Viviana Buchmann, Geschäftsführerin Mobility

Viviana Buchmann

Viviana Buchmann, Geschäftsführerin Mobility Genossenschaft. (Bild: Mobility)

Von Peter Stöferle

Moneycab: Frau Buchmann, mittlerweile sind über 105’000 Einwohner in der Schweiz oder jeder 60. Erwachsene Mobility-Kunden. Welche Kategorie der 2’650 Fahrzeuge wird am häufigsten gebucht?

Viviana Buchmann: Am häufigsten gebucht werden die beiden Kategorien Combi und Economy, welche 75% der  Mobility-Flotte ausmachen. Der Combi eignet sich als „Alleskönner“ für Fahrten mit mehreren Personen und/oder viel Gepäck und die Economy-Fahrzeuge bieten sich vor allem im urbanen Raum als ideale Lösung im Stadtverkehr an. Wir prüfen bei der Platzierung von Fahrzeugen jeweils sehr genau, welche Bedürfnisse und Rahmenbedingungen am jeweiligen Standort vorhanden sind.

Laut einer von Mobility in Auftrag gegebenen Studie sparen Carsharer 35’000 Parkplätze. Wie kommt diese Zahl zustande?

Die Studie zeigt, dass 30% der befragten Mobility-Kunden ihr Auto verkauft haben und sich rund 22% der Privat- und sogar über die Hälfte aller Businesskunden ein Fahrzeug kaufen würden, gäbe es Mobility nicht. Somit wären 23‘000 zusätzliche Autos auf den Schweizer Strassen unterwegs. Das sind übrigens alle Autos, welche im Kanton Glarus immatrikuliert sind. Der dafür nötige Parkraum würde einer Fläche von 120 Fussballfeldern entsprechen oder 35‘000 Parkplätzen. Carsharing reduziert also die Anzahl Autos auf den Strassen und macht so wertvollen Parkraum frei. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, das schafft auch Platz – welcher gerade im urbanen Raum immer knapper und begehrter wird.

„Durch das veränderte Mobilitätsverhalten wird der CO2-Ausstoss pro Mobility-Privat- und Businesskunde und Jahr um knapp 300 kg reduziert.“
Viviana Buchmann, Geschäftsführerin Mobility

Entsprechend dürfte sich dies auch auf die Treibhausgas-Emissionen auswirken. Lässt sich dies ebenfalls beziffern?

Durch das veränderte Mobilitätsverhalten wird der CO2-Ausstoss pro Mobility-Privat- und Businesskunde und Jahr um knapp 300 kg reduziert. Multipliziert auf alle Kunden ergibt das eine Reduktion von insgesamt 18’000 Tonnen CO2,  dies entspricht 13’500 Flügen von Zürich nach New York.

Im Jahr 2012 konnten Sie Umsatz (+ 1% auf 70,8 Mio CHF) und den Reingewinn (+ 12,7% auf 1,5 Mio) steigern, hingegen nahm der EBIT vor allem aufgrund von substanziellen Wertberichtigungen auf dem Fahrzeugbestand um 30% auf 1,4 Mio ab. Weshalb dieser Abschreiber?

Der massive Preiszerfall im Fahrzeug-Occasionsmarkt, der 2011 einsetzte, hat sich auch letztes Jahr fortgesetzt. Dem haben wir mit der ausserordentlichen Abschreibung Rechnung getragen.

Mobility ist genossenschaftlich organisiert. Wohin fliesst der Jahresgewinn 2012?

Der Gewinn bleibt im Unternehmen für Innovationen und langfristige Investitionen. Auch im 2013 werden wir unsere Systemplattform weiterentwickeln, die Flotte erneuern und das Angebot weiter ausbauen.

Ihr Unternehmen strebt auch 2013 Wachstum an. In welchen Bereichen?

Wir wollen mit neuen Angeboten in den Bereichen autoarmes/autofreies Wohnen, Firmen- und Poolfahrzeugen sowie Mobilität für junge Menschen zusätzliche Kunden von den Mobility-Leistungen überzeugen. Um das angestrebte Wachstum in den urbanen Zentren weiter voranzutreiben, setzen wir 2013 auf einen verstärkten Dialog mit den grössten Schweizer Städten. Im Bereich Systemplattform ist die Kooperation mit einem weiteren Lizenznehmer unser Ziel.

