CH-Schluss: Banken-Ausverkauf zieht SMI nach unten

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt ist sehr schwach in die neue Woche gestartet. Denn Sorgen über hohe Zahlen an Corona-Neuinfektionen in wichtigen Ländern der Eurozone belasteten das Sentiment. Die Angst vor einer neuen Corona-Welle hatte am Nachmittag auch die Wall Street erfasst – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Handel in Europa.

Darum legten die Börsianer nach zwei eher freundlichen Wochen wieder den Rückwärtsgang ein. Der grösste Kursrutsch seit mehr als drei Monaten radierte die zuvor aufgelaufenen Gewinne mehr als aus. Denn mit den Infektionszahlen wachsen auch die Sorge um einen neuerlichen Lockdown und den damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen, erklärten Händler. Zuletzt hatten immerhin Länder wie Israel und Grossbritannien neue Lockdowns angekündigt. Vor allem Finanztitel kamen unter die Räder.

Der SMI büsste am Montag 2,03 Prozent auf 10’325,44 Punkte ein. Der SLI, in dem Gewichtung der drei Schwergewichte begrenzt ist, fiel um 2,64 Prozent auf 1’554,01 und der breite SPI um 1,89 Prozent auf 12’823,90 Punkte. Von den 30 SLI-Werten schlossen 28 tiefer.

Geldwäsche-Vorwürfe belasteten den europäischen Bankensektor massiv. Julius Bär büssten 5,7, Credit Suisse 6,3 und UBS 6,2 Prozent ein. Für Mollstimmung in der Branche sorgte ein Leak vertraulicher Geldwäsche-Verdachtsmeldungen des US-Finanzministeriums über dubiose Zahlungsströme, die so genannten Fincen-Files. Es ging um „erhebliche“ Mängel in der Bekämpfung von Geldwäsche.

Insgesamt stelle diese neue Story der Branche erneut ein schlechtes Zeugnis aus, stellten Analysten fest. Immerhin stünden Schweizer Institute aber nicht im Zentrum der Anschuldigungen.

Es war aber auch die Aussicht auf die für lange Zeit tiefen Zinsen, welche auf den Finanzwerten lastete. So standen erneut auch Versicherer unter Druck: Swiss Re, Swiss Life und Zurich verloren zwischen 3,7 und 4,9 Prozent.

Dass sich der SMI vergleichsweise besser als die meisten europäischen Indizes hielt, verdanke er seiner defensiven Ausrichtung. Allen voran Nestlé schlossen unverändert und stemmten sich somit gegen den Trend. Auch Lonza und Swisscom (je -0,1%) schnitten relativ gut ab.

Die Pharmaschwergewichte Novartis (-1,6%) und Roche (-1,5%) gaben hingegen mit dem Gesamtmarkt nach.

Logitech verbuchten sogar ein Plus von 1,2 Prozent. Andere Aktien wie AMS (-4,0%) und Temenos (-4,2%) machten es hingegen den US-Techwerten nach. Verkauft wurden auch zyklische Papiere wie LafargeHolcim (-4,4%), Richemont (-3,7%) oder ABB (-3,8%).

Stark abwärts ging es mit den Papieren des Stellenvermittlers Adecco, die sich um 7,0 Prozent verbilligten. Diese mussten ihren Platz in der obersten Börsenliga räumen; neu im SMI enthalten sind seit Montag die Aktien der Partners Group (-2,4%). Und Straumann (-4,4%) sind mit heutigem Datum in den SLI aufgerückt.

Die Angst vor einem neuerlichen Lockdown machte sich auch in den hinteren Reihen bemerkbar. Die Aktien vom Reisedetailhändler Dufry (-9,4%) wurden ebenso auf den Markt geworfen wie die des Flughafens Zürich (-3,9%).

So hatten Swiss und Lufthansa am Berichtstag mitgeteilt, dass der „Neustart“ der Flotte nicht so schnell wie geplant von statten gehen werde. Reiserestriktionen machten Fluggesellschaften wieder einen kräftigen Strich durch die Rechnung.

Zu den positiven Ausreissern gehörten im breiten Markt die Aktien des Pennystocks Relief Therapeutics, die nach Aussagen über eine kommerzielle Zusammenarbeit um 8,8 Prozent gewannen. (awp/mc/ps)

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