Daniel Bardini, Managing Director Financial Messaging Bottomline Technologies, im Interview

Daniel Bardini
von Daniel Bardini, Managing Director Financial Messaging bei Bottomline Technologies.

Von Helmuth Fuchs

Herr Bardini, der Zahlungsverkehr ist ein seit langem etablierter Prozess für Unternehmen auf der ganzen Welt. Während es für persönliche Zahlungen bereits volldigitale, echtzeitfähige und unkomplizierte Zahlungslösungen (Apps) von Person zu Person gibt, scheinen Zahlungen in der Unternehmenswelt viel mehr auf Papier und Handarbeit zu basieren. Wie ist der Status und die Perspektive in der Unternehmenswelt des Zahlungsverkehrs?

Daniel Bardini: Eine digitale, 24/7-Welt schafft die Nachfrage nach Echtzeit-Zahlungen, und es ist der Verbraucher, der dies vorantreibt, wobei Unternehmen und Banken im Rückstand sind. Allerdings hat sich die Adoption weltweit unterschiedlich entwickelt. Zum Beispiel ist sie freiwillig in den USA, Japan und Singapur, aber in Grossbritannien, der EU und Australien vorgeschrieben. In der Schweiz, Schweden und Dänemark sind Echtzeitzahlungen im geschäftlichen Zahlungsverkehr generell als Standard akzeptiert.

„Eine digitale, 24/7-Welt schafft die Nachfrage nach Echtzeit-Zahlungen, und es ist der Verbraucher, der dies vorantreibt, wobei Unternehmen und Banken im Rückstand sind. Allerdings hat sich die Adoption weltweit unterschiedlich entwickelt.“

Daniel Bardini, Managing Director Financial Messaging, Bottomline Technologies

Das Resultat ist, dass Banken und Unternehmen weltweit, wenn sie dies nicht bereits tun, die notwendigen Schritte unternehmen müssen, um der Nachfrage des Marktes nach einer schnelleren Abwicklung gerecht zu werden. Es steht eine innovative Technologie zur Verfügung, die sowohl für Banken als auch für Unternehmen ein Quick-Win ist, um Zugang zu aktuelleren Zahlungssystemen und Zahlungsabwicklungsarten zu erhalten.

Die Digitalisierung und insbesondere die Blockchain eröffnen neue Möglichkeiten für neue Lösungen und Anbieter. Wie sehen Sie die Auswirkungen der Digitalisierung auf Ihr eigenes Unternehmen und das Geschäft Ihrer Kunden, und gibt es bereits echte Anwendungen?

Es bleibt ein viel diskutiertes Thema und die Adoption von Blockchain ist langsam. Als führender Anbieter von Zahlungslösungen sind wir weiterhin voll eingebunden und immer einen Schritt voraus, wenn es darum geht, unsere Lösungen an die neuesten Zahlungsvorschriften, Technologieentwicklungen, Sicherheitsmassnahmen und Zahlungsmodelle weltweit anzupassen. Dies wiederum hilft unseren Firmen- und Bankkunden, die Chancen, die diese sich verändernde Landschaft bietet, zu nutzen, und sich gegen aufkommende Risiken zu schützen.

RegTechs und Fintechs konzentrieren sich vor allem auf die Interaktion mit den Endanwendern. Welche Rolle spielen sie in dem von Ihnen betreuten Business-to-Business-Bereich und wie arbeiten Sie mit diesen neuen Akteuren zusammen?

Mit der Einführung von Open Banking und PSD2 haben eine Reihe von Fintechs Anwendungen entwickelt, die sich auf die Initiierung von Verbraucherzahlungen konzentrieren. Im B2B-Umfeld gibt es einige vergleichbare Entwicklungen (Stripe, Modulr, Cashfac in Grossbritannien sind Beispiele), aber ich gehe davon aus, dass dies eine kleine Anzahl von Unternehmen betreffen und vorerst relativ wenig Traffic generieren wird. Unabhängig davon, basierend auf der Akzeptanz der Verbraucher ist es wahrscheinlich, dass dies im Laufe der Zeit im Unternehmensumfeld alltäglich werden wird – sicherlich auf der Ebene der kleinen Unternehmen.

