Yves Perréard, Perreard Partners Investment SA

Yves Perréard, Perreard Partners Investment SA

Yves Perréard, Perreard Partners Investment SA

Von Oliver Fiechter

Moneycab: Herr Perréard, Sie sind Devisenhändler. Der Laie kommt mit Währungen oder Devisen normalerweise nur in Berührung, wenn er ins Ausland reist. Ansonsten ist der Devisenmarkt für Otto Normalverbraucher eine Black Box, ein geschlossenes System, dessen Vorgänge im Innern ihm unbekannt sind. Warum ist das so?

Yves Perréard: Es ist tatsächlich erstaunlich wie wenig die Menschen über den Devisenhandel und den Devisenmarkt wissen. Denn der Devisenmarkt ist mit rund 5 Billionen Dollar Tagesumsatz der größte und liquideste Markt der Welt. Nicht nur, indem wir unsere Schweizer Franken in eine andere Währung wechseln, sind wir täglich von den Entwicklungen der Devisenmärkte betroffen. Die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes und der Erfolg von Unternehmen mit einem hohen Exportanteil sind direkt von den Devisenkursen abhängig. Auch halten viele Pensionskassenverwalter, Versicherungen grosse Devisenpositionen in ihren Portfolien. Indirekt ist die Währung das Spiegelbild der Situation einer Volkswirtschaft.

Unser aller Wohlstand ist also bis zu einem gewissen Grad an die Entwicklungen der Devisenmärkte gekoppelt, und dennoch blickt der kleine Mann nicht durch. Welche Vorteile bietet der Devisenhandel für den privaten Anleger?

Der Devisenhandel ist an sich sehr gerecht, denn er diskontiert die gesamten ökonomischen und politischen Faktoren und Erwartungen einer Volkswirtschaft. Die Zentralbanken können mit ihren enormen Mitteln den Markt beeinflussen. Dennoch ist es aufgrund der Marktgrösse und Liquidität nahezu unmöglich den Kurs eines wichtigen Währungspaares für längere Zeit in eine Richtung zu drücken.

«Der ganze Libor und „FX Fixing“ Skandal zeigt, dass es für grosse institutionelle Investoren fast unerlässlich ist einen unabhängigen Experten zu engagieren der die Transaktionen überwacht.» Yves Perréard, Perreard Partners Investment SA

Die Schlagzeilen der letzten Wochen sprechen aber eine andere Sprache. Die Devisenkurse sollen von den Teilnehmern des Interbankenmarktes durch Preisabsprachen verfälscht worden sein.

Wenn es beim Fixing zu Absprachen zwischen den einzelnen Händlern kommt, kann der Markt verzerrt werden. Bis dato sind im Libor Fixing Skandal jedoch nur Ermittlungen eingeleitet worden.

Muss der Markt besser reguliert werden?

Um mehr Transparenz zu schaffen und besser überwacht werden zu können, bin ich der Meinung ja.

Und es braucht unabhängige Berater wie Sie, die dem Anleger mit ihrem Expertenwissen zur Seite stehen?

Ja. Der ganze Libor und „FX Fixing“ Skandal zeigt, dass es für grosse institutionelle Investoren fast unerlässlich ist einen unabhängigen Experten zu engagieren der die Transaktionen überwacht.

Wenn etwas nicht in Ordnung ist, gehen Sie auf die Bank zu und kümmern sich um Richtigstellung im Sinne Ihres Mandanten?

Genau. Wenn die Ausführung vom Marktpreis abweicht, wird uns das nicht entgehen, und wir gehen auf die Bank zu und erzielen eine Richtigstellung der Transaktion.

Mittlerweile hat sich Ihre Firma einen Namen gemacht. In der Schweiz ist die Perréard Partners Investment SA ein führender Name im Fremdwährungsrisikomanagement. Wer gehört zu Ihren Kunden?

Unsere Kunden sind primär grosse institutionelle Investoren wie Pensionskassenverwalter oder Versicherer. Aber auch sogenannte Family Offices, Privatbanken und international tätige Unternehmen gehören zu unserem Kundenkreis. Das Thema Währungsabsicherung sollte meiner Meinung nach für jeden Investor, der sein Portfolio global diversifiziert hat, ein Thema sein. Investoren, die ihr Geld in verschiedenen Währungsräumen angelegt haben, sind permanent Wechselkursschwankungen ausgesetzt. Diese Wechselkursschwankungen können prinzipiell jede gute Anlageidee zu einem Verlustgeschäft machen.

Sie haben mit Mesirow Financial einen Partner, der nach verwalteten Vermögen der zweitgrösste Währungsmanager weltweit ist. Was ist der Kundennutzen, der aus dieser Partnerschaft resultiert?

