Vodafone wächst in Schwellenländern

Vittorio Colao
Vittorio Colao, abtretender Vodafone-CEO.

Vodafone-CEO Vittorio Colao.

London – Der Boom des mobilen Internets und ein starkes Geschäft in Schwellenländern haben dem weltgrössten Mobilfunkkonzern Vodafone über die Schwäche im Stammgeschäft geholfen. In Deutschland stagnierte das Geschäft wegen des starken Wettbewerbs mit den anderen Anbietern T-Mobile, O2 und E-Plus sowie strengerer Auflagen der Regierung.

Konzernweit legte der Umsatz um 3,5 Prozent auf 11,7 Milliarden britische Pfund (rund 13,3 Mrd Euro) zu, wie das Unternehmen am Freitag in London mitteilte. Der Konzern bestätigte zudem die Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2011/12 (Ende März 2012). Die Aussagen kamen am Markt gut an – die Vodafone-Aktie legte bis Mittag um 1,6 Prozent auf 163,90 Pence zu.

Datendienste als Umsatztreiber
Der scharfe Wettbewerb in den umsatzstärksten Märkten Deutschland, Grossbritannien und Italien sowie fallende Netzentgelte brachten die Umsätze des Branchenprimus unter Druck. Treiber des Geschäfts des Mobilfunkprimus aus dem englischen Newbury bleiben die Datendienste. Die zunehmende Nutzung von Smartphones beflügelte das Geschäft mit dem mobilen Internet. Viele Verbraucher haben mit den computerähnlichen Telefonen und den nützlichen Zusatzprogrammen nunmehr einen Grund, Geld für mobiles Internet auszugeben. Der Erfolg von Apples iPhone und Googles Betriebssystem Android hat der Telekombranche insgesamt neues Leben eingehaucht.

Smartphones-Verkäufe durch Bündelverträge ankurbeln
Auch Vodafone profitiert davon: Währungsbereinigt legten die Umsätze in der mobilen Internetnutzung in Europa um 44 Prozent und in den Schwellenländern (Afrika, Mittlerer Osten, Asien-Pazifik) gar um 53 Prozent zu. Auch beim Verkauf von Mobiltelefonen will das Unternehmen mitverdienen: Die Briten wollen den Verkauf von Smartphones durch Bündelverträge ankurbeln. «Der Umsatz in den Sparten, auf die wir unser Hauptaugenmerk legen – Datengeschäft, Geschäftskunden und Schwellenländer -, wächst weiterhin stark», sagte Vorstandschef Vittorio Colao. Bei den Schwellenländern stechen die stark wachsenden Umsätze in Indien und in Südafrika heraus. Hier stiegen die Erlöse mit knapp 17 und 8 Prozent überdurchschnittlich. Indien macht dem Konzern jedoch nicht nur Freude: Eine drohende Strafzahlung von mehreren Milliarden Pfund in einem Steuerstreit mit der indischen Regierung schwebt weiterhin über der Bilanz. Eine Anhörung vor dem obersten indischen Gerichtshof soll im laufenden Vierteljahr stattfinden.

Minimales Wachstum in Europa
In Europa insgesamt setzte das Unternehmen den Angaben zufolge im Kerngeschäft währungsbereinigt 1,3 Prozent weniger um als ein Jahr zuvor. Zwar wuchs der Umsatz im grössten Einzelmarkt Deutschland im Datengeschäft um 21,4 Prozent, und auch im Festnetz und bei den Geschäftskunden liefen die Geschäfte gut. Allerdings liess die Kürzung von Netzentgelten durch die Regulierungsbehörden davon jedoch kaum etwas übrig, so dass am Ende nur ein mageres Wachstum von 0,2 Prozent zu Buche stand. Damit schnitt Vodafone aber noch besser ab als im Vorquartal als der Umsatz leicht zurückgegangen war.

Gesamtjahr: Gewinnprognose bekräftigt

Auch in Grossbritannien legte der Umsatz nur verhalten zu. Im nach Deutschland zweitgrössten Einzelmarkt Italien konnte der Konzern währungsbereinigt gar weniger erlösen als vor einem Jahr. In Spanien musste man wegen schwächelnder Konjunktur sogar ein Minus von knapp zehn Prozent einstecken. So stand unter dem Strich in Europa nur durch Wechselkurseffekte ein Umsatzwachstum von 2,2 Prozent, auf vergleichbarer Basis wäre ein Minus von 0,3 Prozent zu verzeichnen gewesen. Der frei verfügbare Geldzufluss (Free Cash Flow) ist im Jahresvergleich um rund eine halbe Milliarde Pfund auf 1,3 Milliarden Pfund zurückgegangen. Für das Gesamtjahr 2011/12 rechnet Vodafone hier weiter mit einem Wert zwischen 6,0 und 6,5 (Vorjahr: 7,0) Milliarden Pfund. Beim um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn rechnet der Konzern wie bisher mit einem Rückgang auf 11,0 bis 11,8 (Vorjahr: 11,8) Milliarden Pfund.

4 Milliarden Pfund schweres Rückkaufsprogramm
Für die Komplettübernahme des indischen Joint Ventures Vodafone Essar will der Konzern noch knapp 800 Millionen Pfund ausgeben. 2,6 von den veranschlagten 3,4 Milliarden Pfund haben die Briten bisher schon für die Anteile bezahlt. Für den Rückkauf eigener Aktien sind im abgelaufenen Vierteljahr ebenfalls rund 800 Millionen Pfund bezahlt worden. Zehn Prozent des neuen auf insgesamt 4 Milliarden Pfund taxierten Rückkaufsprogramms seien bereits ebenfalls abgewickelt. (awp/mc/upd/ps)

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