Vorschriften und Compliance werden von Tag zu Tag komplexer, mit neuen Regeln und Gesetzen in allen Ländern. RegTechs beginnen, Lösungen anzubieten, die künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zur Datenerfassung und -auswertung nutzen. Wo sehen Sie Anwendungen von Technologien wie künstliche Intelligenz oder Roboter und wie nutzen Sie sie in Ihren Lösungen?

Obwohl nicht nur auf die Betrugserkennung beschränkt, hat das maschinelle Lernen in diesem Bereich einen Quick-Win. Es kann bekannte „schlechte Verhaltensweisen“ mithilfe von regelbasiertem Wissen schnell und einfach identifizieren, versteckte Erkenntnisse in Transaktionsdaten finden und maschinelle Lernmodelle nutzen, um „true positives“ zu identifizieren und Fehlalarme zu reduzieren.

„Wir werden in allen unseren Lösungen nach Möglichkeiten suchen, die ML- oder KI-Technologie als Mittel zur Beseitigung wiederholter Aufgaben und zur Automatisierung wiederkehrender Prozesse einzusetzen.“

Hier hat Bottomline den Schwerpunkt seiner bisherigen Einführung der ML-Technologie gelegt. Dennoch werden wir in allen unseren Lösungen nach Möglichkeiten suchen, die ML- oder KI-Technologie als Mittel zur Beseitigung wiederholter Aufgaben und zur Automatisierung wiederkehrender Prozesse einzusetzen – einfacher, schneller und mit geringerer Wahrscheinlichkeit für unbeabsichtigte oder absichtliche Fehler.

Open Banking oder PSD2 (die überarbeitete Zahlungsdienstrichtlinie der EU) wird bestehende Lösungen zwingen, neuen Akteuren Zugang zu Daten auf ihren Plattformen zu gewähren. Welche Risiken und Chancen sehen Sie für Ihr eigenes Unternehmen?

Die umfassendere Richtlinie über Open Banking und PSD2 verändert die Art und Weise, wie Unternehmen und Verbraucher bezahlen und bezahlt werden, grundlegend. Als SWIFT-Mitglied und von der FCA zugelassene Organisation ist Bottomline in der Lage, Unternehmen einen 360-Grad-Blick auf ihre Finanzen zu geben und eine Lösung für die Annahme und Einleitung elektronischer Zahlungen anzubieten. Dazu gehören eine sichere Kundenauthentifizierung, die Meldung von Sicherheitsvorfällen, Risiko-Scoring und ausgefeilte Verhaltens- und Transaktionsüberwachungsmechanismen.

„Die Digitalisierung übt Druck auf Technologieunternehmen und Banken aus, ihre Lösungen an ein schnelleres, dynamisches, kompetitiveres und offenes Umfeld anzupassen.“

Mit der Digitalisierung entstehen zusätzliche grosse Sicherheitsrisiken durch Hacking und Betrug. Wo sehen Sie die grössten Bedrohungen und was unternimmt Bottomline, um diesen entgegenzuwirken?

Die Digitalisierung übt Druck auf Technologieunternehmen und Banken aus, ihre Lösungen an ein schnelleres, dynamisches, kompetitiveres und offenes Umfeld anzupassen. Dies kann Schwachstellen oder bisweilen Zugänge für Betrüger schaffen, in die sie sich einschleichen können.

  • Je schneller sich das Geld bewegt, desto schneller entsteht ein Risiko. Steuerungssysteme müssen in Echtzeit arbeiten. Die Lösungen von Bottomline umfassen Funktionen zur Sicherung von Zahlungen und Kennzeichnung irregulärer Benutzer- oder Transaktionsverhalten.
  • Die Nichteinhaltung der neuesten SWIFT-Kontrollen schafft Bereiche mit unnötigen Schwachstellen. Unsere Lösungen orientieren sich an den neuesten Empfehlungen von SWIFT.
  • Schwarze und weisse Sanktionslisten sind ein Zusatznutzen, der innerhalb der Bottomline-Angebote verfügbar ist, um Unternehmen bei der effektiven Identifizierung und Minderung von Geldwäsche und Compliance-Risiken zu unterstützen.

