Ueli Jost, Geschäftsleiter und Inhaber Veriset, im Interview

Ueli Jost, Geschäftsleiter und Inhaber Veriset, im Interview
Ueli Jost, Geschäftsleiter und Inhaber Veriset (Foto: Veriset)

Von Karin Bosshard

Moneycab.com: Herr Jost, das vergangene Jahr dürfte sowohl für Sie persönlich wie auch für Ihr Unternehmen ein geschichtsträchtiges Jahr gewesen sein: Ende Oktober gewinnen Sie den EY Entrepreneur Of The Year und einen Monat später gewinnt Ihre Zentralschweizer Küchenherstellerin Veriset den „Digital Economy Award 2019“. Was hat sich dadurch verändert?

Ueli Jost: Es war in der Tat ein aussergewöhnliches Jahr, bis jetzt das Beste in meiner Zeit bei Veriset. Dabei waren die beiden Awards und unser 20-jähriges Jubiläum die besonderen Highlights. Verändert hat sich eigentlich nichts, ich sehe es eher als Bestätigung, dass wir mit der Strategie und wie wir sie umsetzen auf dem richtigen Weg sind.

Der EY Entrepreneur Of The Year in der Kategorie „Industry/Hightech/Life Sciences“ würdigt Ihre Leistungen als Unternehmer, der Veriset kurz vor dem Konkurs zunächst als Berater und später als Inhaber und Geschäftsleiter zum führenden Schweizer Küchenhersteller entwickelt hat. Wie haben Sie den turn-around geschafft?

Mein Motto ist und bleibt: Verfolge eine klare Strategie, treffe die richtigen Massnahmen und setze diese konsequent um. Bei ersten Schwierigkeiten darf man sich nicht verunsichern lassen oder gar aufgeben.

Nicht zuletzt geht es um Menschen. Der Schlüssel zum Erfolg sind Menschen. Mitarbeitende und auch Partner überzeugen und motivieren zu können, hat einen grossen Effekt gehabt. Besonders am Anfang ging es darum, das Vertrauen in die Firma Veriset wieder herzustellen. Das geht nur über Leistung. Vertrauen und Leistung sind zwei weitere wichtige Erfolgsfaktoren, nicht nur in schwierigen Zeiten.

«Das Gewinner-Projekt Butterfly deckt die Digitalisierung über das ganze Unternehmen ab.»
Ueli Jost, Geschäftsleiter und Inhaber, Veriset

Sie und Ihre Frau durften als Inhaberpaar mit Rafael Duss, Ihrem Projektleiter für Digitalisierung, Ende November für Veriset den „Digital Economy Award“ in der Kategorie „ Digital Transformation KMU“ entgegennehmen. Das hat Sie alle überrascht, weshalb?

Dass wir als „ICT-untypischer Betrieb“, als Küchenbauer, den Preis bekommen haben, hat uns überrascht, denn die Küchenbranche ist nicht bekannt dafür, führend im Bereich der Digitalisierung oder Anwendung von neuen Technologien zu sein.

Weshalb und wofür betrachten Sie den Preis (DEA) als Bestätigung?

Es ist eine Bestätigung dafür, dass wir mit der Digitalisierung auf dem richtigen Weg sind. Viel wichtiger ist aber, dass wir selbst davon überzeugt sind, dadurch den Produktionsstandort Schweiz zu erhalten und damit auch den langfristigen Fortbestand des Betriebes sicherzustellen.

Was genau wird mit Ihrem Projekt namens Butterfly digital transformiert?

Das Gewinner-Projekt Butterfly deckt die Digitalisierung über das ganze Unternehmen ab. Sämtliche Bereiche und Prozesse sind betroffen und es zeigt auf, wie wir diese digitalisieren können – zum Wohle von uns und unserer Kunden. Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir die Digitalisierung nur dann einsetzen, wenn sie einen klaren Mehrwert für uns und unsere Kundschaft leistet.

«Wir wollen Digitalisierung nicht zum Selbstzweck einsetzen sondern, wo gewünscht, um echten funktionalen Nutzen für die Kundinnen und Kunden zu generieren.»

Digitalisierung in der Küche – bleibt da nicht doch etwas der Spassfaktor und die Kreativität aussen vor?

