Valentin König, CEO Aletsch Bahnen AG, im Interview

Valentin König
Valentin König, CEO der Aletsch Bahnen AG. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr König, Not macht erfinderisch. Die Aletsch Bahnen, die Matterhorn Gotthard und die Gornergrat Bahn haben ein gemeinsames Touring-Ticket geschaffen. Wieviel Zusatzgeschäft versprechen Sie sich davon?

Valentin König: Dieses Produkt wurde erst vor kurzem eingeführt und steckt daher in den Anfängen. Wir sehen in diesem Produkt grosses Potential, nicht nur ökonomisch, sondern auch kommunikativ. Gerade in der heutigen Zeit sind derartige Kooperationen mit anderen Leistungsträgern und damit Touringprodukte absolut angesagt, weil die Gäste in kurzer Zeit möglichst viel erleben wollen. Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Kooperationsprodukt den Gästen einen echten Mehrwert anbieten können und gleichzeitig stärken wir das nachhaltige Reisen in der Freizeit mittels öV.

Zwei Top-Spots der Schweiz (Aletsch und Zermatt) mit nur einem Ticket zu erreichen ist sicherlich ein guter Marketing-Schachzug. Zielen Sie jetzt wieder vermehrt auf ausländische Gäste?

Das Produkt wurde sowohl für ausländische wie inländische Gäste geschaffen. Derzeit fehlt aufgrund der aktuellen Marktsituation natürlich die grosse Masse an ausländischen Gästen. Im Bereich Verkauf auf den ausländischen Märkten im B2B als auch im B2C arbeitet die Aletsch Arena AG / Aletsch Bahnen AG, aber auch die Matterhorn Gotthard Bahn und die Gornergrat Bahn seit mehreren Jahren erfolgreich mit der Matterhorn Region AG zusammen. Die Marktverantwortlichen beobachten die Marktsituation laufend und datieren uns über die entsprechenden Entwicklungen sehr zeitnah auf.

«Unter den gegebenen Umständen und Rahmenbedingungen haben wir das vergangene Geschäftsjahr «ansprechend gemeistert».»
Valentin König, CEO Aletsch Bahnen AG

Auch das vergangene Jahr war wieder ein anspruchsvolles. Wie sind Sie mit ihm zufrieden oder über dieses erzürnt?

Unter den gegebenen Umständen und Rahmenbedingungen haben wir das vergangene Geschäftsjahr «ansprechend gemeistert». Die übergeordnete Zielsetzung sowohl für die eigene Unternehmung als auch für die gesamte Destination war es, keinen Totalschaden «einzufahren». Vor allem die Planung des vergangenen Winters und auch der eigentliche Schneesportbetrieb während dem Winter 2020/21 waren von grossen Unsicherheiten geprägt. Aus diesem Grund lautete unsere Handlungsmaxime «Wintersportbetrieb in der Aletsch Arena anbieten, und zwar während der gesamten Wintersaison».

Trotz 21,2% weniger Cashflow kann man sagen, dass die Aletsch Bahnen mit einem blauen Auge davongekommen sind. Wo fliesst 2021/2022 das verbleibende Geld hin?

Wir haben in den letzten 5 Jahren über 80 Mio Franken investiert und dabei Grossprojekte realisiert: Gletscher-Kombibahn Moosfluh, das Parkhaus Betten Talstation, den Speichersee «Scheene Bodu» und den öV-Hub in Fiesch. Aus diesem Grund befindet sich die Aletsch Bahnen AG, unabhängig von Corona, in einer Konsolidierungsphase. Auch ohne Grossprojekte hat unsere Unternehmung einen jährlichen Investitions- und Erneuerungsbedarf zwischen vier und sechs Millionen Franken, um unserer Qualitätsstrategie und unseren Sicherheitsansprüchen zu genügen.

Besteht für das hinzugekaufte Bergrestaurant Riederfurka noch ein Erneuerungsbedarf?

Der neuere Teil des Bergrestaurants Riederfurka befindet sich in einem sehr guten Zustand, wohingegen der alte Teil mit dem Berghotel in der Tat noch Erneuerungsbedarf aufweist. Dieses Dossier werden wir im Rahmen unserer überarbeiteten Unternehmensstrategie angehen, bei welcher die Gastroabteilung ein wichtiger Pfeiler ist.

Ihre nun elf Gastronomiebetriebe dürften nach dem umsatzstarken Sommer einen nicht ganz einfachen Winter vor sich haben…

Im Gegensatz zum letzten Winter, als uns die behördlichen Einschränkungen nur mehr einen Take-away Betrieb bei den Gastro-Outlets ab dem 26.12.2020 erlaubt haben, gehen wir aktuell davon aus, dass wir während dem kommenden Winter 2021/22 sicherlich über eine offene Gastronomie verfügen können. Der letzte Winter hat eindrücklich aufgezeigt, dass zu einem abgerundeten Schneesporterlebnis ein Besuch in einem Gastrobetrieb einfach dazugehört. So gesehen bin ich fest davon überzeugt, dass sich die betriebswirtschaftliche Situation für die Gastroabteilung massiv verbessern wird.

«Wir gehen davon aus, dass wir während dem kommenden Winter 2021/22 über eine offene Gastronomie verfügen können.»

Bei den ausländischen Gästen dominieren die Benelux-Staaten und Deutschland. Wie sehr schätzen sie die Ruhe oben und die einfachen Parkiermöglichkeiten wenn sie unten im Tal ankommen?

