Ascom enttäuscht mit Umsatzentwicklung und will Organisation umbauen

Ascom enttäuscht mit Umsatzentwicklung und will Organisation umbauen
Ascom-CEO Jeannine Pilloud. (Foto: Ascom)

Baar – Ascom hat 2019 einen Umsatz- und Gewinnrückgang erlitten. Eine schwache Nachfrage von Vertriebspartnern und Verzögerungen bei Projekten haben gebremst und für eine anstehende Restrukturierung wurden Rückstellungen gebildet. Das Medizinal-IT-Unternehmen gibt sich eine neue Konzernstruktur und tritt auf die Kostenbremse. An der Börse werden die Titel verkauft.

«Wir haben unter der komplexen, fast vierdimensionalen Organisation gelitten», sagte Ascom-Chefin Jeannine Pilloud an einer Telefonkonferenz am Freitag. «Das hat zu vielen Reibungsverlusten geführt. Wir brauchen eine gründliche Bereinigung der Struktur, um klare Verantwortlichkeiten zu schaffen.»

Schlanke und einfache Organisation
Die frühere SBB-Managerin übernimmt nun eine direktere Kontrolle und will in der Organisation Hierarchien streichen. Neu tragen die Managing Directors der wichtigsten Länder die End-to-End-Verantwortung für den Geschäftsgang und berichten direkt an Pilloud. Für den Bereich klinische Lösungen wird zudem ein Experten-Team gebildet, das in «fliegenden Einsätzen» die Regionalteams bei komplexen Projekten unterstützen soll.

Die neuen Struktur soll dafür sorgen, das Geschäft zu fokussieren und eine schlanke und einfache Organisation zu schaffen. Das Unternehmen setzt sich zum Ziel, die jährliche Kostenbasis um 10 bis 15 Millionen Franken zu senken. Änderungen in den Verantwortlichkeiten der Geschäftsleitung gibt es aber nicht. Zu etwaigen Auswirkungen auf den Personalbestand wurden keine Angaben gemacht und weitere Schritte sollen bei der Bilanzvorlage am 5. März bekannt gegeben werden.

Erneuert werden soll auch der Verwaltungsrat. Vier neue Mitglieder werden der Generalversammlung zur Wahl vorgeschlagen, während drei Verwaltungsräte nicht mehr zur Wiederwahl antreten.

Umsatzeinbruch bei OEM und «unbefriedigendes» Nordamerikageschäft
Laut den vorläufigen Ergebnissen sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um rund 11 Prozent auf 283 Millionen Franken. Die negativen Währungseffekte hätten sich dabei auf rund 8,5 Millionen belaufen.

Insbesondere das Originalausrüstungs-Geschäft (OEM) verbuchte mit minus 30 Prozent einen deutlichen Rückgang. «OEM leidet, wenn unsere Vertriebspartner leiden», sagte Pilloud. Die Kunden hätten zuvor ihre Lager gefüllt, was zu dem deutlichen Rückgang geführt habe. Die Managerin will weiterer Vertriebspartner hinzugewinnen und so die Schwankungsanfälligkeit verringern.

Auch die Entwicklung in Nordamerika sei «unbefriedigend» gewesen und Ascom habe nicht im erwartetem Masse von der starken Marktentwicklung profitieren können. Hier nennt die Ascom-Chefin etwa Verzögerungen bei Projekten als Grund. Positiv sei dagegen die Entwicklung in den Regionen UK und DACH (Deutschland, Österreich, Schweiz) gewesen.

Der Auftragseingang verbuchte mit -1,4 Prozent auf 315 Millionen Franken nur einen geringen Rückgang, während der Auftragsbestand um 22 Prozent auf 177 Millionen anstieg. Das belege die starke Position von Ascom im Systembereich der Krankenhäuser, wie Pilloud sagte. Das bedeute auch grössere Projekte und zukünftig höhere wiederkehrende Erträge im Bereich Unterhalt und Kundendienst.

EBITDA-Marge bereinigt bei rund 4 Prozent
Auf der Ergebnisseite belasteten Einmaleffekte und Rückstellungen für die Restrukturierung die Profitabilität mit 6 Millionen Euro. Der Betriebsgewinn EBITDA wird «nahe der Gewinnschwelle» erwartet und der Konzerngewinn soll leicht positiv ausfallen Dies auch aufgrund von positiven Einmaleffekten wie dem Verkauf des Technologieparks Teningen. 2018 hatte Ascom einen Reingewinn von 21,4 Millionen Franken verbucht.

Was die Ergebnislage für die Dividende 2019 bedeute, wollte Finanzchef Dominik Maurer nicht sagen.

An der Börse werfen die Anleger Ascom aus ihren Depots: Die Papiere büssen gegen 10 Uhr 5,4 Prozent auf 10,10 Franken ein. Analysten sprechen von enttäuschenden Zahlen. Die Reorganisation sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, eine schnelle Erholung des operativen Geschäfts und damit auch der Aktie seien aber nicht in Sicht. (awp/mc/pg)

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