Roland Fischer, CEO OC Oerlikon, im Interview

Roland Fischer
Oerlikon-CEO Roland Fischer. (Foto: Oerlikon)

von Robert Jakob

Moneycab.com: Herr Fischer, Ende 2017 soll ihr Werk in Michigan mit 70 Mitarbeitenden in Betrieb genommen. Es besteht sogar die Möglichkeit, den Standort zu erweitern. Wie gestaltet sich das Planungsverfahren jetzt unter der Trump-Administration?

Roland Fischer: Das Werk wurde von langer Hand geplant. Die Planung und der Aufbau laufen wie vorgesehen. Dies hat sich auch durch den Regierungswechsel nicht geändert. Für Anfang März ist die Grundsteinlegung geplant. Es geht vorwärts.

Werden die USA ihre Innovationsschwäche überwinden können?

In unseren Märkten stellen wir in den USA keine Innovationsschwäche fest. Im Gegenteil, im Bereich moderner Werkstoffe, Oberflächentechnologien oder der additiven Fertigung sind die USA nebst Europa führend.

„Indien ist auf dem Weg, sich kontinuierlich zu reformieren. Wir sehen hier klare Fortschritte.“
Roland Fischer, CEO OC Oerlikon

Wie ist der Stand Ihrer Kooperation mit der Innovationsschmiede America Makes (AM)?

America Makes ist das Innovations Center für Additive Fertigung in den USA. Hier vereinen sich die wichtigsten Partner aus Forschung und Entwicklung, Industrie und Regierung mit dem Ziel, die Additive Fertigung voranzutreiben. Als Partner ist America Makes für uns eine wichtige Plattform für den Austausch, gemeinsame Projekte und den Aufbau eines Netzwerks.

Sprechen wir über Indien. Leidet das Oerlikon-Segment Drive Systems am von der indischen Regierung angerichteten Wirtschaftschaos?

Diese Einschätzung teile ich nicht. Indien hat sich 2016 gut entwickelt, und auch unser Geschäft hat sich dort in allen drei Segmenten im vergangenen Jahr positiv entwickelt. Indien ist auf dem Weg, sich kontinuierlich zu reformieren. Wir sehen hier klare Fortschritte.

Der Konjunktur-Taucher in China ist Schnee von gestern: Geht es mit den Oerlikon-Filamentanlagen ihres Segments Manmade Fibers jetzt steil aufwärts?

Wir sehen, dass die Talsohle des Marktzyklus‘ im Filamentgeschäft durchschritten ist. Es werden erste neue Projekte diskutiert. Jedoch wird sich der Markt nur langsam erholen.

Sie wollen im Medical Markt, etwa bei Implantaten, wachsen. Bieten sich da nicht Kooperationen mit anderen Schweizer Firmen an?

Der Markt für medizinische Produkte ist für unsere Technologien interessant. Wir beschichten bereits heute diverse medizinische Produkte wie etwa chirurgische Instrumente oder Implantate. In diesem Markt sehen wir tatsächlich noch weiteres Potential.

„Im Markt für Implantate sehen wir noch weiteres Potenzial.“

Was erwarten Sie von der ab 1. Januar 2017 vollständig konsolidierten Deutschen citim GmbH?

citim ergänzt uns mit wichtigem Know-how im Bereich Prototyping und Produktion für die additive Fertigung. Kombiniert mit unseren modernen Werkstoffen und unseren Beschichtungstechnologien verfügen wir nun über die gesamte Wertschöpfungskette in der additiven Fertigung. Unser Ziel ist es, Additive Fertigung als Service für die Industrie anzubieten vom Material bis zum fertig bearbeiteten Bauteil. In den Aufbau dieses Geschäfts werden wir nun erhebliche Mittel investieren.

Oberflächentechnologie hat eine grosse Zukunft vor sich. Wo sehen Sie Oerlikons grösstes und profitabelstes Segment im Jahr 2020?

Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses Geschäft attraktiv entwickeln können. Dabei bauen wir auf organisches Wachstum als auch auf Akquisitionen.

OC Oerlikon hat in letzter Zeit ordentlich zugekauft, allerdings deutlich vorsichtiger als auch schon. Was hat man aus der Vergangenheit gelernt?

Wir verfolgen eine klare Strategie mit unseren Zukäufen. Entweder stärken wir über Akquisitionen unser Technologieportfolio, bauen unsere Marktposition aus oder steigen in neue attraktive Märkte ein. Dabei liegt der Fokus für Investitionen auf der Umsetzung unserer neuen Strategie, das heisst, das Geschäft mit modernen Werkstoffen, Oberflächentechnologien und additiver Fertigung aus- und aufzubauen und zwar gezielt.

Zum Gesprächspartner:
Dr. Roland Fischer (1962, deutscher Staatsbürger) wurde per 01. März 2016 zum Chief Executive Officer des Oerlikon Konzerns ernannt. Vor Oerlikon war Roland Fischer in mehreren Führungsfunktionen bei der Siemens AG tätig, zuletzt von 2013 bis 2015 als CEO der Division Power and Gas. Zwischen 2011 und 2012 fungierte er als CEO der Division Fossil Power Generation und von 2008 bis 2011 als CEO der Business Unit Fossil Power Generation – Products von Siemens, Deutschland. Vor seiner Karriere bei Siemens, bekleidete er diverse Managementpositionen bei MTU Aero Engines in Deutschland und Malaysia. In seiner letzten Position hielt er die Rolle des Senior Vice President Defence Programmes in Deutschland inne. Roland Fischer hat einen Abschluss in Aeronautical Engineering der Universität Stuttgart, Deutschland und einen Doktortitel (Dr.-Ing.) in Aeronautical Engineering der Universität Karlsruhe, Deutschland.

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