„Für Firmenkunden bieten wir spezielle Produkte, massgeschneidert auf das jeweilige Mobilitätsbedürfnis des Unternehmens.“

Worin unterscheidet sich Mobility Business für Firmen vom Angebot für Private?

Für Firmenkunden bieten wir spezielle Produkte, massgeschneidert auf das jeweilige Mobilitätsbedürfnis des Unternehmens. Während den Geschäftszeiten profitiert der Businesskunde von reduzierten Stunden- und Kilometertarifen. Mit unseren Business Carsharing-Dienstleistungen können die Unternehmen Ihren Fuhrpark verkleinern oder ergänzen Ihren Bedarf punktuell mit Mobility-Autos. Die gesamte Wartung, von der Reinigung über den Reifenwechsel, die Fahrt in den Service und was alles sonst noch anfällt, erledigt Mobility. Die Abrechnung erfolgt kilometergenau und transparent. Die Fahrten lassen sich zudem Kostenstellen zuweisen und auf Wunsch an verschiedene Adressaten im Unternehmen senden. Bereits bei einem Pool von vier Fahrzeugen kann deshalb möglicherweise ein ganzes Fahrzeug eingespart werden.

Neu bieten wir Unternehmen mit dem Angebot „Mobility Poolcar-Sharing“ auch die Möglichkeit, die eigenen Firmenwagen mit unserer Carsharing-Technologie zu kombinieren. Die Firmenautos werden mit einem Bordcomputer ausgerüstet, die Mitarbeitenden reservieren via Mobility-Reservationssystem, erhalten Zutritt zum Auto mit ihrem Firmenbadge, die Abrechnung erfolgt via Mobility-Plattform. Ergänzt kann das Ganze mit einem umfassenden Angebot an verschiedenen Mobility-Servicepaketen werden. Der Effekt ist der Gleiche wie beim bewährten Mobility Business Carsharing: Die einzelnen firmeneigenen Autos können viel effizienter ausgelastet werden, dadurch ergeben sich erhebliche finanzielle Vorteile für das Unternehmen.

„Die Think-City-Fahrzeuge sind auf eine gute Nachfrage und Akzeptanz gestossen, die Kunden melden uns, dass die Fahrt Spass macht.“

Mit dem Think City von m-way verfügt Mobility seit 2011 über ein Elektrofahrzeug. Wie rege ist die Nachfrage?

Mobility bietet im Rahmen eines Pilotprojektes gemeinsam mit m-way, den SBB und Siemens knapp 20 Think City an den 9 grössten Städten an den Bahnhöfen an. Die Fahrzeuge sind auf eine gute Nachfrage und Akzeptanz gestossen, die Kunden melden uns, dass die Fahrt Spass macht. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass der Betrieb und die Nutzung der Elektroautos im Carsharing-Alltag gut funktionieren. Gemessen jedoch an der Gesamtzahl der Mobility-Autoflotte sowie der Anzahl Fahrten bewegen wir uns aber im Bereich der Elektrofahrzeuge noch in einem bescheidenen Rahmen.

In Ihren Statuten steht: „Die Genossenschaft stellt Fahrzeuge aller Art zur entgeltlichen Nutzung als ökologische und ökonomische Alternative zum privaten Eigentum zur Verfügung.“ Und wie ist es um die Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen selbst bestellt?

Mobility achtet auch in der Verwaltung auf ressourcenschonenden Verbrauch. Wir beziehen zu 100% Ökostrom aus Wasserkraft, genauso wie unser Rechenzentrum bei der Swisscom Zürich, das mit zu 100% erneuerbarer Energie betrieben wird. Den Stromverbrauch konnte die Genossenschaft gegenüber dem Vorjahr um 7.9% reduzieren. Doch nicht nur grosse, auch kleinere Massnahmen haben im Nachhaltigkeitsbereich oft grosse Wirkung. Mobility gibt wenn immer möglich Energiespartipps an ihre Mitarbeitenden weiter, sei es durch konkrete Feedbacks oder regelmässige Email-Hinweise. Wir haben auch Verhaltensregeln zum Papiersparen erstellt und bauen stetig unsere elektronische Versandmöglichkeiten an die Kunden aus, um die Papierflut zu reduzieren: im Jahr 2012 konnten 20% der Kunden von der Umstellung von Post- auf Mailversand überzeugt werden.

Neu können auch Lernfahrende Mobility nutzen. Können Sie uns dieses Angebot kurz vorstellen?

