Roaming 2015: Trotz Senkung weiter Abzockgefahr

Mobiltelefonie

Der Internetvergleichsdienst comparis.ch vergleicht die aktuellen Roaming-Tarife. (Foto: Pixabay)

Zürich – Pünktlich vor den Sommerferien werben die grossen Schweizer Mobilfunkanbieter mit neuen Roaming-Angeboten. Die Smartphone-Nutzung ist bei Reisen im Ausland massiv günstiger geworden. Das gilt aber nicht für alle Nutzer. Der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch gibt Tipps, wie man sein Ferienbudget trotz Smartphone-Gebrauch im Griff behält.  

Telefonieren, surfen, SMS schreiben und Strandfotos per WhatsApp den Daheimgebliebenen schicken: «Viele Kunden fahren weiter in die Ferien, ohne sich über Roamingkosten Gedanken zu machen. Das ist ein Fehler. Sie nutzen ihr Smartphone im Ausland zum Standardtarif. Bei Salt und Sunrise werden diese Kunden regelrecht abgezockt», sagt der Telecom-Experte von comparis.ch, Ralf Beyeler. Aber auch mit den neuen derzeit stark beworbenen Roaming-Flatrates bezahlen viele Kunden mehr als nötig.

Wie in den Vorjahren hat der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch die Kosten für einen Warenkorb mit 14 Telefongesprächen und 160 MB Internet-Daten in sieben europäischen Ländern berechnet, einerseits mit dem Standardtarif, andererseits mit der jeweils günstigsten Option.

Der Roaming-Warenkorb für Reisen in Europa

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Der Warenkorb zeigt: Mit Option liegen die Roamingkosten bei allen drei Anbietern deutlich unter 50 Franken. Swisscom ist mit 37 Franken am günstigsten, Sunrise mit 42.40 Franken und der Orange-Nachfolger Salt mit 45.40 liegen ein paar Franken darüber.

Aus der Tabelle geht ausserdem hervor: Im Vergleich zum Vorjahr haben die drei grossen Netzbetreiber Swisscom, Sunrise und Salt die Roamingpreise spürbar reduziert. Sunrise senkte sogar seine Standardtarife erstmals seit über einem Jahrzehnt, bleibt aber mehr als doppelt so teuer wie Swisscom. Noch teurer ist das Roaming zum Standardtarif für Salt-Kunden. «Wer keine Option löst, dem droht nach der Heimkehr aus den Ferien ein böses Erwachen», warnt Experte Beyeler und rät Sunrise- und Salt-Kunden eindringlich: «Man sollte darum nie in die Ferien fahren, ohne eine Option zu lösen.»

Beyeler bezeichnet die Praxis von Salt und Sunrise mit den Roaming-Optionen eine «fiese und kundenunfreundliche Strategie». Er führt aus: «Die Anbieter ignorieren die Bedürfnisse ihrer Kunden. Die Konsumenten wollen einfach telefonieren und bei Lust und Bedarf lossurfen, ohne
sich bei der Ferienplanung vorab durch Preislisten wühlen zu müssen.» Zu besonderer Vorsicht rät Beyeler bei Salt. Nach wie vor endet der Abrechnungszeitraum beim Orange-Nachfolger am 9. eines Monats. «Wer also über dieses Datum hinweg für eine Woche in die Ferien fährt, muss die Roamingoption für zwei Monate lösen und zahlen. Und noch ein Kunden-Ärgernis: Ausserdem muss man die Option aktiv abbestellen, sonst verlängert sie sich automatisch», sagt er.

Was bringen die neuen Roaming-Abos?
Seit diesem Frühjahr bieten die grossen Telecom-Anbieter neue Roaming-Flatrates. Die grösste Neuerung der vergangenen Jahre kommt vom Branchenprimus Swisscom: Das Abo «Natel Infinity Plus» bietet eine Roaming-Flatrate für Anrufe und SMS an mindestens 30 Tagen pro Jahr inner-halb Europas. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber den beiden grossen Mitbewerbern Salt und Sunrise: Kunden müssen nicht extra eine Roaming-Option lösen. Das Angebot richtet sich aufgrund der hohen Grundgebühr ab 75 Franken jedoch an Nutzer, die mit ihrem Smartphone intensiv kommunizieren.

Und lohnt sich das bequeme Abo auch für den «Durchschnittsnutzer»? comparis.ch hat dafür einen weiteren Warenkorb erstellt und verwendet das bewährte «Durchschnittsnutzer»-Profil, um die Kosten für die Inlandsnutzung zu berechnen. Zusätzlich wird auch die Benutzung im Ausland wie folgt berücksichtigt: mit zwei Wochen Sommerferien auf Mallorca, einer Woche Herbstferien in Griechenland und einem dreitägigen Kurztrip nach Paris.

Jährliche Gesamtkosten für den «Durchschnittsnutzer» (ohne Gerät)

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Der Vergleich zeigt: Das M-Budget-Angebot «One», hinter dem Swisscom steht, schneidet am besten ab, sowohl mit als auch ohne Option. Auffallend ist, dass das Prepaid-Angebot von Aldi – das günstigste für die Nutzung innerhalb der Schweiz – für die Nutzung im Ausland überhaupt nicht zu empfehlen ist. Der Profilkunde zahlt im Inland zwar nur 221 Franken im Jahr, alleine für die Ferien im Ausland hingegen rund 1150 Franken. Anzumerken ist, dass Swisscom nur Abos mit neuem Gerät anbietet, während die anderen berücksichtigten Abos kein Gerät beinhalten.

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