Auch Sunrise-Aktionär AOC ist gegen Milliardenkauf von UPC

Sunrise

Zürich – Bei Sunrise nimmt der Widerstand gegen den 6,3 Milliarden Franken schweren Kauf der Kabelnetzbetreiberin UPC zu. Auch der deutsche aktivistische Sunrise-Aktionär Active Ownership Capital (AOC) lehnt den Deal ab. AOC besitzt weniger als 3 Prozent an Sunrise.

Der Kaufpreis sei um 2 bis 2,5 Milliarden Franken zu hoch, sagte ACO-Mitgründer Florian Schuhbauer am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Denn UPC entwickle sich operativ in die falsche Richtung. Der operative Cashflow sei im ersten Halbjahr um 10 Prozent gesunken, zudem sei das UPC-Kabelnetz technisch nicht mehr konkurrenzfähig. Sunrise werde das UPC-Kabelnetz ersetzen müssen, das dürfte mit bis zu 1 Milliarde Franken zu Buche schlagen.

In ganz Europa würden Mobilfunkbetreiber ihre Kabelnetze verkaufen wie beispielsweise Vodafone in Spanien. Oder sie müssten massiv in Glasfasern investieren, weil die Kabelnetze nicht mehr wettbewerbsfähig seien, sagte Schuhbauer: „Deshalb halten wir es für naiv zu glauben, dass bei UPC ein sicherer Turnaround geschafft wird, wie ihn das Sunrise-Management erwartet und plant.“

Zu den negativen operativen Synergien kämen noch die Zinskosten hinzu: Durch die Übernahme von UPC-Bonds entstünden Mehrkosten von circa 1,1 Milliarde Franken, rechnete Schuhbauer vor. Denn UPC müsse viel höhere Zinsen am Kapitalmarkt zahlen als Sunrise.

Rechtsrisiken nicht ausgeschlossen
Überdies sei die Struktur des Deals fragwürdig, sagte Schuhbauer. Sunrise solle die komplette Holdingstruktur von UPC-Verkäuferin Liberty Global übernehmen, in der früher die Osteuropa-Aktivitäten enthalten gewesen seien. Liberty habe ihre Firmen steuerrechtlich aggressiv strukturiert.

„Da bestehen erhebliche Rechtsrisiken für Steuernachzahlungen“, sagte Schuhbauer. Im Kaufvertrag seien diese gedeckelt. „Damit besteht das Risiko, dass Sunrise noch im Nachhinein für Liberty Global-Verfehlungen bezahlen darf. Das wissen wir heute nicht, das ist aber nicht komplett ausgeschlossen.“

Zur Fairness Opinion von ValueTrust, welche in der Vorwoche die Bewertung für UPC bestätigte, sagte Schuhbauer: „Rein technisch ist die Fairness Opinion richtig. Die haben aber unseres Erachtens viel zu optimistische Annahmen für das UPC-Geschäft gemacht.“

Denn angesichts der viel tieferen Preise von Salt liessen sich die hohen Preise von UPC nicht halten. Zudem mache die Kabelnetzbetreiberin rund 200 Millionen Franken Umsatz mit Bezahl-TV und -Filmen. „Diese Inhalte sind unserer Meinung nach qualitativ nicht so gut ist wie jene von Netflix und Amazon Prime. Das UPC-Angebot ist daher nicht mehr wettbewerbsfähig. Der Preis muss massiv sinken. Das war es dann mit dem Turnaround“, sagte Schuhbauer.

Desaster droht
Wenn Sunrise UPC kaufe und den Turnaround nicht schaffe, könne Sunrise die Dividende nicht mehr zahlen, weil sie sonst die Schulden nicht mehr bedienen könnte. „Das wäre dann der Worst Case: Wir hätten ein schrumpfendes Business und keine Dividende. Das würde ein ziemliches Blutbad im Aktienkurs geben“, sage der AOC-Mitgründer.

