CH-Verlauf: Weitere Verluste – Pharma-Schwergewichte belasten
Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt steht zum Wochenschluss weiterhin im Banne des Iran-Krieges. Die Folgen für die globale Wirtschaft, den Welthandel oder die weltweite Inflation sind noch weitgehend im Nebel und werden breit diskutiert. «Die Entwicklungen im Nahen Osten überschatten vorerst weiterhin viele andere wesentliche Marktthemen und lenken den Fokus der Anleger besonders auf die Energiepreise», sagte ein Händler. Sollte sich der Ölpreis über mehrere Wochen oder gar Monate auf erhöhten Niveau festsetzen, hätte dies gravierende Auswirkungen.
Dass der hiesige Markt am Freitag gegen Mittag im Vergleich zu anderen europäischen Märkten überdurchschnittlich im Minus steht, ist für einmal den Kursverlusten der eigentlich defensiven Pharma-Schwergewichten geschuldet. Vor allem die Roche-Papiere stehen nach schlecht aufgenommenen Daten für einen Wirkstoff zur Behandlung von Übergewicht stärker unter Druck. Andere europäische Börsenplätze wie Frankfurt oder Paris hatten am Morgen noch klar im Plus eröffnet, haben die Gewinne mittlerweile aber auch zum grössten Teil eingebüsst. Als zusätzlichen Unsicherheitsfaktor nennen Händler den US-Arbeitsmarktbericht am Nachmittag. Dieser habe durchaus das Potenzial, den Markt zu bewegen.
Der SMI gibt um 11.15 Uhr um 0,88 Prozent auf 13’180,81 Punkte nach, das Tagestief ist mit 13’152 noch etwas tiefer. Von seinen 20 Einzeltiteln haben 17 ein rotes Vorzeichen, nur 3 sind grün. Auf Wochensicht bahnt sich für den hiesigen Leitindex ein tiefrotes Ergebnis ab: auf dem aktuellen Stand sind es rund -6 Prozent. Der SMIM-Index für die mittelgrossen Werte büsst am Freitag mit -0,44 Prozent auf 3028,61 Punkte deutlich weniger ein, vor allem weil die Pharmawerte nicht enthalten sind. Der Gesamtmarkt gemessen am breiten Swiss Performance Index (SPI) verliert derweil 0,77 Prozent auf 18’211,71 Punkte.
Roche GS als Bremsklotz
Klar grösster Verlierer vor Mittag sind die Genussscheine von Roche (-2,8%). Der Pharmakonzern hat am Vorabend Studienergebnisse für den Prüfwirkstoff Petrelintide zur Behandlung von Übergewicht und Adipositas gemeldet. In der Studie der Phase II erreichten Patienten nach 28 Wochen einen mittleren Gewichtsverlust von gut 10 Prozent. In ersten Kommentaren werten Analysten dies als enttäuschend. Die Wirksamkeit in der Test-Phase-II bleibe hinter den Erwartungen zurück, meint man jedenfalls bei JPMorgan.
Allerdings büssen auch die Titel des Konkurrenten Novartis (-1,2%) heute deutlicher an Wert ein. Der Konzern hält aktuell seine Generalversammlung ab, wobei Konzernchef Vas Narasimhan die erfolgreiche Umsetzung der Strategie und die Ausrichtung auf Innovation, globale Märkte und nachhaltige Wirkung bekräftigte. Auch Nestlé (-0,4%) als drittes SMI-Schwergewicht verlieren an Terrain, wenn auch deutlich weniger.
Knapp im Plus im SMI halten sich aktuell nur Richemont (+0,5%), Partners Group (+0,2%) und Logitech (+0,03%), ohne dass dazu fundamentale News vorhanden wären. Die Titel hatten allerdings zuletzt viel verloren, so dass hier von einer leichten Gegenbewegung die Rede ist.
Erneut Galderma
Bei den SMIM-Werten sind derweil Galderma (+1,6% auf 157,30 Fr.) erneut gesucht. Am Vortag waren die Papiere des Hautpflegekonzerns nach starken Zahlen bzw. optimistischen Aussichten bereits 7 Prozent gestiegen. Am Tag danach haben nun diverse Analysten ihre Kursziel nach oben angepasst, wobei Barclays mit 200 Franken zuoberst steht.
Mit Sonova (+0,7%) legt ein weiterer Gesundheitswert zu. Hier ist es allerdings eher eine Gegenbewegung. So hatten am Vortag schwache Zahlen der Konkurrenz Sorgen geschürt und zu einem Kursminus von 5 Prozent geführt. Die schwächsten SMIM-Werte sind aktuell Roche I (-2,4%) und Barry Callebaut (-1,4%).
Das Nachrichtenaufkommen wird vor dem Wochenende aber vor allem von Zahlen aus den hinteren Reihen dominiert. Klar im Vordergrund sind dabei Comet (-13%), aber auch Mobilezone (-4,0%), Coltene (-4,8%) oder Mikron (-0,6%) verlieren. SFS (+3,7%) können dagegen zulegen. (awp/mc/ps)