Siro Barino, Managing Director Swiss Deluxe Hotels

Siro Barino

Siro Barino, Managing Director Swiss Deluxe Hotels. (Foto: SDH)

von Patrick Gunti

Moneycab: Herr Barino, die  Schweizer Luxushotellerie hat ein grosses Renommee und eine lange Tradition. In welchen Bereichen war sie im vergangenen Jahr am meisten gefordert?

Siro Barino: Die Schweiz ist die zweifelsohne die Wiege der gehobenen Hotellerie. Die Swiss Deluxe Hotels sind heute noch Zeugen der Ursprünge der komfortablen und luxuriösen Art des Reisens. Der wahre Luxus eines Hotels macht neben der aussergewöhnlichen Lage, der palastähnlichen Architektur, dem exquisiten Interior-Design und der hochdekorierten Gourmet-Küche die Dienstleistung am Gast aus, der exzellente Service in allen Bereichen der Gastfreundschaft. Das war schon vor 180 Jahren so, ist heute nicht anders, und das ist die Basis, auf der die Swiss Deluxe Hotels ihre Zukunft bauen. Es ist ein grosses Erbe, das es zu verwalten gilt.

Noch immer belasten die ungünstigen Wechselkurse des Schweizer Frankes gegenüber dem Euro und dem US-Dollar den Geschäftsgang der Schweizer Luxushotellerie, und auch die stetig steigende Kostenbasis bedeutet eine immer grössere Herausforderung für die Branche. Im Vergleich zum naheliegenden Ausland lassen massiv höhere Mindestlöhne, zunehmende Regulierungen und weiterhin hohe Hürden im Agrar- und Lebensmittelimport, die zu teuren Einkaufspreisen führen, die Kosten-Gewinnschere immer enger werden. Die steigende Nachfrage nach Spezialangeboten, das immer kurzfristigere Buchungsverhalten sowie eine Verlagerung von Reservationen auf unabhängige Buchungsplattformen fordern die Kreativität der Hoteliers.

Die 38 Fünf-Sterne-Hotels schlossen das Geschäftsjahr mit einem praktisch unveränderten Umsatz von 1,41 Mrd Franken ab und auch die Zahl der Übernachtungen war mit 835’000 stabil. Wie werten Sie das Resultat?

Wir sehen Licht am Ende des Tunnels und stehen relativ zum Benchmark der restlichen 5-Sternehotellerie in der Schweiz gut da. 2013 ist in mancher Hinsicht ein Wendepunkt für eine gestärkte Entwicklung in die Zukunft gewesen. Unsere Bemühungen neue Märkte für die Swiss Deluxe Hotels zu begeistern, zeigen erste Früchte. Dass sich die klassischen Stammmärkte in Europa ebenfalls erholen, ist ein weiteres gutes Zeichen.

«Ein Ereignis wie die Krise in der Ukraine und in Russland kann schnell ein ganzes Marktsegment negativ beeinflussen.»
Siro Barino, Managing Director Swiss Deluxe Hotels

Welche Entwicklung war in den verschiedenen Regionen festzustellen?

Die Freizeit-Resorts sind sicher stärker saisonalen und witterungsbedingten Einflüssen ausgesetzt als Stadthotels. Letztere sind aber wieder stärker vom Gang der Wirtschaft und den damit einhergehenden Buchungen von Firmen und Seminaren abhängig. In der Romandie hat man noch stärker mit dem Kostenvergleich zum nahen Ausland zu kämpfen als Beispielsweise in Zürich. So heterogen unsere Gruppe ist, so unterschiedlich sind aber die einzelne Geschäftsabschlüsse. Die einen litten mehr im verregneten Frühjahr 2013 während andere ab dem vielen Schnee anfangs 2013 jubelten. Im Durchschnitt war das Jahr 2013 für alle eine leichte Verbesserung zum Vorjahr. Die Stabilisierung der Märkte ist spürbar, doch niemand kann genau abschätzen,  ob und wie schnell sich der Trend fortsetzt.  Ein Ereignis wie die Krise in der Ukraine und in Russland kann schnell ein ganzes Marktsegment negativ beeinflussen.