Mesirow Financial ist ein von der SEC reguliertes, global operatives Unternehmen. Mesirow Financial verwaltet rund 55 Milliarden US-Dollar und ist eine der führenden Adressen weltweit. Wir arbeiten sehr eng in der Betreuung der Kunden, im Austausch von Marktexpertise und Research zusammen. Zur Partnerschaft kam es aber auch, weil beide Unternehmen sich den den höchsten Standards der Corporate Governance verpflichtet fühlen und nicht nur gesetzliche Richtlinien, sondern auch ethische Werte teilen. Bei Mesirow Financial arbeiten hochqualifizierte Leute mit verschiedenen akademischen Qualifikationen an der Entwicklung und Verbesserung von Risikomodellen. Diese Kombination der sogenannten „Quants“ mit Leuten, die eine langjährige, praktische Erfahrung aus der Wirtschaft mitbringen, ist ein grosser Vorteil im heutigen Marktumfeld.

Wo steht Ihr Unternehmen preislich?

Wir bieten auch preislich einen Vorteil. Statistisch wurde nachgewiesen, dass Banken ihren Kunden bis zu 30 Basispunkte im Jahr an Performance kosten können da die Execution für den Kunden nachteilig gemacht wird. Unser Service, der das Currency Overlay sowie die Überwachung der gesamten operativen Tätigkeit beinhaltet, kostet 2 Basispunkte für das passive und deren 10 für das aktive Currency Overlay. Wir bieten unseren Kunden sowohl einen inhaltlichen als auch monetären Mehrwert.

Banken sind in Bezug auf ihre Preise häufig sehr intransparent. Wie hält es die Perréard Partners Investment SA mit der Preistransparenz?

Wir haben ja gesehen, wozu die Banken in Bezug auf Manipulationen fähig sein könnten. Und ich spreche hier nicht nur von den aktuellen Skandalen im Währungsmarkt. Es gibt Beispiele in der Welt, bei denen Depotbanken für das Verstecken von Kosten der Prozess gemacht wurde. Wenn man mit Banken eine Geschäftsbeziehung eingeht, ist es sehr wichtig, dass man ganz genau hinsieht. Transparenz ist mir seit jeher ein grosses Anliegen. Wir haben nie – wie viele andere Schweizer Vermögensverwalter – Retrozessionen oder andere verdeckte Kommissionen angenommen.

Sie behaupten, dass Banken im Währungsmanagement ihren Kunden oft einen nachteiligen Preis veranschlagen. Weshalb findet der Kunde das nicht selber heraus?

Da es sich oft um die vierte Stelle nach dem Komma handelt, erscheint dies für ein ungeübtes Auge als unwichtig. In der Summe der Trades, die im Währungsmarkt gehandelt werden, kommt dieser vierten Stelle nach dem Komma aber sehr viel Bedeutung zu. Wenn man als Kunde nicht aufpasst, können so sehr schnell ein paar Basispunkte an Performance pro Jahr verloren gehen. Es ist unsere Aufgabe hier Transparenz zu schaffen und diese Abweichungen schonungslos aufzuzeigen. Ein Gefühl dafür kann der normale Bürger bekommen, wenn er im Ausland weilt. Oft wird bei Zahlungen von kleineren Beträgen in Fremdwährung ein Wechselkurs zur Umrechnung benutzt. Dieser kann bis zu 3 Prozent vom Marktpreis abweichen. Schweizer Banken verdienen jährlich mit solchen Transaktionen mehrere Millarden Schweizer Franken.

Wie betreffen die neuen regulatorischen Richtlinien und Änderungen, die der Schweizer Finanzsektor aktuell erfährt, die Perréard Partners Investment SA?

Natürlich sind auch wir von den neuen Richtlinien betroffen. Kurzfristig betrachtet ist das Arbeiten für die Vermögensverwalter und Banken aufgrund der regulatorischen Situation bestimmt nicht einfacher geworden. At the long run sind diese neuen Regularien aber sehr wertvoll. Der Schweizer Finanzplatz muss sein negatives Image los werden, nur so wird er auf europäischer Ebene wieder wettbewerbsfähiger. Im Moment sind die Kosten für die Transformation, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sehr hoch, langfristig wird sich das für den Schweizer Finanzplatz aber bezahlt machen.

Der Gesprächspartner:
Yves Perréard (54) ist Gründer, Chairman of the Board und Chief Investment Officer der Perréard Partners Investment SA (PPI) mit Sitz in Genf. Perréard hat seine Karriere im Finanzsektor bei der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) gestartet. Nach dem Merger zwischen der SBG und dem Schweizerischen Bankverein (SBV) 1998 hat er sich entschieden, die Bank zu verlassen und sein eigenes Unternehmen zu gründen. Yves Perréard ist Vater von zwei erwachsenen Kindern im Alter von 18 und 22 Jahren.

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