Stefan Geller, CEO Patiswiss, im Interview

Stefan Geller
Stefan Geller, CEO Patiswiss. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Geller, für die Produktion Ihrer Halb- und Fertigfabrikate für das Gewerbe, die Industrie und den Detailhandel brauchen Sie eine Menge Strom. Was bedeutet das für nächstes Jahr?

Stefan Geller: Die Strompreisentwicklung ist in der aktuellen Form dramatisch und in diesem Ausmass nicht nachvollziehbar. Die Energiekosten erreichen schwindelerregende Höhen und können von den Unternehmen so nicht kompensiert werden. Preiserhöhungen sind unausweichlich und müssen leider auf die Kunden überwälzt werden.

Und wie geht es weiter?

Wir arbeiten bereits seit einigen Jahren aus nachhaltigen, ökologischen und weitgehend regenerativen Gründen an Energieeinsparprojekten. Die zurzeit herrschende Kostenentwicklung wird der Umsetzung zusätzlich Schub verleihen, da viele Investitionsprojekte, gerechnet mit den aktuellen Energiepreisen, aus finanzieller Sicht rentabler sind als bisher.

«Wir arbeiten bereits seit einigen Jahren aus nachhaltigen, ökologischen und weitgehend regenerativen Gründen an Energieeinsparprojekten.»
Stefan Geller, CEO Patiswiss

Welche Ihrer Produkte brauchen denn am meisten Hitze?

Wir haben einige thermische Prozesse, welche Gas oder elektrische Energie verbrauchen. Beispielsweise das Rösten von Nüssen und Mandeln erfolgt bei Temperaturen von bis zu 155°C, um die entsprechende Farbe und Röstaromen zu bilden. Das Schmelzen von Zucker zu Caramel und das Caramelisieren von Nüssen und Mandeln geschieht ebenfalls bei hohen Temperaturen und beansprucht dementsprechend viel Energie.

Vierzig Prozent des Strombedarfs deckt Patiswiss mit Solarstrom. Das hilft Ihnen sicherlich sehr, weil er auch bei Ihrem neuen Pasteurisationsverfahren verwendet wird?

Die Realisierung einer grossen Solaranlage auf dem Dach der Patiswiss, mit gegen 2000m2 Solarfläche, haben wir definitiv zur richtigen Zeit getätigt. Um die Entwicklung der Dekarbonisierung der Patiswiss konkret zu starten, haben wir gleichzeitig einige Technologien, wie beispielsweise das Caramelisieren, von Erdgasverbrauch auf Elektrobetrieb umgestellt. Diese wichtigen energetischen Entscheide helfen, die vom Bundesrat beschlossenen Klimaziele bezüglich der Netto-Null-Emissionen bis 2050 zu erreichen.

Mit dem Entscheid, uns von einem nachhaltigen Produzenten zu einem regenerativen Lebensmittelhersteller zu wandeln, prüfen wir laufend weitere und innovative Möglichkeiten, um generell den Energieverbrauch zu senken und weitgehend den Bedarf an Energie aus erneuerbaren Quellen zu decken.

In letzter Zeit gab es einigen Alarm und gar Todesfälle bei bekannten Marken durch Keime. Ist die neue Log5 jetzt Ihre USP?

Bei diesem Thema haben wir als Patiswiss sicher eine Vorreiterrolle in der Schweiz übernommen. Die Risiken pathogener Keime auf landwirtschaftlich geernteten Rohstoffen wie Nüssen, Mandeln, Samen, Kernen sind wissenschaftlich belegt, und die Kundenanforderungen nehmen diesbezüglich zu. Wir sind mit der weltweit einzigartigen Log5-Pasteurisations- und Röstanlage technologisch sehr gut aufgestellt. Die Bezeichnung USP trifft zu.

«Wir sind mit der weltweit einzigartigen Log5-Pasteurisations- und Röstanlage technologisch sehr gut aufgestellt.»

Wie stark wächst Ihre Eigenmarke vegaNature?

Unsere Marke vegaNature führen wir behutsam an den Start und erledigen zuerst alle notwendigen Aufgaben, welche für eine erfolgreiche Markteinführung notwendig sind. Mitunter wird an einer attraktiven Produktpalette gearbeitet. Zudem werden länderspezifische Richtlinien bezüglich Markteintritt detailliert abgeklärt. Weiterhin arbeiten wir stark an den Geschmacksprofilen sowie den Inhaltsstoffen der veganen Produkte. VegaNature steht für pflanzenbasierten Bio-Genuss mit gesünderen und regenerativen Zutaten.