Wie haben sich die verschiedenen Märkte entwickelt? Ging das Wachstum aus den aufstrebenden Märkten wie China oder den Golfstaaten weiter?

Klassische Stammmärkte in Europa, namentlich Deutschland, Frankreich und UK, haben sich erholt bzw. sind weniger stark rückläufig. Die Anzahl Logiernächte aus Deutschland – mit rund 15% Marktanteil in der Gesamtbranche immer noch der wichtigste ausländische Markt – ging noch um 1 Prozent zurück, nachdem die Minuswachstumsraten in den letzten drei Jahren stets im zweistelligen Prozentbereich lagen. Auf der anderen Seite ist die Entwicklung in den neuen Wachstumsmärkten in Asien, im Mittleren Osten oder in Russland weiterhin erfreulich. Doch gerade hier gilt es nun die politische Situation abzuwarten. Alleine der Gästezuwachs aus China betrug immerhin 2013 über 20 Prozent. Denselben Wert erreichen die Golfstaaten, während Russland ein Plus von 3 Prozent aufgewiesen hat.

«Die Swiss Deluxe Hotels investieren jedes Jahr rund 200-300 Millionen Franken in ihre Häuser.»

Von welcher Entwicklung gehen Sie im laufenden Jahr aus?

Ausblickend auf das laufende Jahr 2014 sind viele Hoteliers der Swiss Deluxe Hotels grundsätzlich optimistisch, dass sich der Markt weiter leicht positiv entwickelt.

Die Luxushotellerie erfordert stetige Investitionen in die Infrastruktur. Wie vereinbaren Ihre Mitglieder-Hotels die Bewahrung von Traditionen mit den Ansprüchen des modernen Reisens?

Ja, ohne stete Investitionen in die Infrastruktur, die Zimmer und in neue Angebote verlieren Sie den Anschluss an die Zukunft. Die Swiss Deluxe Hotels investieren jedes Jahr rund 200-300 Millionen Franken in ihre Häuser. Wenn man sieht, was auch im letzten Jahr wieder für grandiose Projekte umgesetzt wurden, so spürt man nicht nur den Anspruch der Mitglieder der SDH zu den besten der Welt zu gehören, sondern man sieht auch, dass ein Luxushotel nur mit einer gesunden und finanzstarken Eigentümerschaft langfristig planen und überlaben kann.

Unter anderem kann das Four Seasons Hôtel des Bergues in Genf als ältestes Hotel der Swiss Deluxe Hotels just zu seinem 180-jährigen Jubiläum seinen neuen Spa-Bereich auf zwei Stockwerken und mit grandioser Aussicht auf das Mont-Blanc-Massiv und die Stadt Genf eröffnen. Zusammen mit dem neuen IZUMI-Restaurant, das die japanische Küche in exzellenter Art und Weise zelebriert, steht das Four Seasons Hôtel des Bergues heute für das moderne und urbane City-Resort, das sowohl Geschäfts- wie auch Freizeitgäste gleichermassen begeistert. Das Widder Hotel in Zürich baut derzeit einen ganz neuen Restaurations-Teil in der Tradition des Hauses auf, welches vor Jahrhunderten eine Metzgerzunft war und verspricht so für Fleischliebhaber ein neuer Hotspot in Zürich zu werden.

Auch Hoteliers im Luxussegment sind durch sich verändernde Verhaltensweisen wie Kurzfristigkeit, Spezialangebote oder unabhängige Buchungsplattformen gefordert. Wie reagieren sie darauf?

Wir haben in den letzten Jahren im Vorstand und in der Geschäftsführung sehr viel geleistet, um dem Gütesiegel „Swiss Deluxe Hotels“ wieder mehr Gewicht zu geben. Wir haben vieles hinterfragt, neu aufgesetzt und  Bewährtes ausgebaut. Vom Soft-Relaunch der Marke und des Logos, vom neuen Magazin „Ambiance“, der neuen Webseite über eine Verbreiterung von verschiedenen Partnerschaften im High-End-Bereich bis zur Ausrichtung auf neue Wachstumsmärkte der Luxushotellerie sind wir mit grossen Schritten voran gekommen. Wir haben die notwendigen Hausaufgaben gemacht, und wir gehen den Weg konsequent weiter.

