Swisscom mit höherem Umsatz trotz Preissenkungen

Urs Schaeppi, CEO Swisscom. (Foto: Marc Wetli / © Swisscom)

Bern – Swisscom hat 2013 trotz massiver Preissenkungen einen leicht höheren Umsatz erzielt. Im laufenden Jahr will das Unternehmen den Umsatz weiter leicht steigern. Zudem stellt CEO Urs Schaeppi einen höheren EBITDA in Aussicht. Es wäre das erste Mal seit Jahren, dass diese Kennzahl nicht sinkt.

Auf Umsatzebene hält sich Swisscom erstaunlich stabil. Die Kennzahl stieg 2013 um 0,4% auf 11,43 Mrd CHF, obwohl das Unternehmen einem hohen Preisdruck ausgesetzt war. Die Preiserosion, die schon im Vorjahr mit 400 Mio CHF auf die Verkaufszahlen in der Schweiz drückte, nahm 2013 weiter zu: CEO Schaeppi bezifferte sie an der BMK vom Donnerstag auf 560 Mio CHF. Allein die tieferen Roaming-Gebühren hätten mit 210 Mio CHF zu Buche geschlagen.

Dass dies nicht auf den Umsatz durchschlug, hat verschiedene Gründe. Ein starkes Kundenwachstum in der Schweiz habe die Preiserosion nahezu ausgeglichen. Die Zahl der Mobilfunkanschlüsse stieg zum Beispiel um 3,1% auf 6,4 Mio; laut dem Geschäftsbericht konnte der Marktanteil im Mobilfunkmarkt von rund 60% gehalten werden. Swisscom-TV erhöhte die Anzahl Anschlüsse um 26,4% auf 1 Mio und kommt im ganzen Digital-TV-Markt nun laut Swisscom-Schätzungen auf einen Anteil von knapp einem Viertel. Auch die gebündelten Angebote (Festnetz, Internet, TV und zum Teil Mobiltelefonie aus einer Hand) erfreuten sich 2013 grosser Beliebtheit: Der Umsatz dieses Bereichs stieg um knapp einen Drittel.

Der Umsatz im Schweizer Geschäft nahm deshalb nur um 0,2% ab. „Das ist eine sehr gute Leistung, die mich freut“, sagte Schaeppi. Für die italienische Tochter Fastweb weist Swisscom ebenfalls einen leicht tieferen Umsatz aus. Im Plus ist der Gesamtumsatz dank des Bereichs „Übrige operative Segmente“ (+10,3%, 1 Mrd CHF), zu dem die Tochter Swisscom IT Services zählt.

Kein Ende des Preisdrucks
Die Ergebniskennzahlen entwickelten sich schlechter als der Umsatz. Der EBITDA sank um 3,9% auf 4,30 Mrd CHF. Begründet wurde dies mit dem leichten Umsatzrückgang im Schweizer Geschäft und Kosten für den Netzunterhalt und die Informatik. Der EBIT reduzierte sich um 10,6% auf 2,26 Mrd CHF, und der Reingewinn nahm um 6,6% auf 1,70 Mrd CHF ab. Beim Reingewinn und EBIT seien die höheren Abschreibungen auf getätigte Investitionen ein zusätzlicher Grund für die Abnahme gewesen. 2013 investierte Swisscom 2,4 Mrd CHF (+10,5%), davon 1,69 Mrd (+3,2%) in der Schweiz.

Im laufenden Jahr will die Swisscom erneut leicht mehr Umsatz erzielen: 11,5 nach 11,43 Mrd CHF. CEO Schaeppi nannte dieses Ziel „ambitiös“. Denn der Preiszerfall werde vor allem im Geschäftskundensegment und bei den Roamingtarifen anhalten. Er geht aber davon aus, dass das Mobilfunkgeschäft mit Privatkunden und KMU die Preiserosion überkompensieren werde. Der durchschnittliche Umsatz pro Infinity-Kunde (Pauschalangebot) sei schon 2013 gestiegen.

Trendwende beim EBITDA angestrebt
Der EBITDA soll im nächsten Jahr leicht auf 4,35 Mrd CHF steigen, nachdem er in den letzten Jahren stets geschrumpft war. Das zweite Halbjahr habe bei dieser Kennzahl bereits eine Aufwärtstendenz gezeigt, wegen der höheren Durchschnittsumsätze bei den Infinity-Angeboten und einem besseren Ergebnis bei der italienischen Tochter Fastweb im vierten Quartal, sagte Finanzchef Mario Rossi.

Um mittel- und langfristig zu wachsen, will Schaeppi an der „Digitalisierung der Welt“ teilhaben. Kurzfristig denke er an die Angebote von Swisscom IT Services, die anderen Unternehmen das Outsourcing der IT ermögliche. Längerfristig könne er sich aber auch vorstellen, dass Swisscom den Kunden personalisierte TV-Programme liefere. Selbst ein Einstieg in den Energiemarkt oder das Gesundheitswesen, wo IT und Internet eine immer wichtigere Rolle spielten, hält er für denkbar.

Statuten wegen Minder angepasst
An der kommenden Generalversammlung dürfen die Aktionäre nicht nur eine Erwatzwahl vornehmen (Frank Esser für Richard Roy) und über die Dividende (gleichbleibend 22 CHF) befinden. Sie sollen auch die Statuten an die Vorgaben der Minder-Initiative anpassen: Die GV soll in Zukunft über ein „Budget“ für die Vergütungen des laufenden Jahres befinden, im Folgejahr soll jeweils eine Konsultativabstimmung über den Vergütungsbericht folgen. Der Geschäftsbericht 2013 weist für die Geschäftsleitung Vergütungen von 9,4 Mio CHF aus (VJ: 10,6 Mio). CEO Schaeppi erhielt 1,7 Mio CHF.

An der Börse stiegen die Swisscom-Valoren am Vormittag vorübergehend um über 2,5%. Zum Börsenschluss notieren sie mit plus 1,0%. Die Resultate lagen im Rahmen der Erwartungen der Analysten. Positiv erwähnt wurde die hohe Dividendenrendite. (awp/mc/upd/ps)

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