Mit mobility4learners können Lernfahrende Fahrpraxis sammeln und sich auf die Fahrprüfung vorbereiten. Mit unserem Angebot lernen junge Menschen von Anfang an eine energieeffiziente Art der Mobilität kennen, die eine clevere Alternative zum Privatauto darstellt. Das Angebot bietet dem Lernfahrenden ein 6-monatiges Mobility-Abo für CHF 49.-. Die Person, welche den Neulenker von Gesetzes wegen begleiten muss, bezahlt CHF 59.-. Auch nach bestandener Autoprüfung begleiten wir die Neulenker weiter und bieten attraktive Anschlussoptionen, welche u.a. Preisnachlässe für die weiterführende Zweiphasenausbildung bei unserem Partner TCS Training & Events beinhalten.

„MobiSys 2.0 beinhaltet alle relevanten Module, um Carsharing erfolgreich betreiben zu können.“

Die vor eineinhalb Jahren eingeführte Carsharing-Software MobiSys 2.0 ist das technische Herzstück von Mobility. Welche Vorteile ergeben sich für Sie und Ihre Kunden daraus?

MobiSys 2.0 beinhaltet alle relevanten Module, um Carsharing erfolgreich betreiben zu können: Von der Reservation, Fahrzeug- und Standortverwaltung, dem Fahrzeugzutritt über Rechnungsstellung bis zum Schadenmanagement und Echt-Zeit-Statistiken. Dank unserer Software können unsere Autos wie Privatfahrzeuge genutzt werden. Unsere Kunden öffnen und schliessen die Fahrzeuge mit der Mobility Card in Selbstbedienung. Das System wird zudem Interessenten als „Software as a Service“ im Lizenzsystem angeboten. Mit MobiSys 2.0 stärkt die Mobility Genossenschaft ihre Carsharing-Kompetenz und hält die Transaktionskosten tief. Gleichzeitig werden mit der Lizenzierung Deckungsbeiträge für Mobility erwirtschaftet, die in zukunftsgerichtete Weiterentwicklungen investiert werden.

Mit Renault hat Ihr Tochterunternehmen Mobility International AG einen ersten Grosskunden für MobiSys 2.0 gewinnen können. Ein entsprechender Pilotversuch ist im Juni 2012 angelaufen. Um was handelt es sich hierbei und lässt sich bereits ein erstes Fazit ziehen?

Im Juni 2012 startete Renault in Saint-Quentin-en-Yvelines bei Paris seinen Carsharing-Service „Twizy Way by Renault“. Als Technologie-Partner für die Ausrüstung der 70 elektrisch betriebenen Renault Twizys entschied sich der Automobilhersteller für die Casharing-Software unserer Tochterfirma. Dank Mobisys 2.0 haben Twizy Way-Kunden die Möglichkeit, Fahrzeuge im Internet oder über Smartphones in Echtzeit zu orten und spontan zu mieten. Sie müssen sich dabei weder auf eine Rückgabezeit noch auf einen Rückgabeort festlegen, sondern können das Auto nach Nutzungsende einfach auf einem Parkplatz im Nutzungsgebiet abstellen. Für uns der Beweis: Mobisys 2.0 ist ein konkurrenz- und zukunftsfähiges Carsharing-System.

Frau Buchmann, wir danken Ihnen für dieses Interview.

Über die Person:
Viviana Buchmann ist seit September 2008 Geschäftsführerin der Mobility Genossenschaft. Bevor sie zu Mobility kam, war sie in Führungspositionen in nationalen und internationalen Unternehmen der Immobilien- und Reisebranche tätig.

Über das Unternehmen:
Mobility Carsharing Schweiz ist als Mobility Genossenschaft im Handelsregister von Luzern eingetragen. Sie hat ihren Hauptsitz in Luzern. Mobility entstand 1997 durch die Fusion der 1987 gegründeten Genossenschaften ATG AutoTeilet Genossenschaft und ShareCom.
Mobility Carsharing Schweiz stellt ihren 105‘000 Kunden 2’650 Fahrzeuge an 1’380 Standorten in der Schweiz in neun verschiedenen Fahrzeug-Kategorien rund um die Uhr zur Verfügung.
Durch das dezentrale Netz der Mobility-Standorte sind heute bereits rund 60% der Schweizer Bevölkerung am telematikgesteuerten Carsharing-System angeschlossen. Fast die Hälfte der Mobility-Kunden sind als Genossenschafter auch Eigentümer des Unternehmens. (Quelle: Mobility)

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