Bald startet unsere neue Inseratekampagne, auf die ich mich sehr freue. Noch sind wir aber nicht am Ziel. Die Buchung und die Wahrnehmung vieler Internationaler Gäste über unseren Umbrellabrand Swiss Deluxe Hotels und die Webseite www.swissdeluxehotels.com sind dabei zentrales Ziel. Es braucht noch viel Einsatz und Leidenschaft von unserer Seite, um die Marke noch bekannter und die Werte dahinter spürbarer zu machen. Die Hotellerie im obersten Luxussegment hat in der Schweiz eine lange Tradition. Nun ist es entscheidend, mit neuen Impulsen und Innovationen eine neue Generation von Gästen mit neuen Bedürfnissen und Ansprüchen abzuholen.

Vier Ihrer Mitgliederhotels – diejenigen der Victoria-Jungfrau Collection – gehen in den Besitz der Aevis Holding über. Was halten Sie von den Aevis-Plänen, die Grösse der Gruppe in etwa zu verdoppeln und weitere Hotels in das Projekt einzubeziehen?

Um ein Luxushotel erfolgreich in die Zukunft zu führen, braucht es neben Leidenschaft, Fach-Know-how, Qualitätsbewusstsein und dem unbedingten Willen zum Service am Gast auch eine langfristige Investmentstrategie. Hotels, welche auf einer gesunden, nachhaltigen finanziellen Basis stehen, haben die besseren Karten in der Hand. Die Mehrheitsübernahme der Aevis-Holding ist aus dem Aspekt der langfristigen Investition in die historischen Hotels der Victoria-Jungfrau Collection sehr zu begrüssen.  Zu den Plänen und Strategien einzelner Hotels, Hotelgruppen oder Investoren können wir uns jedoch nicht äussern.

Zuletzt öffnete mit «The Chedi» in Andermatt ein weiteres Hotel der Superlative seine Pforten. Welche Kritierien müssen erfüllt sein, um dem Kreis der Swiss Deluxe Hotels beizutreten?

Das Hotel muss Schweizer 5-Sterneklassierung aufweisen und mindestens ein Jahr geöffnet sein. Neben einer generellen Qualitätsprüfung des Hotels wird dann eine detaillierte, 850 Punkte umfassende Qualitätsprüfung durchgeführt. Sämtliche Mitglieder müssen sich dieser Prüfung übrigens jährlich stellen. Ein Aufnahmegesuch wird im Vorstand der SDH zusammen mit der Qualitätskommission geprüft. Über die Aufnahme eines Hotels entscheidet letztlich die Generalversammlung der SDH.

«Die Mehrheitsübernahme der Aevis-Holding ist aus dem Aspekt der langfristigen Investition in die historischen Hotels der Victoria-Jungfrau Collection sehr zu begrüssen.»

Die Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative betrifft die Hotellerie stark. Wie präsentiert sich die Lage bei den Swiss Deluxe Hotels, welchen Anteil haben hier die ausländischen Arbeitnehmer?

Mit grossem Bedauern haben die Swiss Deluxe Hotels zusammen mit hotelleriesuisse vom Entscheid der Stimmbevölkerung, die Zuwanderungspolitik neu auszurichten, Kenntnis genommen. Obwohl natürlich der Entscheid des Souveräns zu respektieren ist, so legt die Initiative der Branche, welche zu einem wichtigen Teil auf unkomplizierte Rekrutierungsmöglichkeiten in der EU angewiesen ist, massiv Steine in den Weg: Kontingentierte Arbeitsbewilligungen schränken die Flexibilität der Betriebe ein und haben teure administrative Mehraufwände zur Folge. Über 40 Prozent der Erwerbstätigen in den Swiss Deluxe Hotels kommen aus dem Ausland, rund ein Drittel aller Angestellten aus der EU.

