CH-Schluss: SMI gibt 1,82% auf 8852 Punkte nach

CH-Schluss: SMI gibt 1,82% auf 8852 Punkte nach

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt ist am Donnerstag mit deutlichen Kursrückgängen aus dem Handel gegangen. Nach einem verhaltenen Handelsgeschehen am Vormittag fielen die Indizes nach dem mit Spannung erwarteten Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) klar ins Minus. Die EZB senkt zwar die Zinsen im erwarteten Ausmass, allerdings blieb die am Markt erhoffte Erhöhung des Anleihenkaufprogramms aus. Insgesamt habe EZB-Chef Draghi enttäuscht, kommentierte ein Marktteilnehmer entsprechend: Die Anleger hätten sich eigentlich daran gewöhnt gehabt, dass Draghi seine Ankündigungen «übererfülle».

Weiteren Druck auf die Kurse übte am Nachmittag auch eine schwache Wall Street aus. In den USA waren die neuen Zahlen zur Auftragslage der US-Industrie klar besser ausgefallen als erwartet. Zudem äusserte sich US-Notenbankpräsidentin Janet Yellen erneut vor dem amerikanischen Kongress mit optimistischen Aussagen zur Wirtschaftsentwicklung. Dies stütze die Einschätzung, dass die US-Notenbank an der Sitzung von Mitte Dezember erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen wieder anheben werde, hiess es am Markt.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 1,82% im Minus auf 8’852,14 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sank um 1,64% auf 1’337,61 Zähler und der breite Swiss Performance Index (SPI) verlor 1,64% auf 9’110,68 Punkte. Von den 30 Blue Chips schlossen 28 im Minus und 2 im Plus.

Die kräftigsten Abgaben unter den Bluechips verzeichneten die Aktien der Zementkonzerns LafargeHolcim (-2,7%). Zu den weiteren deutlichen Verlierern gehörten aber auch Actelion (-2,5%) sowie Zurich (-2,4%), letztere schlossen damit an die Verluste der beiden Vortage nach dem CEO-Abgang an. Der Versicherer plant weiterhin einen umfangreichen Abbau von Arbeitsplätzen – wobei es auch zu zahlreichen Stellenstreichungen in der Schweiz kommen dürfte, wie ein Zurich-Sprecher zu entsprechenden Medienberichten sagte.

Nach unten gezogen wurden die Indizes aber vor allem von den schwachen defensiven Schwergewichten. Sehr schwach zeigten sich insbesondere die Roche-Titel (-2,4%), die damit die einer positiven Analystenstudie verdankten Gewinne vom Vortag wieder vollständig abgaben. Auch die Titel der Konkurrentin Novartis (-2,0%) gaben deutlich nach, während die schwergewichtigen Nestlé 1,4% tiefer aus dem Handel gingen.

Die Luxusgütertitel von Richemont (-2,3%) verloren ebenfalls deutlich, die Aktien der Konkurrentin Swatch (-0,9%) hielten sich dagegen besser. Sonova (-2,2%), Transocean (-2,0%) oder Clariant (-1,8%) erlitten weitere klare Abgaben. Das Aktienresearch der Deutschen Bank hatte seine «Hold»-Empfehlung für Clariant bekräftigt – auch im kommenden Jahr werde das nur verhaltene Volumenwachstum anhalten, hiess es.

Klar ins Minus drehten nach den EZB-Entscheiden auch die Grossbankenwerte UBS (-2,2%), während sich CS (-0,6%) und Julius Bär (-0,1%) besser hielten. Bei den Versicherern gaben auch Swiss Re (-1,4%) klar nach. Die Analysten von JPMorgan blieben für die Titel des Rückversicherers in einer neuen Studie trotz etwas höherem Kursziel «neutral». Für Bâloise (-0,4%) bestätigte das Research der US-Grossbank dagegen das Rating mit «Overweight».

Swiss Life (+0,5%) gehörten zu den wenigen Tagesgewinnern. Ebenfalls im Plus gingen auch Galenica (+1,2%) aus dem Handel. Die Apotheken- und Pharmagruppe hatte in den vergangenen Tagen nach den News zur vorgezogenen Aufspaltung der Gruppe einige Abgaben erlebt.

Im breiten Markt hat der Verpackungsmaschinenhersteller Bobst (+1,8%) anlässlich des Investorentags seine Umsatzprognose für das laufende Jahr leicht angehoben und rechnet auch 2016 mit einem stabilen bis leicht positiven Wert. Bei Gategroup (+1,1%) führte die am Mittwoch angekündigte Übernahme in Schweden zu weiteren positiven Analystenreaktionen und Kurszielanhebungen.

Eine kräftige Erholung zeigten Orascom (+6,4%), nachdem der Preis für die Bezugsrechte bei der geplanten Kapitalerhöhung festgelegt wurde. Stützend dürften die Zusagen von Mehrheitsaktionär Sawiris wirken, seine Bezugsrechte voll auszuüben. Um das Basler Pharmaunternehmen Basilea (+0,7%) kursierten Gerüchte um ein angebliches Übernahmeinteresse, die Gesellschaft habe die Avancen aber abgelehnt. (awp/mc/pg)

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