CH-Verlauf: Nestlé zieht den SMI deutlich ins Minus
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt steht am Donnerstag klar unter Druck. Vor allem der Kurseinbruch bei Nestlé belastet den Leitindex SMI. Gleichzeitig sorgt eine Flut von Unternehmenszahlen für Bewegung, während die anhaltende Eskalation im Nahen Osten den Ölpreis weiter nach oben treibt.
Hierzulande erreicht die Berichtssaison mit zahlreichen Unternehmensmeldungen ihren Höhepunkt. Mit Nestlé, Roche, Givaudan und Kühne+Nagel legten gleich vier SMI-Konzerne Zahlen vor. Auch in der zweiten Reihe veröffentlichten zahlreiche Unternehmen ihre Halbjahresergebnisse.
Für Unsicherheit sorgen die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten und die erneuten Angriffe auf Öltanker im Roten Meer. «Mit den Angriffen auf saudische Öltanker ist nun auch die wichtigste Ausweichroute zur Strasse von Hormus bedroht», so ein Händler. Der Ölpreis stieg zeitweise um fast 4 Prozent auf knapp 98 US-Dollar je Barrel, was die Inflationssorgen erneut schürt.
Der Leitindex SMI verliert gegen 11.00 Uhr 1,0 Prozent auf 14’171,65 Punkte. Seit dem Tagestief kurz nach Handelsbeginn hat er sich allerdings um mehr als 100 Punkte erholt. Mittlerweile notieren neun der 20 Blue Chips im Plus. Der breite SPI gibt um 0,9 Prozent auf 19’911,12 Punkte nach, der SMIM verliert 0,3 Prozent auf 3080,72 Zähler.
Während die asiatischen Börsen die jüngste Eskalation im Nahen Osten noch vergleichsweise gelassen aufnahmen, geraten Europas Aktienmärkte deutlicher unter Druck. Der französische CAC 40 verliert rund 0,9 Prozent, der deutsche Dax 0,5 Prozent.
Nestlé und Givaudan brechen ein
Für den grössten Belastungsfaktor im SMI sorgt Nestlé (-6,7%). Mit dem Kurseinbruch werden die Kursgewinne seit Anfang Monat auf einen Schlag ausradiert. Am Markt stossen insbesondere das angekündigte Joint Venture für das Wassergeschäft sowie der vorsichtigere Margenausblick auf Skepsis.
Ebenfalls deutlich unter Druck stehen Givaudan (-5,4%) nach einer Margenenttäuschung sowie die konjunktursensitiven Richemont (-1,1%) und Sika (-1,4%).
Auf der Gewinnerseite führen Roche (+2,1%). Die Partizipationsscheine haben sich nach einem durchzogenen Handelsstart vorgearbeitet. Auch Kühne+Nagel (+0,2%) legen nach überzeugenden Halbjahreszahlen und einer erhöhten Gewinnprognose leicht zu. Lonza (+1,0%) machen einen Teil der Vortagesverluste wett.
Zweite Reihe mit starken Kursausschlägen
In der zweiten Reihe sorgen die zahlreichen Geschäftsausweise ebenfalls für starke Kursbewegungen. Temenos (-5,6%) brechen nach Quartalszahlen vom Vorabend ein. Eine überraschend starke Margenentwicklung konnte die Enttäuschung über den schwächeren Umsatz nicht wettmachen. Auch Dätwyler (-5,2%) und Bystronic (-3,5%) gehören nach ihren Zahlen zu den grössten Verlierern, wobei sich die anfänglich noch stärkeren Verluste im Handelsverlauf etwas abschwächten.
Galderma (-1,4%) geben trotz solider Resultate nach. Händler verweisen auf einen als konservativ eingestuften Margenausblick. Dagegen legen Medmix (+2,1%) sowie Meier Tobler, Cembra Money Bank und Cosmo nach ihren Zahlen zwischen 0,7 und 0,9 Prozent zu. SFS haben ihre anfänglichen Gewinne wieder abgegeben und notieren nahezu unverändert. Leonteq (-1,2%) zeigen sich nach Zahlen mit mehreren Vorzeichenwechseln sehr volatil.
Auch international nimmt die Berichtssaison Fahrt auf. In den USA übertraf die Google-Mutter Alphabet mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen. Die angekündigten nochmals höheren Investitionen in den Ausbau der KI-Infrastruktur wurden von den Anlegern allerdings mit Zurückhaltung aufgenommen. Tesla hingegen enttäuschte mit einem deutlich unter den Erwartungen liegenden Gewinn. Im weiteren Tagesverlauf richten sich die Blicke unter anderem auf die Zahlen von Intel und SAP, sowie auf den Leitzinsentscheid der EZB am frühen Nachmittag. (awp/mc/ps)