Walter Regli,Geschäftsführer Swiss21.org im Interview

Walter Regli
Walter Regli, Geschäftsführer von Swiss21.org.

Von Sandra Willmeroth

Moneycab: Mit dem neusten Release von Swiss21.org können Kauf- und Verkaufsprozesse mit dem „Autonomous Live Accounting. A.L.A.“ direkt und in Echtzeit in das Buchungssystem überführt werden. Wie funktioniert das?

Walter Regli: Mit A.L.A. können sie beide Seiten eines Kaufs abbilden. Das heisst, wenn sie selbst einen Shop haben, werden Verkäufe automatisch in ihre Buchhaltung übermittelt und Kundinnen und Kunden in Echtzeit beispielsweise eine E-Mail mit den Transaktionsdetails übermittelt. Es muss nichts mehr ausgedruckt werden und Kunden haben alle Details bereits auf dem Handy, wenn sie das Geschäft verlassen. Wenn Mitarbeitende auf der anderen Seite zum Beispiel einen Geschäftspartner zum Mittagessen einladen und mit der Swiss21 Debit- oder Kreditkarte bezahlen, fliesst dies über die Kartentransaktion ebenfalls direkt in die Buchhaltung. Zusätzlich kann der Spesenbeleg gescannt und damit weitere Details automatisiert an die Buchhaltung geschickt werden. Damit haben Unternehmer stets in Echtzeit einen Überblick über Kosten, Umsätze, etc.

„Autonome Live Buchhaltung“ klingt ein wenig angsteinflössend. Haben Unternehmer trotz ALA noch manuellen Einfluss auf Ihr Zahlenwerk?

Dank der schnellen Verbuchung haben Unternehmer einen besseren Überblick und selbstverständlich übernimmt die Buchhaltung mit A.L.A. nicht die Kontrolle über ihr Unternehmen. Alles kann nach wie vor manuell geprüft und angepasst werden.

Seit Jahresbeginn bietet swiss21.org seinen Kunden auch ein neues integriertes CRM. Dies stammt aber von einem deutschen Anbieter. Gab es keine schweizerische Softwareschmiede, die zur Zusammenarbeit bereit gewesen wäre?

In der Tat haben wir uns zu Beginn im Schweizer Markt nach einem geeigneten CRM-Partner umgesehen. Damit die volle Integration in unser Ökosystem sinnvoll ist, müssen verschiedenste technische und nicht-technische Parameter zusammenpassen. Schliesslich geht es uns darum, den Schweizer KMUs die bestmögliche, digitale und kostenlose Lösung anzubieten. Wir sind glücklich, mit SmartWe einen solchen CRM-Partner gefunden zu haben.

Was ist aus der Zusammenarbeit mit dem St. Galler Startup Orphis geworden, warum haben Sie diese Kooperation beendet?

Wie sie richtig sagen, war Orphis selbst noch ein Startup, das im Entwicklungsprozess von Swiss21 die strategische Ausrichtung dahingehend verändert hat, dass die «Investition» in Swiss21 nicht mehr zum Unternehmen gepasst hat. Das ist legitim und gehört zu Startup-Prozessen.

«Unser Ziel ist es, die beste und vielfach erprobte Technologie unserer Partner zu nutzen und die verschiedenen Applikationen perfekt aufeinander abzustimmen.»
Walter Regli, Geschäftsführer Swiss21.org

Über Swiss21 können kleine Unternehmen bestimmte, für ein Unternehmen essentielle Services, wie zum Beispiel die Buchhaltung und einen Onlineshop, kostenlos nutzen. Wird sich mit den neuen Features daran etwas ändern?

Wir arbeiten laufend daran, noch mehr Prozesse von Unternehmen digital abzubilden. Unser Ziel ist es, die beste und vielfach erprobte Technologie unserer Partner zu nutzen und die verschiedenen Applikationen perfekt aufeinander abzustimmen. Auch wenn Swiss21 mit laufend neuen Features inzwischen das mächtigste Paket an Business Software für KMU ist, bleibt unser Angebot kostenlos.

