Roger Büchel, CEO Kongresshaus Zürich AG, im Interview

Roger Büchel
Roger Büchel, CEO Kongresshaus Zürich AG. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Büchel, das Kongresshaus hat seinen Betrieb nach einem vierjährigen Totalumbau wieder aufgenommen. Mit welchen Gefühlen sehen Sie den ersten Events entgegen?

Roger Büchel: Es macht richtig Freude, zu sehen wie sich aktuell die einzelnen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenfügen und das Haus und unser neues Dienstleistungsportfolio im Markt positiv aufgenommen wird. Die Tatsache, dass die erste Veranstaltung am 23. Juni als hybride Veranstaltung reibungslos über die Bühne ging und Finanzminister Ueli Maurer unter den Gästen weilte, erachte ich als ein gutes Omen.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Darauf, die neuen technischen Gadgets endlich in Aktion zu erleben. Wir haben ja stark in modernste Technologie investiert, sodass wir heute für kleine Events wie auch für mehrtätige internationale Kongresse bestens gerüstet sind. Ich freue mich aber ganz einfach auch, dass endlich Leben in dieses einmalige Haus kommt und wir den Besucherinnen und Besuchern gute Gastgeber sein können.

Wie sieht der Buchungsstand für das erste Betriebsjahr aus? Rechnen Sie bei Kongressen und Events auch mit einem Nachholbedarf nach der Coronapandemie?

Mit jedem Lockerungsschritt des BAG haben die Anfragen erfreulicherweise zugenommen. In Anbetracht der Situation dürfen wir mit der Auftragslage ab Mitte August mehr als zufrieden sein. Der in letzter Zeit viel zitierte Reboundeffekt ist bereits spürbar. Nichtsdestotrotz ist die Bereinigungsphase im MICE-Markt noch nicht abgeschlossen. Unsere Branche muss wohl noch einige Konkurse hinnehmen, spätestens dann wenn keine coronabedingte Kurzarbeit mehr möglich sein wird.

«Mit jedem Lockerungsschritt des BAG haben die Anfragen erfreulicherweise zugenommen. In Anbetracht der Situation dürfen wir mit der Auftragslage ab Mitte August mehr als zufrieden sein.»
Roger Büchel, CEO Kongresshaus Zürich AG

Was erwartet die Besucher an den Eröffnungstagen Anfang September?

Am 4. und 5. September findet der Eröffnungsanlass «See you am See» statt. Die Öffentlichkeit hat dann die Möglichkeit den Gebäudekomplex Kongresshaus und Tonhalle bei einem kostenlosen Rundgang mit Audiostationen zu erleben. Ich muss allerdings erwähnen, dass der Ansturm deutlich grösser war als erwartet und die Tickets innerhalb kürzester Zeit ausgebucht waren. Wir planen nun jedoch, Mitte August auf seeyouamsee.ch zusätzliche Zeitfenster aufzuschalten.

Sie persönlich haben seit ihrem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren auf diesen Moment hingearbeitet. Es gab unzählige «Baustellen». Wo lagen die grössten Herausforderungen?

Ich denke einerseits in der Komplexität des Bauprojekts. Es musste eine Vielzahl an Beteiligten abgeholt werden, um das durch und durch denkmalgeschützte Gebäude unter strengen behördlichen Auflagen technisch auf den neusten Stand zu bringen. Andererseits im Wiederaufbau eines Unternehmens, in einem durch die Pandemie stark veränderten Umfeld.

Durch den Umbau entstehen flexible Raumkombinationen und damit vielfältigere Möglichkeiten der Nutzung. Das dürfte langfristig auch mehr Umsatz bringen. Von welchem Wachstum gehen Sie aus?

Ja, in der Tat. Gegenüber den Jahren vor dem Umbau gehen wir von einem Wachstumspotential von rund 25% aus.

«Wir schauen zuversichtlich in die Zukunft, denn mit den Lockerungen und der grösseren Planungssicherheit füllen sich unsere Auftragsbücher nun kontinuierlich.»

Die Kongresshaus Zürich AG hat nun vier Jahre ohne Einnahmen hinter sich, ein Jahr mehr als ursprünglich geplant. Wie steht es eigentlich um die Liquidität?

