CH-Verlauf: SMI etwas fester – Gespanntes Warten auf US-Zinsentscheid
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt verzeichnet zur Wochenmitte moderate Gewinne. Vor allem die beiden festeren Pharma-Schwergewichte Roche und Novartis erweisen sich dabei als solide Stützen. Insgesamt gehen Börsianer aber von einem eher verhaltenen Handelstag aus, da das wichtigste Ereignis erst nach dem hiesigen Börsenschluss ansteht: der Zinsentschied der US-Notenbank Fed. Dabei gilt eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent unter den Marktteilnehmern als ausgemachte Sache.
«Der eigentliche Zinsentscheid dürfte eher langweilig sein», kommentiert ein Händler. Spannend könnte es auf der anschliessenden Pressekonferenz mit dem noch recht neuen Fed-Chef Kevin Warsh werden. Dabei stelle sich vor allem die Frage, welchen Kevin Warsh die Märkte sehen werden. «Den Juli-Warsh, der sich eher vage äusserte und die Märkte dadurch verunsicherte, oder den Jackson-Hole-Warsh, der plötzlich hawkishe Töne anschlug?», so der Händler weiter.
Der SMI gewinnt gegen 10.55 Uhr 0,30 Prozent hinzu auf 13’850,30 Punkte. Der Mid-Cap-Index SMIM steigt um 0,12 Prozent auf 3010,67 Punkte und der breite SPI um 0,35 Prozent auf 19’523,05 Zähler.
Weitere Volatilitätstreiber voraus
Mit dem Fed ist diese geldpolitisch hochspannende Woche allerdings noch nicht beendet. «Es folgen die Zinsentscheidungen der Bank of England und der Bank of Japan, bevor am Freitag mit dem grossen Verfall an den Terminbörsen ein weiterer potenzieller Volatilitätstreiber wartet», sagt ein weiterer Marktbeobachter.
Gleichzeitig bleiben die Lieferketten im Nahen Osten massiv gestört und die Ölpreise auf hohem Niveau. «Damit müssen die Anleger in den kommenden Tagen noch einige dicke Bretter durchbohren.»
Auch die Renditen auf US-Staatsanleihen verharren nahe der viel beachteten 5-Prozent-Marke. Am gestrigen Dienstag waren sie über diese Schwelle und auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen. Angesichts der hohen US-Staatsverschuldung und dem damit einhergehenden hohen Refinanzierungsbedarf sorgt dies für erhöhte Nervosität an den Märkten.
Pharma-Schwergewichte stützen
Bei den SMI-Blue-Chips führen ABB mit +1,3 Prozent das Gewinnerfeld an. Massgebliche Stützen sind allerdings vor allem die Kursgewinne der beiden Pharma-Schwergewichte Novartis (+1,0%) und Roche (+0,8%). Novartis setzen damit die zaghafte Erholung seit dem Einbruch vergangene Woche weiter fort.
Das Gegenstück bilden Alcon, Logitech und Kühne+Nagel, die bis zu 1,2 Prozent verlieren. Auch das dritte Schwergewicht, Nestlé, ist mit -0,6 Prozent unter den Verlierern zu finden. Richemont wiederum (-1,8% oder -3,00 Fr.) sind nur optisch tiefer, da sie ex-Dividende gehandelt werden (4,30 Fr.).
Generell etwas fester tendieren auch die Finanzwerte. So sind die UBS, Partners Group und im Mittelwerteindex SMIM noch Julius Bär mit Aufschlägen von bis zu 0,7 Prozent unter den Gewinnern zu finden. Händler verweisen auf einen insgesamt freundlichen europäischen Bankensektor. Händler machen dafür nicht zuletzt die erwartete Zinserhöhung des Fed verantwortlich. Denn für gewöhnlich heisst es, dass höhere Zinsen im Bankensektor das Kreditgeschäft theoretisch wieder attraktiver machen können. Ausserdem hatten sich die europäischen Banken am Vortag branchenweit klar schwächer gezeigt.
In den hinteren Reihen fallen Cicor (+5,9%) auf, nachdem das Unternehmen Grossaufträge im europäischen Verteidigungsmarkt an Land gezogen hat. Auch der Transformatorenhersteller R&S (+1,6%) ist nach endgültigen Zahlen und einem bestätigten Ausblick ebenso gesucht wie der Metallverarbeiter SFS (+1,4%), der am Tag vor seinem Investorentreffen seine Ziele für 2026 bestätigt hat.
Beim Verpackungsspezialisten SIG (-2,0%) wiederum sorgt ein Kommentar von JPMorgan für leichte Verstimmung. (awp/mc/ps)