Wie können Sie denn einem Käse-Fan wie mir Neese Schmelz’mal, das vegane Fondue, schmackhaft machen?

Das vegane Fondue kann geschmacklich nicht vollends mit Käse verglichen werden, überzeugt aber mit einem eigenen, abgerundeten Geschmacksprofil. Das wird von unseren Kunden sehr geschätzt. Mit diesem Fondue haben wir eine echte Alternative entwickelt, welche viele Ernährungstypen bei einem Fondueplausch am gleichen Caquelon vereint. Unser Tipp: Probieren und gemeinsam geniessen.

Sie beklagten einst, dass das Unternehmen Patiswiss bei den Konsumenten kaum bekannt ist, obwohl seine Lebensmittel auf Basis von Mandeln und Nüssen in vielen Produkten grosser Handelsmarken enthalten sind. Hat das mit dem zunehmenden Ausbau Ihrer B2C-Aktivitäten geändert?

Patiswiss ist bei den Endkunden weiterhin nicht sehr bekannt, da die B2C-Artikel in der Regel unter Privat Labels verkauft werden. An dieser Situation wird sich in absehbarer Zukunft auch nichts ändern. Mit vegaNature versprechen wir uns in Zukunft einen höheren Bekanntheitsgrad. Erfreulich ist die Zunahme unserer Bekanntheit an Hochschulen. Die vielen Projekte und Forschungsarbeiten, welche wir vergeben haben, haben ja auch zum Ziel, das Interesse der Patiswiss als Arbeitgeber bei Talenten zu wecken.

Wie sieht es bei den wichtigen Rohmaterialien, den erwähnten Mandeln und vor allem Haselnüssen und bei Patiswiss preislich aus?

Die Preise sind grundsätzlich recht stabil und das auf einem doch eher tiefen Beschaffungspreisniveau. Die Transport- und Lagerkosten nehmen hingegen leider spürbar zu. Demgegenüber ist die Währungsentwicklung des Dollars zum Schweizer Franken vorteilhaft, beziehungsweise gleicht etwas die Mehrkosten aus.

Ab einer halben Tonne Losgrösse bieten Sie auch kundenspezifische Rezepturen. Wie rege wird das genutzt?

In der Industrie wird das sehr rege genutzt, respektive das ist auch das Minimum, was ein Industriebetrieb in der Regel rationell verarbeiten kann. Auch in diesem Jahr sind wir mit der Anzahl Entwicklungen auf Kurs und können somit an die Vorjahre anknüpfen.

Wie lief der Sommer für Eiscrème?

Die hohen Temperaturen haben natürlich landesweit den Eisdielen sehr schöne Umsätze beschert. Es war sicher eines der besseren Jahre für Patiswiss, was den Verkauf von Eiscrème-Cornets anbelangt.

«Wenn unsere Kunden und wir bis Ende Jahr nicht mit einer akuten Energiemangellage konfrontiert werden, können wir den Vorsprung mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Ziel bringen.»

Die Umsätze liegen per Mitte Jahr etwa zehn Prozent über dem Vorjahr. Was erwarten Sie vom Geschäft bis und mit Weihnachten?

Erfahrungsgemäss legen wir im zweiten Halbjahr noch etwas zu, da das Weihnachtsgeschäft für uns nach wie vor das Hauptgeschäft darstellt. Wenn unsere Kunden und wir bis Ende Jahr nicht mit einer akuten Energiemangellage konfrontiert werden, können wir den Vorsprung mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Ziel bringen.

Die Dividende haben Sie in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert. Jetzt liegt Sie bei 8,50 Franken brutto. Das lässt auf eine weitere Erhöhung hoffen, denke ich mal?

Man muss zum heutigen Zeitpunkt die Entwicklung der wirtschaftlichen Gesamtsituation, mit den Veränderungen der Rahmenbedingungen, realistisch betrachten. Die externen Einflussfaktoren auf die Resultate sind nicht von der Hand zu weisen und werden mit Sicherheit auch bei uns spürbar sein. Umso mehr ist es uns ein Anliegen, einerseits die Effizienz zu erhöhen und anderseits die Nachhaltigkeit und weitergehend die Regeneration zu fördern. Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer Vision, Mission und Strategie auf dem richtigen Weg sind und auf diesem Fundament die anstehenden wirtschaftlich herausfordernden Zeiten bewältigen können.

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