CH-Schluss: SMI steigt trotz unsicherem US-Wahlausgang weiter

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat nach dem Rally der vergangenen Tage am Donnerstag weiter zugelegt. Dabei liessen sich die Anleger von der Hängepartie im Rennen um das Weisse Haus nicht aus der Ruhe bringen. Getragen wurde der Leitindex SMI von Anschlussgewinnen bei Finanzwerten und Zyklikern, dagegen verhinderten die Kursverluste der defensiven Schwergewichte einen deutlicheren Anstieg. In noch vier umstrittenen US-Bundesstaaten werden die letzten Stimmzettel ausgezählt, mit den besseren Siegeschancen für Trump-Herausforderer und Demokrat Joe Biden.

„An sich hatten die Märkte in den letzten Wochen auf eine blaue Welle bei den US-Wahlen gehofft und sich vor einem umstrittenen Ergebnis gefürchtet“, kommentierte ein Börsianer die anhaltende Unsicherheit um das Amt des US-Präsidenten. Nun drohe die Trump-Kampagne vor einer Niederlage zu stehen und die Ergebnisse anzufechten. Mit Blick auf die drohende Pattsituation setzten die Märkte auf den Wahlsieg von Joe Biden gepaart mit einer republikanischen Mehrheit im Senat. Dies sei die beste Kombination für die US-Wirtschaft, hiess es. Biden werde es so schwer haben, viele der geplanten Programme zu verabschieden. Vorhaben wie eine strengere Regulierung oder Steuererhöhungen seien dann wohl vom Tisch.

Nach anfänglich festeren Tendenzen gab der SMI einen Teil der Avancen in der zweiten Handelshälfte ab und schloss mit 0,19 Prozent auf 10’306,35 Punkten nur noch leicht im Plus. Der SLI, der die 30 wichtigsten Aktien umfasst, gewann 0,84 Prozent auf 1’593,28 und der umfassende SPI 0,19 Prozent auf 12’825,58 Zähler. Von den 30 SLI-Werten standen am Ende 24 im Plus und sechs im Minus.

In den vergangenen Tagen kletterte der SMI um mehr als 7 Prozent in die Höhe, dies obwohl noch immer nicht klar ist, wie der künftige US-Präsident heissen wird. Zudem droht die zweite Coronawelle in Europa und Nordamerika die zuletzt gesehene Konjunkturerholung auszubremsen. Und mit dem Zinsentscheid der US-Notenbank am späteren Donnerstag und dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag standen zwei für die Börsen wichtige Termine auf dem Programm.

All das hielt die Anleger am Donnerstag nicht davon ab, bei einigen Aktien kräftig zuzugreifen. Bei den Blue Chips kletterten Logitech mit Rückenwind von der US-Techbörse um 4,6 Prozent in die Höhe. Die Aktie des Computerzubehörherstellers wurde zudem von der Bank Kepler Cheuvreux neu zum „Kauf“ empfohlen. Die Analysten rechnen mit deutlichen Gewinnsteigerungen.

Auf dem Vormarsch waren im Techsektor auch der Bankensoftwarespezialist Temenos (+2,6%) oder der Sensorenhersteller AMS (+2,9%). Bei den Österreichern dürften die besser als erwartet ausgefallenen Quartalsergebnisse des Rivalen Dialog Semiconductor gestützt haben. AMS selber legt am Freitag die Zahlen zum dritten Quartal vor, erstmals mit dem übernommenen Lichtkonzern Osram.

Weiter machte der Pharmazulieferer Lonza (+1,9%) seinem Ruf als Investoren-Liebling einmal mehr alle Ehre und auch Richemont (+3,1%) wurden am Tag vor Publikation der Halbjahreszahlen stark nachgefragt. Konkurrent Swatch gewann immerhin 1,8 Prozent dazu.

Kursgewinne verbuchten auch Finanzwerte: Allen voran kletterten die Aktien der Credit Suisse (+2,2% auf 9,54 Fr.) in die Höhe. Kepler Cheuvreux stufte die Aktie auf „Buy“ hoch mit einem neuen Kursziel von 13 Franken. Weiter zulegen konnten aber auch UBS (+1,6%), Julius Bär (+2,0%) oder Swiss Life (+1,7%), während Swiss Re (+0,5%) erst gegen Handelsende den Weg in die Gewinnzone fanden.

Gewinnmitnahmen waren dagegen bei den defensiven Schwergewichten Nestlé (-1,2%), Novartis und Roche (beide -0,7%) zu sehen. Tiefer schlossen die ebenso defensiven Swisscom-Papiere (-0,4%).

Im breiten Markt fielen Zur Rose mit einem Plus von 5,9 Prozent auf, dies nach guten Zahlen und höheren Prognosen des Online-Arzneimittelhändlers Shop Apotheke. Relief gewannen 31 Prozent nach positiven Aussagen zur laufenden Covid-19-Studie.

Bobst rückten nach Geschäftszahlen um 2,6 Prozent und Obseva um 2,5 Prozent vor. Hingegen gaben Züblin nach Angaben zum Geschäftsverlauf um 2,2 Prozent und Evolva um 1,4 Prozent nach. (awp/mc/ps)

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