Hat ein Unternehmen aber mehr als 2100 Belege, Artikel oder Kontakte, werden die Services kostenpflichtig. Wie sind Sie auf diese Schwelle von 2100 gekommen?

Zum einen bewegt sich ein durchschnittliches Schweizer Kleinunternehmen weit unter dieser Schwelle und zum anderen passt es natürlich zu unserem Branding: Swiss21.org ermöglicht KMUs Digitale Prozesse im 21. Jahrhundert.

Wie ist die Kostenstruktur oberhalb dieser Schwelle?

Die Kostenstruktur bleibt über 2’100 genauso transparent wie darunter: Bis 5’000 Belegen, etc. kostet Swiss21 dann 21.- pro Monat. Die modulare Erweiterung ist weiterhin möglich. Wir bieten kostenlos ein umfassendes Grundangebot, das individuell erweitert werden kann: Zum Beispiel stehen für Gastro-Unternehmer Erweiterungen bereit oder für Unternehmen, die eng mit einem Treuhänder zusammenarbeiten wollen.

«Wir entwickeln mit Swiss21 ein Ökosystem für Kleinunternehmen, das neben den Kernfunktionen Business Software weitere Dienstleistungen vorsieht.»

Seit letztem Jahr bietet swiss21 auch Hilfestellung für Unternehmensgründer. Wie genau sieht diese Unterstützung aus?

Wir entwickeln mit Swiss21 ein Ökosystem für Kleinunternehmen, das neben den Kernfunktionen Business Software weitere Dienstleistungen vorsieht. Alles was das Leben von Unternehmerinnen und Unternehmern einfacher macht, soll Teil davon sein. Die Partnerschaft mit Fasoon ist dadurch zustande gekommen. Sie umfasst die kostenlose Beratung für Startups und danach die Gründung der Gesellschaft mit wenigen Klicks. Auch die Gründung ist kostenlos möglich.

Gibt es nicht schon genügend Webseiten mit Hilfen und Produkten für Gründer?

Die Anzahl Websites und Dienstleistungen für Gründer, wo man umfassend beraten wird und anschliessend mit wenigen Klicks, kostenlos gegründet werden kann, ist nach wie vor sehr überschaubar.

Wodurch unterscheidet sich ihr Angebot von den existierenden Gründerseiten?

Unsere Kundenbewertungen zeigen es: Unser Service ist exzellent. Wir haben bereits Tausende Unternehmerinnen und Unternehmer in die Selbständigkeit begleitet. Unsere Beratungen werden von Profis durchgeführt und sind kostenlos, ganz egal ob die Unternehmensgründung über Fasoon gemacht wird oder nicht. Zudem spielen wir auch bei Fasoon den Ökosystem-Gedanken. D.h. im Gegenteil zu unseren Mitbewerbern die mehrheitlich mit Exklusivitäten arbeiten, versuchen wir unseren Kunden eine Auswahl an weiteren Dienstleistungen für Versicherungen, Telekommunikation, Banking und Treuhand anzubieten. So können unsere Gründerinnen und Gründer z.B. im Bereich Telekommunikation jeweils das beste Angebot von Swisscom, Sunrise, Salt und FL1 auswählen und profitieren immer von einem finanziellen Gründungsrabatt.

Sie sind selbst ein Gründer und Unternehmer, zudem mit Damian Thurnheer und Sascha Trüeb einer der Co-Founder von Fasoon und von Swiss21. War diese Verzahnung von Anfang an geplant?

Nein, diese Verzahnung hat sich erst durch den eigenen Bedarf von digitalen Prozessen für die Fasoon AG und eine gemeinsame Idee und Vision mit den Partnerunternehmen von Swiss21 ergeben.

