Sunrise mit mehr Schub unterwegs als Konkurrenten

Zürich – Trotz des heftiger werdenden Wettbewerbs im Schweizer Telekommarkt legt Sunrise an Schwung zu, während die Konkurrenz an Tempo verliert. Der zweitgrösste Anbieter hat in den ersten neun Monaten Umsatz und Reingewinn gesteigert. Dagegen erlitten Branchenprimus Swisscom und die Kabelnetzbetreiberin UPC Einbussen.

Der Umsatz von Sunrise stieg von Januar bis September um 3,4 Prozent auf 1,39 Milliarden Franken. Damit geht es nach mehreren Jahren Sinkflug erstmals wieder nach oben. Sunrise-Chef Olaf Swantee sprach am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP von einem starken Geschäftsgang: «Wir haben Marktanteile gewonnen.»

Unter dem Strich blieb noch ein Reingewinn von 72 Millionen Franken, nachdem im Vorjahr noch 481 Millionen Franken in der Kasse geklingelt hatten. Allerdings war der damalige Gewinnsprung auf den Verkauf von über 2200 Antennenmasten an die spanische Firma Cellnex zurückzuführen, was 420 Millionen Franken in die Kasse gespült hatte. Ohne den Verkauf der Masten wäre der Reingewinn um satte 17 Prozent gestiegen.

Geschäft läuft gut
Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) schrumpfte indes leicht um 1,3 Prozent auf 439 Millionen Franken. Hier schlägt durch, dass Sunrise für die Masten Miete zahlen muss. Ohne diese Kosten wäre auch der EBITDA um über 2 Prozent geklettert.

Denn operativ zeigte sich Sunrise robust. Im Hauptgeschäft Mobilfunk, das zwei Drittel der Einnahmen bringt, legte der Umsatz um gut 5 Prozent zu. Seit Anfang Jahr hat Sunrise 92’500 Abokunden gewonnen.

Auf der anderen Seite gingen 78’500 Prepaidkunden verloren. Denn gerade Vielnutzer von Prepaid-SIM-Karten steigen zunehmend auf Abos um. Überdies nagt die Nutzung von Gratis-Apps wie Whatsapp oder Skype an den Prepaideinnahmen.

Damit hat sich Sunrise bei den lukrativen Handyabos viel besser geschlagen als die Swisscom, die im Mobilfunk zunehmend an die Decke stösst. Seit Anfang Jahr konnte Sunrise über dreimal mehr Abokunden anlocken als der Branchenprimus (+26’000). Bei UPC betrug das Wachstum im Mobilfunk 23’000 Kunden.

Auch beim Internet hatte Sunrise bei den Neukunden mit einem Plus von 26’500 die Nase vor den Wettbewerbern. Die Swisscom gewann hier lediglich 16’000 neue Abonnenten, während UPC einen Abgang von 37’000 hinnehmen musste.

Rückgänge bei Swisscom und UPC
Lediglich im TV-Geschäft hat sich der «blaue Riese» an der Spitze gehalten. Die Swisscom gewann mit 43’000 fast doppelt so viele zusätzliche Kunden wie Sunrise (+22’000). Derweil ging der Aderlass bei UPC (-86’000) weiter.

Gesamthaft büsste die Swisscom Schweiz in den ersten neun Monaten 2,2 Prozent an Umsatz und 3,6 Prozent an Betriebsgewinn (EBITDA) ein. Bei UPC gingen Umsatz (-3,2 Prozent) und operatives Ergebnis zurück. Neben dem härteren Konkurrenzkampf machen der grössten Kabelnetzbetreiberin die Kosten für den Sportsender MySports zu schaffen.

Zuversicht für Zukunft
Bei Sunrise zahle sich die Qualitätsverbesserungsstrategie aus, erklärte Konzernchef Swantee. Ausser ins Netz habe man auch in die Shops und das Onlineangebot investiert. Zudem hätten die Sommeraktionen für die Benutzung des Handys im Ausland (Roaming) Rückenwind gegeben, auch wenn dies das Umsatzwachstum im Sommer gebremst habe.

Im TV- und Internetgeschäft wirkt sich das Glasfaserangebot positiv aus, bei dem Sunrise die Netze der Stromversorger benutzt. Im dritten Quartal seien 70 Prozent der Neukunden auf Glasfasern aufgeschaltet worden, sagte Swantee.

Um die Wechselbereitschaft zu erhöhen, habe Sunrise ein Glasfaser-Willkommen-Team, das Neukunden bei der Installation unterstütze. Das komme gut an, sagte Swantee. Handkehrum spüre man die Salt-Offensive im Festnetz mit Kampfpreisen nicht.

Aber nicht nur bei den Privatkunden konnte Sunrise zulegen, sondern auch bei den Geschäftskunden. Hier habe man nach einer Reihe von Rückgängen die Wende beim Betriebsgewinn im Sommerquartal geschafft, sagte Finanzchef André Krause. So habe man den Kanton Luzern und die Fluggesellschaft Edelweiss als Kunden gewonnen. Das Wachstum bei den Firmenkunden beschleunige sich.

Und so blickt Sunrise zuversichtlich in die Zukunft. Das Unternehmen sei auf sehr gutem Wege, die Jahresziele von bis zu 1,87 Milliarden Franken Umsatz und einem bereinigten EBITDA von rund 600 Millionen Franken zu erreichen, die Sunrise erst im Sommer nach oben geschraubt hatte, hiess es.

An der Börse wurden die Surise-Paiere dennoch verkauft: Bis Handelsende verbilligten sie sich um 2,7 Prozent. (awp/mc/ps)

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