Welche Konsequenzen fürchten Sie durch die Annahme der Initiative?

Je nach Umsetzung der Initiative wird die Rekrutierung von Fachkräften auf allen Stufen erheblich erschwert. Kontingentierte Bewilligungen schränken die Flexibilität insbesondere der Saisonbetriebe im Arbeitsmarkt beträchtlich ein und haben zudem kostenintensive administrative Mehraufwände zur Folge. Die Initiative ist ein Rückschlag für die bisherigen Qualitätsanstrengungen der Branche, deren wichtigste Grundlage qualifizierte Fachkräfte sind.

Wie wird die Luxushotellerie versuchen, sich in die Diskussionen um die Umsetzung des Votums einzubringen? Was wären für Sie gangbare Wege?

Im Rahmen der Umsetzungsarbeiten auf Gesetzes- oder Verordnungsstufe wird sich unser Branchenverband hotelleriesuisse vehement für eine branchentaugliche Lösung einsetzen.

Herr Barino, besten Dank für das Interview.

Zur Person
Siro Barino (47) führt seit dem 1. Januar 2012 die Geschäfte der Swiss Deluxe Hotels. Seine breite Erfahrung aus den Bereichen Airline/Tourismus, Finanzen, Luxusgüter sowie Medien haben zusammen mit dem Team der Geschäftsstelle zu einer stetigen Weiterentwicklung der Geschäfts- und Marketingplattform Swiss Deluxe Hotels geführt. Sein 2004 gegründetes Unternehmen Barino Consulting berät Unternehmen und Organisationen sowie exponierte Persönlichkeiten in der strategischen Positionierung auf allen Gebieten der internen und externen Kommunikation sowie der Unternehmensführung. Bis zur Gründung der Barino Consulting war Barino als Head Media Relations der Credit Suisse Group für die weltweite Medienarbeit der Credit Suisse Group sowie in der Schweiz für die Unternehmenskommunikation des Investment Banking der  Credit Suisse zuständig. Von 1999 bis 2001 war er als Head Corporate Communications der Swissair und Pressesprecher der SAirGroup verantwortlich für verschiedene Bereiche der internen und externen Kommunikation. Von 1993 bis 1996 war er als Wirtschaftsredaktor und Ressortleiter Wirtschaft sowie als Moderator für das Schweizer Fernsehen (SF1, Schweiz 4, SPLUS) vor und hinter der Kamera tätig. Siro Barino studierte Rechtswissenschaften an der Universität Zürich und lebt mit seiner Familie am Zürichsee.

Zum Unternehmen
Die Vereinigung der Swiss Deluxe Hotels (SDH) wurde 1934 gegründet und umfasst 38 der namhaftesten Fünf-Sterne-Häuser der ganzen Schweiz wie „The Dolder Grand“ oder das „Baur au Lac“ in Zürich, das „Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa“ in Interlaken, das „Gstaad Palace“, das „Beau-Rivage“ in Genf, das „Hotel Beau-Rivage Palace Lausanne“, das „Badrutt’s Palace Hotel“ und das „Suvretta House“ in St. Moritz, das „Tschuggen Grand Hotel“ und das „Kulm“ in Arosa, das „Castello del Sole“ in Ascona oder das „Mont Cervin Palace“ in Zermatt. Sie alle stehen für das Renommee der Schweizer Luxus-Hotellerie, das sie seit fast zwei Jahrhunderten massgeblich mitprägen. Mit insgesamt 4500 Zimmern und Suiten sowie rund 9200 Betten stellt die Gruppe rund 40% der Fünf-Sterne-Kapazität der Schweiz dar. Die SDH bilden damit die bedeutendste Vereinigung in diesem Sektor und nehmen seit Jahrzehnten die führende Rolle in der Schweizer Luxus-Hotellerie ein. Über 5500 Angestellte sorgen für das Wohlbefinden einer Klientel, die Luxus auch im Service gewohnt ist. Insgesamt verzeichnet die Gruppe jährlich rund 835’000 Übernachtungen. Der Jahresumsatz lag 2013 bei rund CHF 1.41 Mia.

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