Sébastien Durbec, Country Manager Tata Consultancy Services (TCS) Schweiz, im Interview

Sébastien Durbec, Country Manager Tata Consultancy Services (TCS) Schweiz, im Interview
Sébastien Durbec, Country Manager Tata Consultancy Services (TCS) Schweiz. (Foto: zvg)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Sie leiten seit Anfang Juli die Geschäfte von Tata Consultancy Services (TCS) in der Schweiz. Sie übernehmen TCS Schweiz nach einer langen Phase unter Rainer Zahradnik. Was möchten Sie weiterführen – und wo wollen Sie eigene Akzente setzen?

Sébastien Durbec: Es ist vor allem wichtig, unseren erfolgreichen Ansatz kontinuierlich weiterzuführen. Wir können auf einer sehr guten Basis aufbauen und es gilt hier nicht, Änderungen der Änderungen wegen durchzusetzen. Der Markt ist enorm volatil geworden und da kommen die Änderungsanforderungen von selbst. Wir sind gewappnet.

Sie kennen TCS Schweiz bereits aus Vertrieb und Operations. Was hilft Ihnen diese Erfahrung nun in der Rolle als Country Manager?

In den Rollen als Sales Director und als Mitglied der Geschäftsleitung durfte ich das letzte Jahrzehnt eng mit Rainer Zahradnik zusammenarbeiten. Wir alle kennen das Pensionsalter in der Schweiz und somit war der Schritt ja keine Überraschung. Wir konnten uns in den letzten Jahren gut darauf vorbereiten, somit haben wir einen nahtlosen Übergang vollziehen können.

Wie definieren Sie die nächste Wachstumsphase von TCS Schweiz konkret?

Die nächste Wachstumsphase fokussiert darauf, unseren Kunden dabei zu helfen, die Transformation von fragmentierter KI zu skalierbarer, unternehmensweiter KI erfolgreich durchzuführen. Wir spüren, dass die KI-Adoption vermehrt Fuss fasst und ein Aufbruch stattfindet. Dies gilt auch für Bereiche wie Cyber Security, Datenmanagment oder Sovereign Cloud.

«Die nächste Wachstumsphase fokussiert darauf, unseren Kunden dabei zu helfen, die Transformation von fragmentierter KI zu skalierbarer, unternehmensweiter KI erfolgreich durchzuführen.»
Sébastien Durbec, Country Manager Tata Consultancy Services (TCS) Schweiz

TCS ist seit über 40 Jahren in der Schweiz präsent. Was macht den Schweizer Markt für einen globalen IT-Dienstleister besonders anspruchsvoll?

Ich denke es ist vor allem die Wait-and-see Mentalität, die noch etwas ausgeprägt ist. Das ist in der Schweiz die grösste Herausforderung. Bei international tätigen Schweizer Unternehmen bricht dies jedoch vermehrt auf.

Welche Branchen stehen derzeit am stärksten unter Transformationsdruck?

Es gibt keine Branche, die es sich leisten kann, die Transformation weiter zu verzögern. Den grössten Push gibt es jedoch in den Bereichen Banking, Versicherung- und Manufacturing, die übrigen Branchen ziehen nun aber vermehrt mit.

Wo stehen Schweizer Unternehmen Ihrer Einschätzung nach bei der digitalen Transformation im internationalen Vergleich?

Die Schweiz ist der globale Leader in Innovation und dies beinhaltet auch das Know-How und die Lösungen in Sachen digitaler Transformation. Es ist allerdings nach wie vor so, dass Schweizer Unternehmen gerne etwas abwarten um zu sehen, wie Innovationen in anderen Unternehmen und in anderen Ländern umgesetzt werden. Hier ist ein Umdenken erforderlich, denn der schnelllebige Markt lässt kaum mehr Spielraum, sich in Warteschlaufen zu bewegen.

«Es ist allerdings nach wie vor so, dass Schweizer Unternehmen gerne etwas abwarten um zu sehen, wie Innovationen in anderen Unternehmen und in anderen Ländern umgesetzt werden.»

Wo sehen Sie bei Schweizer Unternehmen die grössten Hebel: Automatisierung, Cloud, Datenstrategie, Cybersecurity oder künstliche Intelligenz?

Schweizer Unternehmen werden in all diese Bereiche investieren müssen, um kompetitiv zu bleiben.

Tata Consultancy Services will weltweit das grösste KI-zentrierte Technologie-Dienstleistungsunternehmen werden. Was bedeutet das konkret für die Schweiz?

Wir betreiben bereits in mehreren Ländern sogenannte Pace-Ports und Pace-Studios, welche Innovationshub sind, in denen wir – gemeinsam mit Kunden und Partnerunternehmen – KI-Technologien entwickeln. Davon profitieren wir bereits, jedoch werden wir in den kommenden Monaten unser eigenes Pace-Studio in der Schweiz eröffnen, um mit der Innovation noch näher am Markt zu sein und lokale Anforderungen und Einflüsse zu integrieren.

Viele Unternehmen experimentieren mit KI, tun sich aber mit Skalierung schwer. Woran scheitert der Schritt vom Pilotprojekt zum produktiven Einsatz am häufigsten?

Die Hauptgründe, dass nur ein Drittel der Pilotprojekte am Ende produktiv eingesetzt werden, liegen in operationellen und organisatorischen Hürden. Beispiele dieser Hürden sind IT-Silos und festgefahrene Prozesse. IT-Transformation muss aber über sämtliche Abteilungen hinweg getragen werden. Hinzu kommen teils niedrige Datenqualität und fragmentierte Legacy Daten-Silos als Verhinderer der Skalierung. Unternehmen müssen sich bewusst werden, dass KI nicht ein weiterer Technologietrend ist, sondern ein Hilfsmittel, echte Herausforderungen für Unternehmen zu lösen.

«Unternehmen müssen sich bewusst werden, dass KI nicht ein weiterer Technologietrend ist, sondern ein Hilfsmittel, echte Herausforderungen für Unternehmen zu lösen.»

TCS betreibt in Zürich ein Private Banking Center of Excellence. Wie wichtig ist der Finanzplatz Schweiz für die internationale Positionierung von TCS?

Die Financial Services Industrie ist seit je her ein wichtiger Markt für uns. Die SIX Group zum Beispiel war vor über 40 Jahren unser erstes grosses Projekt und wir arbeiten nach wie vor mit diesem Kunden und vielen anderen Finanzdienstleistern. Die Komplexität der Branche hilft uns, unsere Stärken besonders einzubringen.

Der Fachkräftemangel prägt die IT-Branche seit Jahren. Wie stark spürt TCS Schweiz diesen Druck?

Wir arbeiten sehr eng mit Hochschulen zusammen. Diese Kooperation hilft uns, lokale Talente zu gewinnen. Unsere Auszeichnung durch das Top Employers Institut, das uns seit vielen Jahren als einer der besten Arbeitgeber auszeichnet, hilft uns zudem, eine attraktive Opiton für Toptalente zu sein. Wir bieten unseren Mitarbeitenden ein umfangreiches Schulungsprogramm an, um den wechselnden Anforderungen im Markt gerecht zu werden. Mit unserem Geschäftsmodell, das – neben der Onsiteteams – auch Near- und Offshore Experten beinhaltet die für unsere Kunden arbeiten, decken wir den Bedarf in dem Bereich gut ab.

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