Genau. Die Aletsch Arena punktet mit Ruhe und Erholung gerade aufgrund ihres Ski-in / Ski-outs, bei welchem man wirklich vom Bett direkt aufs Brett wechseln kann und auch aufgrund des autofreien Plateaus mit den Orten Riederalp, Bettmeralp und Fiescheralp. Bezüglich dieser Attribute wird die Aletsch Arena seit Jahren im Rahmen der internationalen Gästezufriedenheitsumfrage von «Best Ski Resort» jeweils mit Bestwerten ausgezeichnet.

Wann erfolgt in Fiesch die Erweiterung?

Die Infrastrukturfragen betreffend Parkmöglichkeiten gehen wir im Rahmen unserer Unternehmensstrategie an. So haben wir beispielsweise bei der Talstation Fiesch direkt neben dem bestehenden Parkplatz eine zusätzliche Fläche erworben und die Bewirtschaftung mit einem modernen Parksystem von Skidata qualitativ deutlich verbessert.

Seit Ihrem Austritt aus dem Verwaltungsrat der Aletsch Arena AG konzentrieren Sie sich voll auf die Aletsch Bahnen AG. Dazu gehört auch die laute Parteinahme für die Anliegen der Bahnbetreiber im Corona-Dschungel. Wie sehr ärgert Sie die Planungsunsicherheit?

Unsere Gäste wünschen sich Planungssicherheit. Wir auch. Wir wissen aber alle, dass die Covid-Situation sehr dynamisch ist und sich daher schnell ändern kann. Das allerwichtigste und übergeordnete Ziel ist es jedoch, dass die Bergbahnen im kommenden Winter geöffnet sind. Die Erfahrungen vom vorletzten Frühling und letzten Winter haben eindrücklich gezeigt, wie systemrelevant offene Bergbahnen für den alpinen Tourismus sind.

Kann es einen schweizerischen Sonderweg geben?

Die Schweiz hat mit ihren offenen Bergbahnen und Skigebieten im letzten Winter auch international ein wichtiges positives Signal für den alpinen Tourismus ausgesendet. Im Vergleich zum letztjährigen Spätherbst, wird der Betrieb der Wintersportanlagen in der Schweiz nicht in Frage gestellt. Hier hilft sicherlich auch, dass die Bergbahnbranche den Beweis antreten konnte, dass der Wintersportbetrieb im vergangenen Winter nicht zum Infektionsgeschehen beitragen hat. Für den kommenden Winter erwarten wir seitens der Walliser Bergbahnen eine Gleichbehandlung mit dem öV-Schutzkonzept. Dafür setze ich mich als Vizepräsident der Walliser Bergbahnen ein.

«Die Schweiz hat mit ihren offenen Bergbahnen und Skigebieten im letzten Winter auch international ein wichtiges positives Signal für den alpinen Tourismus ausgesendet.»

Ein Highlight der vergangenen Sommersaison war sicherlich die X-Alps. Das härteste und prestigeträchtigste Hike&Fly-Rennen der Welt machte Fiesch zu seinem 7. Wendepunkt. Ist das eine Hommage an die vielen Gleitschirmpiloten, die Ihnen die Treue halten?

Ich würde sagen, dass dieses Red Bull X-Alps Race 2021 einerseits die grosse Bedeutung der Aletsch Arena und speziell von Fiesch-Eggishorn für den Gleitschirmsport aufzeigt. Anderseits wird die Aletsch Arena bei diesem Event als Etappenort neben den international renommierten Tourismusdestinationen wie Kitzbühel, der Zugspitz Arena, Zell am See und dem Kronplatz angeflogen oder angelaufen. Diese mediale Botschaft ist für uns sehr wertvoll, zumal die Vermarktung durch Red-Bull über eine enorme Reichweite verfügt.

Entscheidend für Ihren Geschäftserfolg sind jedoch trotz des erfolgreichen Sommers 2021 die Skifahrer. Wird das Verhältnis Winter- zu Sommerertrag wieder anziehen?

Auch wenn das Sommergeschäft mit seinem Potenzial immer weiter ausgebaut wird und dadurch laufend an Bedeutung gewinnt, sind die generierten Ergebnisse im Winter aufgrund der Winterlastigkeit bei fast allen Bergbahnen in der Schweiz für das Geschäftsergebnis match-entscheidend. Das ist bei der Aletsch Bahnen AG auch nicht anders. Wir erwirtschaften rund 80% unseres Ertrages im Winter. Ich gehe aber davon aus, dass wir die coronabedingte Talsohle durchschritten haben und das anstehende Wintergeschäft 2021/22 wieder stark anziehen wird.

Die gemachten Erfahrungen aus dem letzten Winter werden da enorm helfen. Gäste, welche im letzten Winter auf der Piste waren, haben gesehen, dass die Bergbahnen alles für ihre Sicherheit und Gesundheit unternommen haben. Entsprechend haben sie sich sicher und wohlgefühlt. Diese Gäste werden wiederkommen.

Seit zwei Saisons setzen Sie auf dynamisches Pricing mit Hilfe des Spezialisten Smart Pricer. Wie sind die Erfahrungen mit dieser «Auslagerung»?

Auf Beginn der Wintersaison 2019/20 hat die Aletsch Bahnen AG ein attraktives Ticketsystem mit einem neuen Webshop eingeführt. In diesem Webshop können online auf einfache Art und Weise Skipässe erworben werden. Diese Preise werden mittels Algorithmus von Smart Pricer dynamisch gestaltet. Günstigere Preise erhält, wer online und möglichst früh bucht. Einfluss haben Saisonalität und die Gästenachfrage. Das Anstehen am Ticketschalter vor Ort ist damit Vergangenheit. Wir können eine sehr positive Bilanz ziehen: Das neue Ticketsystem wurde von unseren Gästen sehr gut aufgenommen. Der Onlineanteil der Ticketverkäufe beträgt nach der Wintersaison 2020/21 rund 33%.

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