Urs Monstein, CEO VP Bank, im Interview

Urs Monstein, CEO VP Bank, im Interview
UBS-CEO Urs Monstein. (Foto: VP Bank/mc)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Monstein, der Jahresgewinn der VP Bank ist um über 150% auf 47 Mio. Franken gestiegen. Wie viel davon ist strukturelle Verbesserung – und wie viel Nachholeffekt nach einem schwachen Vorjahr?

Urs Monstein: Die Gewinnsteigerung ist in erster Linie das Resultat einer klar verbesserten operativen Leistung. Von Nachholeffekten würde ich nicht sprechen. Selbstverständlich hat die positive Marktperformance das Resultat unterstützt, und es gab einzelne Einmaleffekte. Ausschlaggebend ist jedoch, dass wir unsere Effizienz substanziell gesteigert haben. Gegenüber dem Vorjahr weisen wir 8,9 Prozent tiefere Kosten aus und konnten den Geschäftsertrag gleichzeitig um 2,1 Prozent erhöhen.

Wie beschreiben Sie das Umfeld, in dem das gute Resultat zustande gekommen ist?

Das Umfeld war anspruchsvoll und von mehreren gegenläufigen Faktoren geprägt. Die sinkenden Zinsen haben unser Zinsergebnis erwartungsgemäss belastet. Gleichzeitig konnten wir diese Entwicklung durch ein stärkeres Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft sowie ein solides Handelsgeschäft kompensieren. Beide Bereiche profitierten von gut laufenden Märkten und einer erhöhten Kundenaktivität. Negative Wechselkurseffekte wirkten sich hingegen dämpfend auf das ausgewiesene Resultat aus. Insgesamt zeigt sich, dass unser diversifiziertes Geschäftsmodell auch in einem anspruchsvollen Umfeld resilient ist und wir unsere Ertragsbasis weiter stärken konnten.

«Insgesamt zeigt sich, dass unser diversifiziertes Geschäftsmodell auch in einem anspruchsvollen Umfeld resilient ist und wir unsere Ertragsbasis weiter stärken konnten.»
Urs Monstein, CEO VP Bank

Die Betriebskosten sind deutlich gesunken. In welchen Bereichen wurden die meisten Einsparungen getätigt?

Die Kostensenkung ist nicht auf einzelne Bereiche beschränkt. Wir haben sowohl bei den Personalkosten als auch bei den Sachkosten Einsparungen erzielt. Hinzu kommen tiefere Abschreibungen und Rückstellungen. Entscheidend ist, dass diese Einsparungen das Resultat struktureller Effizienzsteigerungen sind und nicht kurzfristiger Massnahmen. Wir haben Prozesse vereinfacht, Prioritäten geschärft und unsere Ressourcen konsequent auf strategisch relevante Bereiche ausgerichtet.

Der Netto-Neugeldzufluss betrug 1,2 Mrd. Franken Woher kam dieses Wachstum primär – bestehende Märkte oder neue Kundensegmente?

Die Qualität unseres Wachstums hat sich verbessert. Während im Vorjahr der Netto-Neugeldzufluss schwergewichtig aus dem Asset Servicing stammte, ist das Wachstum heute deutlich breiter abgestützt. Besonders erfreulich ist die Entwicklung im Intermediärgeschäft sowie an unseren Standorten in Liechtenstein und der Schweiz. Das zeigt, dass unsere Marktposition in den Kernmärkten greift und wir gezielt Marktanteile gewinnen können. Unser Fokus liegt nun darauf, auch im Private Banking wieder nachhaltig positives Neugeldwachstum zu erzielen.

«Die Qualität unseres Wachstums hat sich verbessert. Während im Vorjahr der Netto-Neugeldzufluss schwergewichtig aus dem Asset Servicing stammte, ist das Wachstum heute deutlich breiter abgestützt.»

Die betreuten Vermögen stiegen um 5,8%. Wie viel davon war Marktperformance – und wie viel echte organische Wachstumsleistung?

Die Marktperformance betrug 3.5 Prozent, das Nettoneugeld 2.3 Prozent. Das zeigt, dass das Wachstum nicht nur marktgetrieben war, sondern auch auf einer organischen Wachstumsleistung basiert.

Die Liquidity Coverage Ratio liegt bei über 180%. Wie aktiv managen Sie Ihre Bilanz, um in einem sinkenden Zinsumfeld die Margen zu stabilisieren?