Laut eigenen Angaben nutzen bislang mehr als 21000 Kleinunternehmen den Service von swiss21.org. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der KMU im Lande ist dies doch noch relativ wenig. Ist die Sorge um die Sicherheit der Daten eine Erklärung dafür?

Inzwischen nutzen bereits 27’000 Unternehmen und Organisationen unsere Dienste. Bezüglich Daten müssen sich unsere Kunden keine Sorgen machen. Sie liegen sicher in der Schweiz. Einzig die CRM-Daten liegen (noch) bei unserem Partner in Deutschland. Dass Datensicherheit und Privatsphäre thematisiert und ernst genommen werden, ist sehr wichtig – vor allem bei international operierenden Unternehmen.

«Unser wichtigstes Argument ist, dass die harten Zahlen in der Schweiz gehostet werden und die rechtlichen Richtlinien bezüglich Datensicherheit immer strikter werden.»

Immerhin vertrauen die Unternehmen Ihnen die harten Zahlen an und das auf cloudbasierten Services. Wie können Sie den Skeptikern die Angst nehmen?

Unser wichtigstes Argument ist, dass die harten Zahlen in der Schweiz gehostet werden und die rechtlichen Richtlinien bezüglich Datensicherheit immer strikter werden. Die Bestimmungen in Deutschland sind sogar noch strenger.

Wie haben Sie die Zeit des Corona-Lockdowns erlebt? Haben viele Firmen die Baisse genutzt und die ungeliebte Buchhaltung erledigt?

Seit März 2020 hat die Anzahl Accounts um knapp 25% zugenommen. Die Anzahl Belege, die verarbeitet wurde, hat in diesem Zeitraum um 35% zugelegt. Das heisst, dass wir nicht nur Kunden gewinnen, sondern auch die «Intensität» der Nutzung klar zunimmt.

Erklärtes Ziel von swiss21.org ist es, die Schweizer Kleinunternehmen zu digitalisieren. Hat der Corona-Lockdown tatsächlich zu einem nachhaltigen Digitalisierungsschub geführt?

Ob der Digitalisierungsschub nachhaltig ist, können wir noch nicht sagen. Wir wachsen stark und sind zuversichtlich, dass wir weiterhin viele KMU von unserem umfassenden Angebot überzeugen werden. Dass digitale Lösungen bzw. Verkaufskanäle wichtig sind, ist schon länger bekannt. Wer diese noch nicht umgesetzt hatte, wurde nun «gezwungen», diese so schnell wie möglich nachzuholen. Dies haben wir auch an der Zunahme der Online Shops gesehen, die über Swiss21 erstellt wurden.

Was sind die nächsten Ziele/Meilensteine von swiss21.org?

Mit den Tools für Human Resources mit der Lohnbuchhaltung sind die Grundbedürfnisse der meisten KMU mehr als abgedeckt. Swiss21 ist damit das umfassendste Paket auf dem Markt und besteht aus 21.Accounting, 21.HR, 21.Commerce, 21.CRM und 21.Pay. Wir werden weiterhin ergänzen und Erweiterungen und Anbindungen integrieren. Im Hintergrund arbeiten wir weiter an den besten Technologien wie zum Beispiel Künstliche Intelligenz, um Prozesse weiter zu vereinfachen und zu automatisieren. Damit unsere Nutzerinnen und Nutzer so viel Zeit wie möglich haben, sich um ihre Kundinnen und Kunden und strategisch um ihr Unternehmen zu kümmern.

Zur Person:
Walter Regli (40) ist Geschäftsführer bei Swiss21.org und Co-Gründer von Fasoon.ch. Regli hat an der Universität St. Gallen (HSG) zunächst Wirtschaftswissenschaften mit Schwergewicht KMU studiert und danach als M.A. in Rechtswissenschaften abgeschlossen. Er ist Verwaltungsrat der Appenzeller Alpenbitter AG, der Kies und Beton Regli AG sowie von Crowning’s AG. Regli ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

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