Aktienfokus: Novartis nach Studienabbruch unter Druck

Aktienfokus: Novartis nach Studienabbruch unter Druck

Zürich – Die Aktien von Novartis stehen am Dienstag im frühen Geschäft unter Abgabedruck. Zuvor hatte das Unternehmen den Abbruch einer Studie mit dem Blutdrucksenker Rasilez/Tekturna zur Behandlung von Hochrisikopatienten mit Diabetes und beeinträchtigter Nierenfunktion bekanntgeben müssen. Einerseits wegen schädlicher Nebenwirkungen, also Sicherheitsbedenken, andererseits weil Zweifel am Nutzen des Präparats in dieser Indikation bei dieser Patientengruppe aufgekommen waren.

Um 09.45 Uhr verzeichnen Novartis ein Minus von 0,70 CHF oder 1,3% auf 52,10 CHF. Gehandelt sind bis anhin 1,2 Mio Aktien, bei einem durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen von gut 5 Mio Stück. Der Gesamtmarkt SMI steht vor allem wegen der Abgaben in Novartis 0,21% tiefer. In Marktkreisen wird die Nachricht kritisch gewürdigt. Allerdings ist bei der Entwicklung des Aktienkurses zu beachten, dass der Titel am Vortag über 1,5% zugelegt hatte und heute nebst Novartis auch die ebenfalls defensiven Roche und Nestlé schwächer abschneiden als der Gesamtmarkt.

Gewinnwarnung von AstraZeneca belastet Markt zusätzlich
Das Sentiment für Pharma-Titel werde überdies von einer Gewinnwarnung der britischen AstraZeneca belastet, hiess es in Börsenkreisen. Das Unternehmen muss wegen verschiedener negativer Studienergebnisse über 380 Mio USD abschreiben. Einen gewissen Einfluss auf den Aktienkurs könnte am Dienstag unter Umständen auch CEO Joe Jimenez haben, welcher der «BaZ» ein Interview gewährt hatte. Jimenez sieht Firmenkäufe in der Grössenordnung von 2 bis 3 Mrd CHF pro Jahr im Bereich des Möglichen. Solche Akquisitionen sehe er in den Konzernbereichen Tiergesundheit, nicht rezeptpflichtige Medikamente oder Impfstoffe.

Erhöhte Gefahr von schädlichen Nebenwirkungen
Novartis teilte am Morgen mit, dass die Studie namens «ALTITUDE» abgebrochen worden sei. In dem Teil der Studie, in welcher Rasilez/Tekturna zur Standardbehandlung hinzugefügt wurde, sei bei den Hochrisikopatienten nach 18 bis 24 Monaten ein erhöhtes Vorkommen von nicht-tödlichen Schlaganfällen, Nierenkomplikationen, Hyperkalamie und Hypotonie festgestellt worden. Das unabhängige Überwachungskomitee habe somit eine erhöhte Gefahr von schädlichen Nebenwirkungen festgestellt. Zudem sei ein Nutzen der Behandlung zusätzlich zur Einnahme von Standard-Blutdrucksenkern unwahrscheinlich gewesen

Analysten negativ überrascht
Die Entdeckung dieser Nebenwirkungen nach der siebten Zwischenprüfung komme sehr unerwartet, heisst es in einer Einschätzung der Bank Vontobel. Vontobel schätzte für Tekturna einen möglichen Spitzenumsatz von 2,9 Mrd USD, wobei dieser Annahme ein Erfolg der Langzeitversuche zu Grunde lag. Nur wird die Bank die Schätzungen zurücknehmen. Auf den Gewinn je Aktie werde der Studienabbruch allerdings minimalen Einfluss haben, da die kurzfristigen Umsätze mit Tekturna für das Geschäftsjahr 2012 lediglich auf 860 Mio USD geschätzt werden. Vontobel behält die Einstufung «Buy» bei, reduziert aber das Kursziel um 2 auf 52 CHF. Der langfristige Wert von Tekturna sei erheblich gewesen und habe vom Erfolg der eingangs erwähnten Mortabilitätsstudie abgehangen.

ZKB passt Umsatzprognosen für Tekturna nach unten an

Es sehe so aus, dass Tekturna generell in Kombination mit ACE- und ARB-Hemmern nicht geeignet sei, schreibt die ZKB in ihrer «Daily Market Opinion». Damit dürfte ein sehr grosses Upside-Potential für Tekturna verlorengegangen sein. Da dieses Studienergebnis «völlig unerwartet» gekommen sei, könne im umgekehrten Fall ein positiver Ausgang der noch laufenden Studien mit Herz-Patienten bis Ende 2012 noch nicht ganz ausgeschlossen werden. Derzeit müssten dennoch die Umsatzprognosen für Tekturna nach unten angepasst werden, was allerdings gemessen am Gesamtumsatz von Novartis keine drastische Reduktion sei. Die ZKB sieht indes die Nachricht insgesamt klar negativ. (awp/mc/ps)

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