„Wir haben mit dem Sunrise-Management gesprochen und probiert, sie zu überzeugen, dass das nicht die richtige Transaktion ist. Die haben aber zu viel Arbeit und Geld investiert und können nicht mehr zurück“, sagte Schuhbauer. Der AOC-Mitgründer machte klar, dass man an der ausserordentlichen Sunrise-Generalversammlung im Herbst gegen die Kapitalerhöhung von 4,1 Milliarden Franken zur Finanzierung der UPC-Übernahme stimmen werde.

Damit hat Sunrise-Grossaktionär Freenet Verstärkung erhalten, der ungefähr ein Viertel am zweitgrössten Schweizer Telekomkonzern besitzt. Freenet kritisierte den Kaufpreis ebenfalls als zu hoch und stemmt sich gegen die geplante Kapitalerhöhung.

„Keine Mehrheit für jetzigen Deal“
Diese gerät damit immer mehr in Gefahr. Denn bei Sunrise seien nur 79 Prozent der Aktien im Aktienregister eingetragen, sagte Schuhbauer. Lediglich 65 bis 75 Prozent dürften an der ausserordentlichen GV erscheinen. „Wenn 40 Prozent der Aktionäre den Deal ablehnen, reicht das“, sagte der AOC-Mitgründer. Freenet habe schon ein Viertel. „Wir gehen davon aus, dass das Sunrise-Management weiss, dass es für den jetzigen Deal keine Mehrheit gibt“, sagte Schuhbauer.

AOC selber besitze weniger als 3 Prozent an Sunrise. „Mehr sagen wir nicht. Der Anteil ist nicht so hoch, wie wir möchten“, sagte Schuhbauer. Denn der Kurs sei zu stark gestiegen. AOC strebe wie bei all seinen Investitionen einen Anteil von 10 bis 25 Prozent an, um einen Sitz im Verwaltungsrat zu erhalten.

Aktienkurs von über 100 Fr. möglich
AOC sei bei Sunrise eingestiegen, bevor der UPC-Kauf publik geworden sei. Denn der Schweizer Telekommarkt sei attraktiv und Sunrise habe erhebliche Wertsteigerungspotentiale, sagte Schuhbauer. Durch den zügigen Ausbau der neuen Mobilfunkgeneration 5G könne die Nummer zwei Marktanteile gewinnen. Gleichzeitig lägen Kosteneinsparungen in Administration, Kundendienst, IT und Festnetz drin.

„Wir glauben, dass Sunrise in zwei bis drei Jahren einen operativen Gewinn (EBITDA) von 750 Millionen Franken erreichen könnte“, sagte Schuhbauer. Das wären rund 150 Millionen Franken mehr als im letzten Jahr. Damit könnte dann eine Dividende von ungefähr 6 Fr. pro Aktie gezahlt werden. 2018 waren es 4,20 Franken pro Aktie. Dadurch könnte die Aktie auf deutlich über 100 Franken steigen.

„Unser Plan ist, das Unternehmen mit dem Management weiterzuentwickeln. Wir wollen längerfristig dabeibleiben. Wenn der Aktienkurs morgen aber bei 120 Fr. wäre, müssten wir uns überlegen, ob wir aussteigen. Wir wollen alle 3-5 Jahre unser Kapital verdoppeln. Das wollen wir hier auch“, sagte Schuhbauer.

Für die Forderung von Sunrise-Aktionär Axxion, welcher die Absetzung von Verwaltungsratspräsident Peter Kurer verlangt, habe man „prinzipiell Verständnis“, sagte Schuhbauer. „Wir möchten aber Peter Kurer zuerst persönlich treffen und uns eine eigene Meinung bilden.“ Ohne das werde man ihn nicht abwählen. Dagegen solle Sunrise-Chef Olaf Swantee im Amt bleiben. „Der macht einen sehr guten Job. Wir fordern daher auch nicht seine Ablösung“, sagte Schuhbauer. (awp/mc/pg)

Active Ownership Capital

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