Die Lage ist für die gesamte Event-Branche schwierig und natürlich ist die Corona-Krise auch an der Kongresshaus Zürich AG nicht spurlos vorbeigegangen. Einerseits musste die Betriebsaufnahme pandemiebedingt verschoben werden, andererseits brachen die Buchungen für das ganze Jahr 2021 ein. Die meisten Veranstalter haben die COVID-Klausel genutzt, wonach sie gebuchte Termine kostenfrei verschieben konnten, wenn dies aufgrund der Pandemie notwendig war. Dennoch schauen wir zuversichtlich in die Zukunft, denn mit den Lockerungen und der grösseren Planungssicherheit füllen sich unsere Auftragsbücher nun kontinuierlich. Um Liquiditätsrisiken abzufedern, sicherten wir uns schon im August 2020 ein zinsgünstiges Darlehen aus dem COVID-19-Liquiditätshilfeprogramm unter Kreditausfallgarantie des Kantons Zürich, ohne den Betrag bereits abzurufen.

Viel hat sich verändert. Was würden Sie als grösste bauliche Veränderung bezeichnen?

Die markanteste bauliche Änderung ist sicherlich die Entfernung des Panoramasaals, die nun vom Konzertfoyer freie Sicht auf den See gewährt. Zudem hat diese bauliche Massnahme auch den Bau des Terrassenrestaurants im ersten Stock ermöglicht. Dessen Sicht auf das Seebecken und die Berge ist einmalig in Zürich. Weiter ist der Gartensaaltrakt hinzugekommen und wir konnten bei den Seminarräumen ausbauen. Zudem haben wir viel in Technologie investiert, so dass wir heute einer der modernsten Veranstaltungsorte der Schweiz sind.

Schon bald werden wieder vertraute Klänge in der Grossen Tonhalle zu hören sein. Wie aufwändig waren die Arbeiten zur Wiederherstellung der akustischen Brillanz?

Die Grosse Tonhalle wurde umfassend und in enger Absprache mit der kantonalen Denkmalpflege restauriert. Gemäss Messungen soll die Akustik auch dank des neuen Bodens besser sein als je zuvor. Was für mich aber wichtiger scheint, ist die Tatsache, dass das renommierte Tonhalle Orchester und sein Dirigent Paavo Järvi vom Klangerlebnis begeistert sind.

Sie haben grossen Wert auf die Vernetzung und Digitalisierung gelegt. Welche digitalen Tools werden vor, während und nach einer Veranstaltung die Live-Kommunikation ergänzen oder erweitern?

Da gibt es unzählige Möglichkeiten. Die Übergänge von vor, während und nach der Veranstaltung sind fliessend. Zum Beispiel Apps für Agenda und Timetable, Networking, Umfragen, Social Media Integrationen oder interaktive Karten, digitale Registrierung, virtuell zugeschaltete Dolmetscher, digitale Besucherflussüberwachung, digitale Wegleitung, externe Steuerung der Audio-, Video- und Lichttechnik, virtuelle Räume, digitale Eventwährung, etc., etc.

Ein Trend zeichnet sich ab, nämlich derjenige zu hybriden Events. Wie können Sie dieser Entwicklung nachkommen?

Die Pandemie hat den Trend zu digitalen und hybriden Eventformaten beschleunigt. Durch die hausinterne Vernetzung kombiniert mit der Highspeedanbindung ins Internet können wir aus jedem Raum unkompliziert und kostengünstig in die ganze Welt streamen. Zudem sind wir gerade dabei, einen Raum fix mit einem professionellen TV-Streamingstudio mit Hochglanzpodium, drei Kamerazügen, TV-tauglichem Licht und gebogener LED-Wand als Hintergrund auszustatten. Dies in Kombination mit Inhouse-Fachspezialisten ermöglicht uns, auf Knopfdruck Streamings in hoher Qualität zu produzieren. Wohin spielt keine Rolle.

«Durch die hausinterne Vernetzung kombiniert mit der Highspeedanbindung ins Internet können wir aus jedem Raum unkompliziert und kostengünstig in die ganze Welt streamen.»

Sie legen grossen Wert auf die klimaneutrale Durchführung von Veranstaltungen. Mit welchen Massnahmen können Sie dieses Ziel erreichen?

Die Kongresshaus Zürich AG agiert seit 2019 zertifiziert klimaneutral. Konkret bedeutet das, dass wir unseren CO2-Ausstoss wo immer möglich reduzieren. Dabei kommt uns die hausinterne Seewasserzentrale zu Gute mit welcher wir rund 70% unseres Kälte- und Wärmebedarfs aus klimafreundlicher Energie aus dem Zürichsee beziehen. Den nicht vermeidbaren CO2-Ausstoss kompensieren wir durch unsere Unterstützung eines Waldschutzprojektes in Peru. Das führt dazu, dass wir das erste komplett klimaneutrale Event- und Kongresszentrum der Schweiz sind. Damit sind sämtliche Veranstaltungen im Kongresshaus Zürich – ohne Mehrkosten für den Veranstalter – klimaneutral.

Herr Büchel, besten Dank für das Interview.


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