Vodafone mit Milliardenverlust wegen Abschreibungen

Vodafone mit Milliardenverlust wegen Abschreibungen
Vodafone-CEO Nick Read. (Foto: Vodafone)

London – Der britische Vodafone -Konzern hat wegen teurer Abschreibungen einen Milliardenverlust eingefahren. In den ersten sechs Monaten (bis Ende September) des Geschäftsjahrs 2018/19 stand ein Fehlbetrag von 7,8 Milliarden Euro in den Büchern, wie der seit Oktober amtierende neue Vorstandschef Nick Read am Dienstag in London mitteilen musste. Abschreibungen unter anderem auf die Sparten in Spanien und Rumänien sowie auf das indische Geschäft rissen den Konzern in die roten Zahlen. Die Anleger feierten aber, dass Read nach der geplanten milliardenschweren Übernahme von Unitymedia und weiteren Netzen in Europa die Kosten und die Schulden stärker in den Blick nehmen will.

Die Aktie lag in London gegen Mittag um knapp 9 Prozent im Plus. JPMorgan-Analyst Akhil Dattani sprach von beruhigenden Resultaten. Die Dividende sei nicht zusammengestrichen worden und die nun besseren Jahresaussichten bei der Entwicklung der Barmittel dürften genau wie der aus seiner Sicht etwas bessere operative Gewinn gut ankommen. Barclays-Analyst Maurice Patrick wertete die Ausrichtung auf Kostendisziplin als positiv.

Am Markt war befürchtet worden, dass Read zum Amtsantritt wegen der angepeilten Kabel-Übernahme auf dem Kontinent die Ausschüttung kürzen könnte, zumindest perspektivisch. Die Briten wollen für die Liberty-Global-Gesellschaften in Deutschland, Tschechien, Ungarn und Rumänien 10,8 Milliarden Euro in bar hinblättern. Der ehemalige Finanzchef Read will die Dividende für das laufende Jahr dennoch stabil auf Vorjahresniveau halten. Eine zwischenzeitlich ins Spiel gebrachte Anhebung ist damit zwar wohl vom Tisch. Langfristig peilt das Management aber eine steigende Dividende an, wenn die Verschuldungsziele das zulassen.

Kosten senken -ûnd Tafelsilber veräussern
Bei all dem helfen sollen stärkere Kosteneinsparungen und möglicherweise auch der Verkauf von Mobilfunkmasten. Bis zum Geschäftsjahr 2020/21 sollen die Betriebskosten um 1,2 Milliarden Euro sinken, sagte Read. Darüber hinaus solle das Tagesgeschäft «radikal vereinfacht werden». Bei den europaweit 58 000 Funktürmen werde zudem jede Option geprüft.

Insgesamt ging der Erlös im ersten Halbjahr um 5,5 Prozent auf 21,8 Milliarden Euro zurück, vor allem weil das indische Geschäft nicht mehr einbezogen wurde. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sank um 4,2 Prozent auf die erwarteten 7,1 Milliarden Euro.

Den Serviceumsatz konnte Vodafone im zweiten Quartal aus eigener Kraft – also ohne Währungseinflüsse und Zu- wie Verkaufe – um 0,5 Prozent steigern und damit stärker als von Analysten gedacht. In Deutschland legte das Mobilfunkgeschäft vergleichbar um 0,9 Prozent zu und damit deutlich weniger schnell als bei der Deutschen Telekom (+3,1%), aber etwas mehr als bei Telefonica Deutschland (+0,6%). Auf dem wichtigsten Einzelmarkt konnte Vodafone aber weiter vor allem im Kabel punkten, zudem steigerte die Sparte die operative Marge.

Auf Konzernebene rechnet das Management nun mit einem Free Cashflow von rund 5,4 Milliarden Euro im Geschäftsjahr. Vorher standen lediglich 5,2 Milliarden im Plan. Bei dem um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen präzisierte das Unternehmen die Prognose auf einen Anstieg von rund 3 Prozent aus eigener Kraft, in der Mitte der bisher angepeilten Spanne. (awp/mc/ps)

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