Nach Besitzerwechsel muss Salt Federn lassen

Andreas Schönenberger
Salt-CEO Andreas Schönenberger. (Foto: Salt)

Salt-CEO Andreas Schönenberger. (Foto: Salt)

Renens – Nach dem Verkauf an den französischen Telekomunternehmer Xavier Niel für 2,8 Mrd CHF hat Salt Federn lassen müssen. Umsatz und Betriebsgewinn des drittgrössten Mobilfunkanbieters der Schweiz schrumpften im vergangenen Jahr spürbar. Der Umsatz sank um 2,4% auf 1,29 Mrd CHF. Der bereinigte Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) ging um 4,9% auf 412,5 Mio CHF zurück.

Salt rechnet beim bereinigten EBITDA Kosten für Restrukturierungen und den Namenswechsel heraus. Nach dem Verkauf hatte sich der Mobilfunkanbieter am 23. April von Orange in Salt umbenannt, was mehrere Dutzend Millionen Franken gekostet hat.

Mit diesen Kosten dürfte der unbereinigte EBITDA noch stärker gesunken sein. Diese Zahl gibt Salt nicht bekannt, ebenso wenig wie das Resultat unter dem Strich. Im ersten Halbjahr 2015 klaffte hier bei der Muttergesellschaft Matterhorn Telecom Holdings ein Reinverlust von knapp 90 Mio CHF nach einem kleinen Verlust von 1,1 Mio CHF im Jahr 2014.

Exodus im Management
Salt hat ein bewegtes Jahr hinter sich: Nach dem Besitzerwechsel kam es im Sommer zu einem Exodus im Topmanagement. Vier von sieben Spitzenmanagern verliessen das Unternehmen. Darunter waren Technikchef Johan Hall, Kommerzchef Matthias Hilpert, der Kundendienstverantwortliche Tonio Meier und Finanzchef Yann Leca. Im November ging noch die Personalchefin Amelia Raess. Im Dezember warf schliesslich Salt-Chef Johan Andsjö das Handtuch und verliess das Unternehmen per sofort. Seine Nachfolge trat der ehemalige Google-Schweiz-Chef Andreas Schönenberger Mitte März 2016 an.

Harte Kritik am alten Management
Am alten Management übte die neue Führungscrew harte Kritik: Der Turnaround bei Salt sei durch den harten Wettbewerb und frühere Managementfehler beeinträchtigt worden, teilte der Mobilfunkanbieter am Donnerstag in einem Communiqué mit. So sei der Umsatzrückgang in erster Linie auf den geringeren durchschnittlichen Monatsumsatz pro Kunde und den Verlust von Kunden zurückzuführen. Die Gesamtkundenzahl sank um 6,6% auf 2,024 Millionen. Dabei wanderten vor allem Prepaidkunden ab. Die Zahl der lukrativeren Abokunden verringerte sich um 0,4%.

Der Rückgang des bereinigten Betriebsgewinns sei das Resultat von hohen Forderungsausfällen infolge misslungener IT-Umstellung im Jahre 2014. Zudem habe Salt die Bonität von Neukunden unzureichend geprüft.

Der Mobilfunker hatte 2014 wegen IT-Schwierigkeiten tausenden Kunden fehlerhafte Rechnungen geschickt. In der Folge musste sich das Unternehmen mit Rabatten oder bei verspäteten Zahlungen der Kunden grosszügig zeigen. Dies schlug auf den Gewinn durch.

Stellenabbau
Um Gegensteuer zu geben, trat Salt auf die Kostenbremse und strich Arbeitsplätze. Die Zahl der Vollzeitstellen ging um 60 auf 833 per Ende Dezember 2015 zurück. Der Stellenabbau ging auch im laufenden Jahr weiter. Zahlen dazu gibt Salt nicht bekannt. „Während im Backoffice- und Supportbereich Mitarbeiter verliessen, vorwiegend im Rahmen eines Freiwilligenprogramms, wurden insbesondere im Bereich Netzwerk neue Positionen geschaffen“, teilte Salt am Donnerstag mit: „Der Hauptteil der Restrukturierung von Salt Mobile SA ist weitgehend abgeschlossen.“

Salt hatte im vergangenen Jahr Kernfunktionen wie Netzwerk und IT wieder in das Unternehmen integriert. Bisher war die IT an den finnischen Dienstleister Qvantel ausgelagert, der Netzausbau an Nokia Siemens und der Netzbetrieb an Ericsson.

Komplette Umstrukturierung
Die komplette Umstrukturierung von Salt werde zunehmend auch nach aussen sichtbar, hiess es weiter. Der neue Chef Schönenberger und das neue Managementteam würden den Fokus auf profitables Wachstum und effiziente Zusammenarbeit über Geschäftseinheiten hinweg setzen. Silo-Denken solle nicht mehr vorkommen.

Zudem sei ein neues Produktportfolio mit fünf Abo-Preisplänen lanciert worden. Diese wirkten sich ab Herbst 2015 positiv auf die Anzahl Neuabschlüsse aus, teilte Salt mit. Überdies habe man die Investitionen im Direkt- und Online-Vertrieb verstärkt, während bei den indirekten Vertriebspartnerschaften nur die profitabelsten weitergeführt würden. Und das Marketing werde neu intern mit einem kleineren Team betrieben. Es gebe keine Auslagerungen mehr.

Ein pikantes Detail noch am Rande: Bei der Refinanzierung der Schulden von Salt im April flossen 150 Mio Franken an den neuen Besitzer Niel. (awp/mc/pg)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.