Roger Basler, CEO Meier Tobler, im Interview

Roger Basler, CEO Meier Tobler, im Interview
Roger Basler, CEO Meier Tobler. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Basler, der Wärmepumpenmarkt war im vergangenen Jahr in der Schweiz rückläufig. Hat das verkorkste deutsche Heizungsgesetz hierzulande abgefärbt?

Roger Basler: Nein, das glaube ich nicht. Der Wärmepumpenmarkt ging um nochmals ein Prozent zurück, nachdem er ja im Jahr 2024 signifikante 29% verloren hatte. In der Schweiz haben wir die MuKEN, die Mustervorschriften der Kantone, welche die Richtung vorgeben, welche Heizungsart wo eingebaut werden darf. Klar ist, dass der Heizungsmarkt im vergangenen Jahr gewachsen ist – aber nicht so, wie wir gedacht haben: Entgegen unseren Prognosen haben wir mehr Öl- und Gasheizungen verkauft und dies vor allem in Kantonen, wo es 2026 nun schwieriger ist, fossile Heizungen zu verbauen.

Meier-Tobler konnte bei den Wärmepumpen Marktanteile gewinnen. Wie wird der Schweizer «Konsument» reagieren, hin zur günstigen Luft-Wärmepumpe statt Erdsonde?

Die Wahl des Geräts hängt von Budget, Beschaffenheit des Grundstücks und vom Wohnort ab. Luftwärmepumpen sind günstiger und einfach zu installieren, aber lauter und im Winter ineffizienter. Erdsonden sind effizienter, leise und langlebiger, erfordern aber teure Bohrungen. Mit 75% der verkauften Heizungen ist die Wärmepumpe in der Schweiz immer noch am beliebtesten. Zum einen, weil Wärmepumpen die effizienteste Heizmethode überhaupt ist und zum anderen, weil wir bei den Heizungen nach wie vor einen der grössten Hebel haben, um Netto-Null des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Ich empfehle meinen Freunden übrigens immer eine Erdsonden-Wärmepumpe.

Eine rein rhetorische Frage: Ölheizer haben Angst vor hohen Erdölpreisen und Wärmepumpenbesitzer vor hohen Stromkosten. Wer wird am Ende das Rennen machen?

Über lange Frist gesehen wird es aus unserer Sicht die Wärmepumpe sein. Wenn wir nur schon schauen; Öl und Gas sind als Ressource endlich, die aktuelle Weltlage zeigt zudem, dass die Preise steigen und die Verfügbarkeit gerade mit den schwelenden Konflikten sinkt. Eine Wärmepumpe benötigt Strom, das ist klar. Aber Strom können wir, vorausgesetzt wir haben den politischen Willen, in der Schweiz unabhängig herstellen, oder ihn zumindest in Europa einkaufen.

An welchen Stellschräubchen lässt sich die Arbeitszahl (der Wirkungsgrad der Wärmepumpe) am ehesten weiter verbessern?

Die neuste Generation der Wärmepumpen, wie beispielsweise die neuen Oertli Aero oder Oertli Terra verfügen über natürliche Kältemittel wie Propan, was den Wirkungsgrad dieser Wärmepumpen massiv erhöht. Weiterhin liefern wir alle Wärmepumpen mit unserem SmartGuard-System aus, was bei der Optimierung zusätzlich helfen kann.

«Die Elektrifizierung unserer Fahrzeugflotte ist ein zentraler Hebel, um unser Ziel zu erreichen, die CO2-Emissionen bis im Jahr 2035 im Vergleich zu 2023 zu halbieren.»
Roger Basler, CEO Meier Tobler

Seit Anfang des zweiten Semesters 2025 ist der ID.Buzz Teil der Service-Flotte von Meier Tobler. Werden Sie alle Fahrzeuge auf Elektro umstellen?

Zum aktuellen Zeitpunkt sind ein Fünftel der Fahrzeugflotte von Meier Tobler elektrifiziert, davon die meisten PKWs. Die Elektrifizierung unserer Fahrzeugflotte ist ein zentraler Hebel, um unser Ziel zu erreichen, die CO2-Emissionen (Scope 1 und 2) bis im Jahr 2035 im Vergleich zum Basisjahr 2023 zu halbieren. Deshalb beginnen wir jetzt mit dem ID.Buzz, aber auch mit dem Electro VW New Transporter unsere Serviceflotte ebenfalls umzustellen. Die Hürden sind die Lademöglichkeiten der Mietwohnungen unserer Servicetechniker und die Reichweiten der Busse, die noch besser werden müssen.

Das bereinigte Konzernergebnis 2025 fiel um 19 Prozent wegen deutlich gestiegener Abschreibungen seit Inbetriebnahme des neues ERP. Werden in drei Jahren vielleicht die Unternehmensressourcen von KI-Agenten gesteuert werden?

Mit der Einführung von SAP S4HANA haben wir den Grundstein zur Digitalisierung generell, aber auch für weitere Entwicklungen im Bereich KI gelegt. Wir sind in der Tat daran, neben zwei bereits laufenden KI-Systemen in der Buchhaltung und im Offertwesen auch andere Bereiche zu prüfen. Ich bin überzeugt, dass uns diese spannenden Entwicklungen langfristig effizienter machen werden.

«Mit der Einführung von SAP S4HANA haben wir den Grundstein zur Digitalisierung generell, aber auch für weitere Entwicklungen im Bereich KI gelegt.»

Der Lagerbestand und damit die Kapitalbildung konnte im letzten Jahr um stolze 9,1 Millionen Franken gesenkt werden. Wie gelang das so rasant?

Dies gelang durch konsequentes Einkaufs- und Lagermanagement und gezielte Abverkaufsmassnahmen. Da sind wir in der Tat stolz darauf.

Ihre neue digitale Kundenplattform soll bis Ende Jahr vollendet sein. Was bringt Ihnen dieser Vertriebs- und Servicekanal an Kosteneinsparungen dann jährlich?

Das ist nicht ganz korrekt. Bis Ende Jahr möchten wir die Basis für die neue digitale Kundenplattform geschaffen haben und unseren aktuellen Shop ablösen. Darauf aufbauend soll die E-Commerce-Plattform in den nächsten Jahren ausgebaut werden, so dass in ein paar Jahren alle kundenrelevanten Informationen darauf abgebildet werden können.

59 Prozent aller Gebäude in der Schweiz sind älter als 45 Jahre, der Renovationsbedarf ist enorm. Das lässt Meier Tobler die nächsten zwanzig Jahre sicherlich ruhig schlafen?

Die Zahlen sind vielversprechend, und wir sehen hier sehr viel Potenzial. Auch die tiefen Zinsen, steigende Baubewilligungen und der Wegfall des Eigenmietwertes bilden ein positives Umfeld. Das galt aber schon 2025 und trotzdem war der Wärmepumpenmarkt rückläufig. Ich bin positiv, aber nicht euphorisch.

Wovon hängt die mögliche Wiederaufnahme der Aktien-Rückkäufe im 3. Quartal 2026 ab?

Das wird eine Entscheidung des Verwaltungsrates sein, weshalb ich dazu zum heutigen Zeitpunkt nichts sagen kann.

Könnte man die eventuelle Kapitalrückführung nicht aktionärsfreundlicher gestalten als durch indirekte Teilliquidation?

Aktienrückkäufe und Dividenden, die wir in den letzten Jahren auch noch zur Hälfte steuerbefreit ausgeschüttet haben, erachten wir als sehr aktionärsfreundlich.

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