Im Gegenteil, es soll sogar noch mehr Spass machen, neue Möglichkeiten eröffnen und das Leben einfacher gestalten. Wir wollen Digitalisierung nicht zum Selbstzweck einsetzen sondern, wo gewünscht, um echten funktionalen Nutzen für die Kundinnen und Kunden zu generieren. So soll die Küche auch praktischer werden, z.B. weil sie flexibler in der Bedienung wird oder mitdenkt.

In welchen Unternehmensbereichen kommt heute die digitale Transformation in Ihrem Unternehmen wie zum Tragen? Werden weitere Bereiche folgen?

Betroffen ist in erster Linie der Hauptprozess vom Verkauf bis zur Auslieferung. Diese sind bereits zu einem hohen Masse digitalisiert. In allen weiteren Bereichen sind wir dran; in ca. drei Jahren wollen wir das Projekt Butterfly umgesetzt haben. Ein Kernpunkt ist sicher die Erneuerung und der Ausbau der Produktion, wo die Digitalisierung und Industrie 4.0 nochmals stark eingreifen und sich Prozesse noch mehr optimieren lassen.

«Heute produzieren wir sechs Mal mehr Küchen als vor 20 Jahren mit nur drei Mal mehr Mitarbeitenden.»

Was waren und sind die Herausforderungen, welche mit dieser digitalen Transformation verbunden sind?

Nicht zuletzt ist auch hier der Mensch der Schlüssel zum Erfolg. Mitarbeitende, deren Arbeitsplatz von der Transformation betroffen sind, involvieren wir frühzeitig. So stellen wir sicher, dass sie die Vorteile verstehen und vom Mehrwert profitieren können. Dies soll sie motivieren, die neue Technologie richtig und mit maximalem Nutzen anzuwenden.

Hierfür haben wir diverse Massnahmen getroffen, um Mitarbeitende frühzeitig zu informieren. Dazu gehört unsere Mitarbeiterzeitung taburettli, regelmässige Mitarbeiterinformationen sowie das frühzeitige Involvieren der betroffenen Mitarbeitenden in Projekte und natürlich gezielte Schulungen.

Was waren die Meilensteine in den letzten zwei Dekaden und wie steht Ihr Unternehmen heute da?

Heute produzieren wir mit nur drei Mal mehr Mitarbeitenden sechs Mal mehr Küchen als vor 20 Jahren. Hätten wir nicht frühzeitig in die Automatisierung investiert, wären die Arbeitsplätze heute weg.

Zu den wichtigsten Meilensteinen zählt der Gewinn von Sanitas Troesch als Grosskunde im Jahr 2008. Die Anzahl Kunden ist ansonsten seit Jahren stabil mit ca. 100 Fachhandelspartnern. Unser Marktanteil in der Schweiz liegt mit 21‘000 produzierten Küchen im 2019 bei ca. 14 Prozent, wobei ca. 60 Prozent aller Küchen in Schweizer Haushalten aus dem Ausland importiert werden. 2017 haben wir zwei Fachhandelspartner übernommen und seit 2018 können Kundinnen und Kunden unsere Küchen und Schränke in acht eigenen Ausstellungen auch direkt bei uns beziehen.

Wie sehen die mittel- und langfristigen Pläne der Veriset aus?

Zunächst steht 2021 die Übernahme der Geschäftsleitung durch meinen Sohn und meine Tochter an. Beide sind seit Jahren im Betrieb tätig, um sie optimal auf die neue Aufgabe vorzubereiten. Zudem hat der Ausbau der Markenbekanntheit für uns Priorität.

Veriset ist im Objektgeschäft eine bekannte Marke mit gutem Image. Für Privatkunden sind wir aber weitgehend unbekannt. Dies müssen wir ändern, denn in den nächsten Jahren wollen wir weiter kontinuierlich wachsen. Nicht zuletzt haben wir mit dem laufenden Projekt „Lead Factory“ vor, in ca. fünf Jahren zu den führenden Möbelproduktionen weltweit zu gehören. Uns wird es also nicht langweilig.

Wie stellen Sie sicher, dass Sie für Ihre Pläne über genügend qualifizierte Mitarbeitende verfügen?

Wir haben ein eigenes Mitarbeiter-Förder- und Entwicklungsprogamm („MAFE“), mit dem wir potenzielle Mitarbeitende, egal auf welcher Stufe, selber weiterentwickeln. Herauszuheben ist das MAFE-Programm für das mittlere und obere Management, wo wir das Ziel haben, die Person 1-2 Stufen zu befördern.

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