikalen Veränderungen im Büroflächenmarkt ausgehe, etwas wird sich nach der Pandemie wohl schon ändern: Es wird zukünftig einen (guten) Grund brauchen, um die Mitarbeitenden immer öfter dazu zu überzeugen, (wieder) gerne zurück im Büro zu arbeiten. Die Kollaboration mit den Kollegen*innen wird dabei sicher ein wichtiger Aspekt sein – ein anderer wird aber wohl darin bestehen, dass das Arbeitsumfeld «einem gefällt» und die jeweilige Tätigkeit unterstützt sowie der Ort, an dem sich das Büro befindet, eine hohe Standardqualität aufweist. 

Zum Schluss des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei, wie sehen die aus?

Der erste Wunsch ist naheliegend: Selbstverständlich wünsche auch ich mir, dass wir zeitnah einen anderen Umgang mit diesem unsäglichen C-Virus finden und sich unser aller Leben wieder normalisiert.

Der zweite Wunsch ist etwas banaler: Ich freue mich auf den Frühling, auf die steigenden Temperaturen und die längeren Tage. Leider habe ich nur zwei Wünsche frei. Es würden mir nämlich problemlos noch weitere Wünsche einfallen.


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