CH-Verlauf: Erholung setzt sich fort
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag an die Erholung vom Vortag angeknüpft. Auch andere europäische Börsen zeigen sich fester. Ob die jüngste Aufwärtsbewegung den Beginn einer nachhaltigen Trendwende markiert oder lediglich eine kurzfristige Gegenreaktion darstellt, bleibt laut Marktteilnehmern aber vorerst offen.
Der Ton im Iran-Konflikt habe sich zuletzt etwas moderater gestaltet, was die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Kampfhandlungen nähre, heisst es am Markt. So signalisierte die US-Regierung Gesprächsbereitschaft und stellte in Aussicht, die Verhandlungen mit dem Iran auch im Falle einer weiterhin blockierten Strasse von Hormus fortzusetzen. Zudem bestätigte Peking die erneute Passage von drei Schiffen und rief angesichts der zentralen Bedeutung der Route für den globalen Handel und die Energieversorgung zu einem raschen Waffenstillstand im Persischen Golf auf.
Gleichzeitig halten die militärischen Auseinandersetzungen an: Angriffe auf Ziele im Iran wurden fortgesetzt, und auch Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain sowie die Vereinigten Arabischen Emirate berichteten in der Nacht von weiteren iranischen Attacken.
Die gestiegenen Energiepreise und die Verknappung von Rohöllieferungen bleiben auch weiterhin die Hauptsorge an den Märkten. Auch in dieser Hinsicht zeigt sich nur eine zögerliche Entspannung. So notiert die Nordseesorte Brent aktuell bei rund 113 US-Dollar je Fass, nachdem sie am Vorabend zeitweise bis knapp 116 Dollar gestiegen war. Damit hat der Preis seit Ausbruch des Konflikts um rund 60 Prozent zugelegt.
Im weiteren Tagesverlauf rücken zwar auch Konjunkturdaten aus den USA in den Fokus, darunter die Einzelhandelsumsätze sowie der Hauspreisindex. Angesichts der geopolitischen Lage dürften diese jedoch vorerst in den Hintergrund treten.
Der SMI notiert gegen 11.00 Uhr 0,94 Prozent höher bei 12’787,61 Punkten. Auf 17 Gewinner kommen dabei lediglich 3 Verlierer. Der SMIM für die mittleren Werte legt 0,65 Prozent auf 2891,87 Punkte zu und der breite SPI 0,87 Prozent auf 17’826,12 Punkte. Nach dem positiven Wochenstart hat sich am Dienstag damit der Aufwärtstrend bislang beschleunigt fortgesetzt.
Die heutigen Kursgewinne reichen aber nicht aus, um die schwache Quartalsbilanz des SMI zu retten. So hat der SMI seit Jahresbeginn rund 4,5 Prozent an Wert verloren, nachdem der Iran-Krieg die Gewinne der ersten zwei Monate zunichtegemacht hat. Im März gab der SMI auf Monatssicht um gut um 8 Prozent nach.
Einmal mehr erweisen sich am Dienstag die defensiven Werte als Stütze des Leitindex. So legen die Pharmakonzerne Novartis (+1,1%) und Roche PS (+0,9%) klar zu und auch Nestlé (+1,2%) kann an die Gewinne der Vorwoche anknüpfen.
Grösster Gewinner ist UBS (+2,9%), die von einem Bericht der «Financial Times» zu einem möglichen Kompromiss in der Kapitalfrage wieder über die Marke von 30 Franken klettern. Von den Finanzwerten sind auch Swiss Re (+1,5%) Zurich (+0,8%) und Swiss Life (+1,4%) deutlich im Plus.
Im breiten Markt fallen Ems-Chemie (-4,5%) und Clariant (-2,7%) ab. Händler verweisen auf Zweitrundeneffekte der Öl- und Energiepreishausse, welche die europäische Chemietitel noch über längere Zeit unter Margendruck setzen könnten.
Dagegen haben VAT (+0,1%) die Kursverluste zu Handelsbeginn nach einer Zielreduktion wieder aufgeholt. Dafür brechen Jungfraubahn (-6,0%) regelrecht ein. Die Bergbahnbetreiberin von einem verhaltenen Jahresstart auf dem Jungfraujoch berichtet.
Unter den grossen Gewinnern sind etwa Sonova (+1,1%) von einer Ratingerhöhung aus dem Haus JPMorgan sowie einem Ausbau der Präsenz in Asien sowie SoftwareOne (+3,6%) nach Jahreszahlen. (awp/mc/ps)