CH-Schluss: Hoffnung auf Strafzoll-Gnadenfrist dämmt Verluste ein

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Dienstag erneut im Minus geschlossen. Allerdings hat die Hoffnung auf eine Entspannung im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit die Verluste eingedämmt. Das „Wall Street Journal“ hatte berichtet, dass die für diesen Sonntag geplanten neuen US-Strafzölle auf chinesische Waren verschoben werden könnten. In der Folge konnten auch die Schweizer Aktien ihre Tiefstände vom Mittag verlassen, als die Investoren aus Furcht vor einer Eskalation des Zollstreits Kasse gemacht hatten.

Mit einer Verschiebung der Strafzölle wie beispielsweise für Smartphones würden beide Seiten Zeit gewinnen, um sich auf ein Handelsabkommen zu einigen. „Das ist wohl das beste, was der Markt derzeit erwarten kann“, sagte ein Marktteilnehmer. Viele Anleger würden dem Braten aber nicht trauen, schrieben die Analysten der Bank Unicredit. Angesichts widersprüchlicher Signale über den Stand der Verhandlungen warteten sie auf Fakten. „An der Seitenlinie fühlen sich die Anleger offenbar als Beobachter des Geschehens wohler als mitten auf dem Spielfeld“, hiess es in einem Postbank-Kommentar zur weltweiten Zurückhaltung an den Börsen.

Der SMI ging am Dienstag mit einem Minus von 0,43 Prozent auf 10’390,53 Punkten aus dem Handel, nachdem das Tagestief gar bei 10’295,58 Punkten gelegen hatte. Der die 30 grössten Werte umfassende SLI sank um 0,57 Prozent auf 1’596,48 Zähler, während der breit gefasste SPI um 0,49 Prozent auf 12’561,99 Punkte fiel. Von den 30 SLI-Werten schlossen 26 im roten Bereich. Lediglich 4 Aktien gewannen an Wert.

Damit befand sich die Schweizer Börse im Einklang mit den grossen Handelsplätzen in Europa, wo nur die Pariser Börse etwas fester schloss. Für zusätzliche Zurückhaltung der Investoren sorgten die anstehenden geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank, der Europäischen Zentralbank und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sowie die auf die Parlamentswahl in Grossbritannien an diesem Donnerstag.

An der Spitze der Verlierer im SMI/SLI standen wie am Vortag AMS (-5,1%), nachdem der Sensorspezialist der Übernahme des ungleich grösseren deutschen Lichtkonzerns Osram einen grossen Schritt näher gekommen ist. An der Börse kam diese Nachricht schlecht an. Unter Investoren ging nun die Sorge um, AMS könnte sich beim finanziellen Kraftakt übernehmen. Zudem könnten die Aktien ins Visier von Leerverkäufern rücken, wie Marktteilnehmer sagen. Überdies kursierten Gerüchte, wonach Grosskunde Apple die Produktion bei den hochpreisigen iPhones zurückfahren könnte.

Ebenfalls unter Druck war der Technologietitel Temenos (-4,3%). Auch die Finanztitel wurden gerupft. So büsste die UBS-Aktie 1,1 Prozent ein, Credit Suisse (-0,9%) und Julius Bär (-0,8%). Ebenfalls unter Druck waren die Versicherer Zurich (-0,9%), Swiss Re (-0,8%) und Swiss Life (-0,7%).

Federn mussten auch die Zykliker Adecco und Schindler (je -1,0%) lassen. Die stark von der chinesischen Kauflaune abhängigen Luxusgüterhersteller Richemont (-0,6%) und Swatch (-0,2%) gaben nach, konnten sich aber von ihre Tiefständen etwas erholen.

Von den drei Schwergewichten verloren Nestlé (-0,9%) am meisten, während Roche (-0,2%) nur etwas nachgab und Novartis sich gar ganz knapp in die Gewinnzone (+0,1%) rettete. Ebenso zu den Verlierern zählte Alcon (-1,0%).

Unter den wenigen Gewinnern, die sich gegen die Talfahrt stemmen konnten, waren ABB (+0,5%). Gleich zwei Analysehäuser haben die Titel mit Kaufempfehlungen bedacht. Die Hoffnung auf einen beschleunigten Umbau unter dem neuen Chef sind gross. Ebenfalls höher notierten SGS (+0,3%). Hier hatte JPMorgan das Kursziel auf 2’600 von 2’500 Franken erhöht. Auch Geberit legten zu (+0,2%).

Die grössten Ausschläge gab es allerdings erneut in zweiten Reihe: Dabei warfen die Investoren vor allem Biotech-Aktien aus ihren Depots. So stürzten Obseva (-12%) und Newron (-11%) ab.

Auf der anderen Seite setzen sich MCH Group an die Spitze der Gewinner (+6,2%). Calida kletterten um 3,3 Prozent. Der Wäschehersteller sieht sich auf gutem Weg, die Ziele im laufenden Jahr zu erreichen. So sei der Start ins wichtige Weihnachtsgeschäft sowohl in den eigenen Geschäften als auch bei den Grosskunden „sehr gut“ gewesen, sagte CEO Reiner Pichler im Interview mit AWP. Autoneum (+2,2%) konnten einen Teil ihres Vortagesverlustes von 11 Prozent wieder aufholen. Die ZKB hat das Rating für Autoneum auf „Marktgewichten“ von „Untergewichten“ erhöht. (awp/mc/ps)

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