Google wirft Microsoft Erpressung vor

Larry Page

Google-CEO Larry Page.

New York – Das Patentabkommen zwischen Microsoft und Samsung hat ungewöhnlich scharfe Kritik von Google ausgelöst. Der Internet-Konzern warf seinem Erzrivalen Microsoft Erpressung im Mobilfunk-Markt vor. «Es ist dieselbe Taktik, die wir immer wieder von Microsoft sehen. Da sie es nicht schaffen, im Smartphone-Markt erfolgreich zu sein, greifen sie zu rechtlichen Mitteln, um Gewinne aus der Leistung anderer zu erpressen und das Innovationstempo zu bremsen», hiess es in einer Google-Reaktion am Mittwoch.

Zuvor hatten Microsoft und Samsung sich gegenseitig den Zugang zu ihren Patenten geöffnet. Als Teil des Deals werde Samsung Lizenzzahlungen für Smartphones und Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android leisten, betonte Microsoft. Nach dem taiwanischen Konkurrenten HTC ist Samsung bereits der zweite Android-Gerätehersteller, der ein Patentabkommen mit dem Windows-Riesen abschliesst.

Häufung von Klagen gegen Android-Hersteller
Google brachte Android als offenes und für Hersteller kostenloses Betriebssystem auf den Markt. Das half der Plattform, schnell zur stärksten Kraft auf dem Smartphone-Markt zu werden. Eine zusätzliche Abgabe wie jetzt an Microsoft macht die Geräte teurer und damit weniger attraktiv für Hersteller und Verbraucher. Microsoft beharrt aber auf dem Recht, sein intellektuelles Eigentum zu verteidigen. «Bisher haben wir noch kein einziges Android-Gerät gesehen, dass nicht unsere Patente verletzen würde», sagte Microsoft-Justiziar Brad Smith dem US-Blog «All Things Digital». Vielleicht sei mit dem Einlenken von Samsung eine kritische Masse erreicht, so dass andere Anbieter folgen würden. In den vergangenen Monaten häuften sich Patentklagen gegen Android-Hersteller, nicht zuletzt von Apple mit seinem iPhone.

Samsung setzt nicht nur auf Android
Google sieht sich schon länger einer unfairen Attacke von Wettbewerbern wie Microsoft oder Apple ausgesetzt und kündigte jüngst die mehr als zwölf Milliarden Dollar teure Übernahme des Motorola-Mobilfunkgeschäfts an, um mit dessen Patent-Portfolio mehr Munition in dem Konflikt zu haben. Samsung ist ein führender Android-Hersteller, machte jetzt aber deutlich, dass der Konzern nicht alles auf eine Karte setzen will: Die Südkoreaner wollen mit Microsoft bei der Weiterentwicklung und Vermarktung des Konkurrenz-Betriebssystems Windows Phone zusammenarbeiten. Samsung steckt zugleich in einem besonders scharfen weltweiten Streit mit Apple. Die beiden Schwergewichte werfen sich gegenseitig Ideenklau vor.

Google muss länger auf Motorola-Übernahme warten
Google kann Motorola Mobility noch nicht übernehmen. Die zuständigen US-Wettbewerbshüter forderten weitere Dokumente für eine vertiefte Prüfung an, wie aus bei der Börsenaufsicht SEC eingereichten Dokumenten hervorgeht. Die Unternehmen wollten umfassend mit den Behörden zusammenarbeiten und die angefragten Informationen schnell bereitstellen, hiess es. Die 12,5 Milliarden Dollar schwere Transaktion soll zum Jahresende oder Anfang 2012 abgeschlossen werden.

Google bleibt zuversichtlich
Google bezeichnete das Vorgehen der Kartellwächter als «Routine». Das Unternehmen zeigte sich in einer Stellungnahme zuversichtlich, die Behörde werde trotz des geplanten Zusammenschlusses ausreichenden Wettbewerb in der wachsenden Mobilfunkbranche sehen. Google interessiert sich bei der im August angekündigten Übernahme vor allem für die von Motorola Mobility gehaltenen Patente. Motorola Mobility ist eine der beiden Sparten, die nach der Aufspaltung des Konzerns im Januar entstanden. Die Schwestersparte Motorola Solutions stellt unter anderem Funkgeräte für den Einsatz bei Polizei und Feuerwehr her.  (awp/mc/upd/ps)

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