Mit einer Liquidity Coverage Ratio von über 180 Prozent verfügen wir über eine sehr komfortable Liquiditätsposition. Diese Stärke gibt uns Stabilität und strategischen Spielraum. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Höhe der Liquidität, sondern deren gezielte Bewirtschaftung. Wir steuern das Kredit-zu-Einlagen-Verhältnis sowie unser Treasury-Portfolio aktiv, um Liquidität, Risiko und Rendite in einem ausgewogenen Verhältnis zu halten. Im Jahr 2025 haben wir den Fokus insbesondere auf das Kreditportfolio gelegt. Das Volumen ist weitgehend stabil geblieben, gleichzeitig konnten wir die Profitabilität steigern.

Welche strategischen Prioritäten setzen Sie 2026: weiteres Kostenmanagement, Wachstum im Kerngeschäft oder Ausbau neuer Ertragsquellen?

2026 steht klar im Zeichen des profitablen Wachstums. Unser Fokus liegt dabei insbesondere auf dem Private Banking. Wir setzen auf eine gezielte und differenzierte Marktbearbeitung, eine strukturierte Kundenbuchplanung sowie die konsequente Weiterentwicklung unserer Vertriebsorganisation. Ziel ist es, Wachstum nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ zu steigern und nachhaltig Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden zu schaffen.

Liechtenstein ist stark international ausgerichtet. Sehen Sie im aktuellen handelspolitischen Umfeld eher Risiken für grenzüberschreitende Vermögensströme – oder könnte politische Unsicherheit sogar zu zusätzlichen Zuflüssen in stabile Finanzplätze führen?

Gerade in einem geo- und handelspolitisch anspruchsvollen Umfeld zeigt sich die Stärke stabiler Finanzplätze. Liechtenstein bietet mit der Schweizer Währung, einem verlässlichen und berechenbaren regulatorischen Rahmen sowie dem AAA-Rating ein sehr solides Fundament. Politische und wirtschaftliche Unsicherheit führt erfahrungsgemäss nicht nur zu Zurückhaltung, sondern oft auch zu einer verstärkten Nachfrage nach Stabilität, Rechtssicherheit und langfristiger Verlässlichkeit. In diesem Kontext sehen wir für den Finanzplatz Liechtenstein, aber auch für die VP Bank mit unserer ausgeprägten Erfahrung im grenzüberschreitenden Vermögensgeschäft, durchaus Chancen.

«Gerade in einem geo- und handelspolitisch anspruchsvollen Umfeld zeigt sich die Stärke stabiler Finanzplätze. Liechtenstein bietet mit der Schweizer Währung, einem verlässlichen und berechenbaren regulatorischen Rahmen sowie dem AAA-Rating ein sehr solides Fundament.»

Sie blicken nach einem deutlich verbesserten Ergebnis auf 2026. Wie robust ist Ihr Ausblick, falls sich der Konflikt zwischen den USA/Israel und Iran weiter verschärft und die Finanzmärkte anhaltend volatil bleiben?

Das bringt zweifellos Herausforderungen mit sich, eröffnet in bestimmten Phasen aber auch Opportunitäten. Entscheidend ist, dass wir unser Geschäftsmodell robust aufgestellt haben. Unabhängig von externen Entwicklungen setzen wir unseren strategischen Weg mit Bedacht und Konsequenz fort. Unser Fokus liegt klar darauf, unsere Kundinnen und Kunden verlässlich zu begleiten.

Geopolitische Spannungen führen oft zu einer Flucht in sichere Häfen wie den Schweizer Franken. Ist ein stärkerer Franken für die VP Bank eher Rückenwind durch höhere Vermögenszuflüsse – oder Gegenwind durch Währungseffekte auf die Erträge?

Ein stärkerer Schweizer Franken ist für uns primär herausfordernd. Unsere Kosten fallen überwiegend in Schweizer Franken an, während ein bedeutender Teil der Erträge in Fremdwährungen erzielt wird. Entsprechend wirken sich Aufwertungen des Frankens tendenziell dämpfend auf die ausgewiesenen Erträge aus. Gleichzeitig kann ein starker Franken in Phasen erhöhter Unsicherheit die Attraktivität unseres Finanzplatzes stärken.

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