Geldwäscherei war vor einigen Jahren in der Schweiz eines der Top-Themen in der Presse. Jetzt scheint es unheimlich ruhig zu sein. Wie gut sind die Vorschriften und technischen Lösungen für das Problem, welche neuen Entwicklungen gibt es zur Verhinderung der Geldwäsche?

Es ist nicht so, dass es unbedingt ruhig ist, es ist vielmehr so, dass die Banken die notwendigen Massnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass sie mit der Gesetzgebung konform sind. Um sicherzustellen, dass wir der Zeit voraus sind, wird die Technologie kontinuierlich weiterentwickelt, um Finanzinstitute und Unternehmen beim Schutz ihrer Zahlungen zu unterstützen.

Sie bieten Ihre Lösungen als Cloud-Service an. Wo befinden sich Ihre Datenzentren für Ihre Schweizer Kunden?

Der Cloud-Service von Bottomline befindet sich in der Schweiz an zwei verschiedenen Orten für Redundanz- und Sicherheitszwecke.

Auf Druck der USA hat die belgische Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (Gesellschaft für weltweite Interbanken-Finanz-Telekommunikation, SWIFT) die Zentralbank der Islamischen Republik Iran aus ihrem Netzwerk entfernt und ihr die Zusammenarbeit mit Finanzinstituten weltweit verboten. Was bedeutet das für die Unabhängigkeit von SWIFT und Ihrem Unternehmen als grösstem externen SWIFT-Büro?

Das ist eine gute Frage, und es gibt nur eine Antwort: Wir können nicht entgegen gesetzlicher Anforderungen oder SWIFT-Kontrollen handeln. Als zertifiziertes und geprüftes Mitglied von SWIFT und um den SWIFT-Service anbieten zu können, sind wir verpflichtet, die gleichen Regeln und Vorschriften einzuhalten, die SWIFT den Banken auferlegt.

Welche sind die nächsten grossen Geschäfts- und Technologieentwicklungen, die die Zahlungsbranche prägen?

Die Schweiz ist in diesem Bereich wirklich führend. Daher sehen wir im Moment nicht so viel Aktivität, denn viele der neuen Initiativen, die auf globaler Ebene gerade angenommen oder umgesetzt werden (z.B. ISO20022 und nahezu Echtzeit-Zahlungen), sind lokal bereits implementiert. Generell würde ich sagen…

  • Die innovativen Lösungen und APIs, die auf den Markt kommen, werden die Zusammenarbeit zwischen traditionellen Zahlungsanbietern und Fintech-Anbietern fördern. Da wir nicht zu Europa gehören, wurde die Anwendung von Schweiz-spezifischen offenen APIs diskutiert.
  • Der SWIFT GPI, der für 2020 vorgeschrieben ist, ermöglicht eine durchgängige Verfolgung der globalen Zahlungen.
  • Upgrades von Zahlungsinfrastrukturen auf der ganzen Welt
  • Eine stärkere Adoption von ISO20022, obwohl diese bereits 2017 von den Schweizer Banken und 2018 von Schweizer Unternehmen übernommen wurde.
  • Der Anstieg von Echtzeit-Zahlungen weltweit und die Einführung aus B2B-Perspektive.

Zum Schluss des Interviews erhalten Sie zwei Wünsche. Was sind das für welche?

Wir beobachten, dass Cloud Services in allen Bereichen zur Norm werden, wobei eine beträchtliche Anzahl von Unternehmensorganisationen und Finanzinstituten von einem internen Infrastrukturmodell zu einem Cloud-basierten Service übergeht. Wir arbeiten bereits eng mit einer Reihe unserer Kunden zusammen, aber mein Wunsch wäre es, diese Fortschritte zu beschleunigen.

Mein zweiter Wunsch wäre es, in der Schweiz mehr lokale, qualifizierte Arbeitskräfte auszubilden und Zugang zu Ihnen zu erhalten. Das Land produziert nicht genügend einheimische Kandidaten, um die Bedürfnisse unserer Industrie zu decken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.