Robert Suter, CEO Conzzeta

Robert Suter, CEO Conzzeta. (Foto: Conzzeta)

von Christa Spoerle

Moneycab: Herr Suter, die Firma, die heute Conzzeta heisst, feiert 2012 ihr 100-jähriges Bestehen, was erwarten Sie im Jubeljahr?

Robert Suter: Die vergangenen 100 Jahre fassen wir zum Jubiläum in unserer Firmenchronik unter dem Titel „Loslassen und Anpacken“ zusammen. Im Jahr 2012 wird das nicht anders sein. Wir müssen loslassen, nämlich unsere Aktivitäten im Bauglaszuschnitt bei Bystronic glass. Gleichzeitig packen wir kräftig an, besonders was einige grosse Investitionen betrifft. Ausserdem werden wir auch in diesem Jahr die Herausforderungen der Schuldenkrise und des starken Franken zu meistern haben.

Ist der starke Schweizer Franken Ihr Hauptsorgenkind und wie begegnen Sie ihm?

Wir betreiben hauptsächlich natürliches Hedging, indem wir in den grossen Währungsräumen einkaufen und produzieren, in denen wir auch verkaufen. Zum Beispiel bauen wir gerade in Deutschland ein Europa-Logistikzentrum für Mammut und erweitern ein Werk für Bystronic in China.

«Mittelfristig streben wir weiterhin eine EBIT-Marge von 7 bis 8 Prozent an und wollen in erster Linie organisch wachsen.»
Robert Suter, CEO Conzzeta

Würden Sie sich wünschen, dass die SNB den Referenzkurs zum Euro anhebt? Was wäre Ihr realistischer Wunschkurs?

Wir sind schon froh, dass der Kurs stabil ist. Damit können wir uns mittel bis langfristig auf einen Wert einstellen. Wenn der Kurs so dramatisch schwankt wie vor der Fixierung, ist das ein grösseres Problem. Die Volatilität machte die Planung schwierig und deshalb sind wird froh um einen verlässlichen Referenzkurs.

Wie lauten Ihre mittel-bis langfristigen Zielsetzungen? Hat die früher einmal genannte EBIT-Marge von 7-8% noch Bestand?

Mittelfristig streben wir weiterhin eine EBIT-Marge von 7 bis 8 Prozent an, daran hat sich nichts geändert. Wir wollen in erster Linie organisch weiter wachsen, schliessen aber auch Akquisitionen nicht aus.

Wo orten Sie die grössten Wachstumschancen nach Bereichen und Regionen?

In all unseren Bereichen ist das Wachstumspotential noch nicht ausgeschöpft. Wir sehen noch viel Potential in den BRIC-Staaten, aber auch in USA wächst der Umsatz.

Werden Sie Ihre Präsenz in den Wachstumsmärkten ausbauen und Europa dafür etwas schrumpfen lassen?

Man kann das eine tun ohne das andere zu lassen. Wir bauen vorrangig in den grossen Währungsräumen weiter aus, das schliesst mit dem Euro-Raum den grössten Teil Europas mit ein. Auch die Schweiz ist weiterhin ein attraktiver Standort, hier lassen sich dank hervorragend ausgebildeter Mitarbeitender technologische Spitzenprodukte herstellen, die weltweit begehrt sind.

Sie haben 2011 mit 40,1 Mio Franken fast doppelt so viel investiert wie 2010, wie sieht es in den kommenden Jahren aus?

Wir haben 2011 ein paar Investitionen nachgeholt, die wir in den Jahren zuvor aufgrund der unsicheren Lage aufgeschoben haben. Das muss im kommenden Jahr nicht unbedingt so weitergehen. Wir werden aber sicherlich investieren, wenn wir Potential sehen.

Sind Sie mit der Restrukturierung des Geschäftsbereichs Systeme für Glasbearbeitung bisher zufrieden?

Diese Restrukturierung ist auf gutem Wege und wir sind am Beginn des Prozesses. Was wir bisher sagen können: Die Sozialpläne an den Standorten Bützberg (CH) und Gunzenhausen (D) sind vereinbart, jeder betroffene Mitarbeitende ist informiert, wie es für ihn weiter geht. Die Verlagerung schreitet wie geplant voran. Was die Gespräche mit unserem künftigen Kooperationspartner Hegla angeht, bin ich zufrieden.

«Conzzeta will ein diversifiziertes Unternehmen mit Tätigkeiten in verschiedenen Branchen bleiben. Diese Vielfalt gibt dem Unternehmen Stabilität.»

Können Sie sich vorstellen, weiterhin in eine so  grosse Spannbereite von Beschäftigungsfeldern von Maschinen- und Anlagenbau bis  Sportartikel unter einem Dach zu vereinen? Oder könnten Sie sich denn vorstellen, sich von einem Bereich zu trennen?

Conzzeta will ein diversifiziertes Unternehmen mit Tätigkeiten in verschiedenen Branchen bleiben. Diese Vielfalt gibt dem Unternehmen Stabilität und bewahrt ihm zugleich die nötige Anpassungsfähigkeit. Das schliesst Zukäufe ebenso ein wie Verkäufe.

Als CEO eines Mischkonzerns mit sehr unterschiedlichen Beschäftigungsfeldern, was sehen Sie als ihre grösste Herausforderung an?

Jeder Konzern hat verschiedene Geschäftsfelder, die Conzzeta vielleicht ein paar mehr als andere. Diese breite Aufstellung fasziniert mich. Man muss für jedes Geschäftsfeld die richtige Strategie entwickeln und umsetzen. Hinzu kommt, dass wir aufgrund dieser Vielfalt über die Bereichsgrenzen hinweg viel voneinander lernen können.

Zur Person:
Robert Suter , Jahrgang 1958, ist Dipl. Ing. ETH, MBA. Seit 2009 leitet er als CEO die Conzzeta Gruppe. Ab 1995 war Robert Suter bei der ABB in verschiedenen Führungspositionen tätig. Zuletzt zeichnete er als Mitglied der Business-Unit-Leitung Transformers weltweit für die Produktgruppe Small Power and Traction Transformers verantwortlich. Zwischen 2000 und 2005 leitete er die Geschäftseinheit High Voltage Products und stand als Länderchef in Korea im Einsatz. Von 1995 bis 1999 war Robert Suter bei der Micafil als Geschäftsführer tätig. Vor 1995 arbeitete er bei der Cellpack AG (als Bereichsleiter in Kanada und in der Schweiz) sowie bei der Oerlikon Contraves AG als Entwicklungsingenieur in der Raumfahrt.

Zum Unternehmen:
Conzzeta ist eine international tätige Schweizer Holding mit einer breiten Diversifikation. Ihre Aktivitäten liegen in den Bereichen Maschinen- und Anlagenbau, Schaumstoffe, Sportartikel, grafische Beschichtungen und Immobilien. Gut 60 Prozent des Umsatzes werden im Maschinen- und Anlagenbau erzielt. Der Nettoumsatz der Gruppe betrug im Jahr 2011 CHF 1 128,1 Mio. Weltweit beschäftigt die Gruppe mehr als 3 500 Mitarbeitende an über 60 Standorten. Hauptaktionärin ist die TEGULA AG, die  74 Prozent des Aktienkapitals hält. Die Conzzeta-Inhaberaktien sind an der SIX Swiss Exchange kotiert.

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