CH-Schluss: Hildebrand-Rücktritt belastet

CH-Schluss: Hildebrand-Rücktritt belastet

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat den ersten Tag der neuen Handelswoche im Minus beschlossen. Am Nachmittag sorgte der Rücktritt von SNB-Präsident Philipp Hildebrand für Verunsicherung bei den Investoren. Auch die Wechselkurse des Franken zum Dollar und Euro reagierten mit kurzfristigen Ausschlägen. Als Gründe für seinen Rücktritt führte Hildebrand an, dass er nicht zweifelsfrei belegen könne, dass seine Frau – und nicht er – die Dollar-Geschäfte abgewickelt habe. Er wolle mit dem Schritt die Glaubwürdigkeit der SNB schützen.

Zudem rückte mit dem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Euro-Schuldenkrise wieder in den Fokus. Es gebe eine gute Chance, dass die angestrebten Schuldenbremsen bereits im Januar unterzeichnet werden könnten, sagte Merkel nach dem Treffen. Die Verhandlungen Griechenlands mit Banken zur freiwilligen Umschuldung des Landes müssten vorangetrieben werden. Zudem könnte die Finanztransaktionssteuer notfalls nur in den 17 Euro-Ländern eingeführt werden. Deutsche Anleihen wurden am Montag zum ersten Mal mit einer negativen Rendite platziert. Als Test für die Stimmung in der Eurozone gelten die Anleiheemissionen in Spanien und Italien im Verlauf der Woche.

Der SMI schloss nahe dem Tagestief um 0,37% niedriger bei 5991,80 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) verlor um 0,57% auf 881,21 und der breite Swiss Performance Index (SPI) gab um 0,34% auf 5’392,96 Punkte nach.

Auch die US-Märkte gaben bis zum Handelsschluss in Europa ihre anfänglichen leichten Gewinne wieder ab. Ein weiterer belastender Faktor für die Aktienmärkte bildete die anhaltende Kursschwäche der italienischen Unicredit. Der Wert der Aktie verlor auch heute weiter deutlich an Wert und wurde zeitweise vom Handel ausgesetzt. Das belastete insbesondere den Bankensektor im Euroraum.

Aber auch die Schweizer Grossbanken konnten sich dem negativen Stimmungsbild nicht entziehen. Auf der Verliererseite im SMI bildete UBS mit minus 3,5% das Schlusslicht. Exane BNP Paribas hatte die Abdeckung der Grossbank mit dem Anlagerating «Underperform» wieder aufgenommen. Mit der gleichen Einschätzung wurde auch die Credit Suisse (-1,9%) in die Berichterstattung aufgenommen. Auch der Versicherer Swiss Life (-2,6%) verzeichnete überdurchschnittliche Abgaben.

Bei den Pharma-Schwergewichten gaben Novartis um 1,2% und Roche um 0,4% nach. Novartis ruft in den USA freiwillig verschiedene over-the-counter Produkte zurück. In diesem Zusammenhang kommt es zur vorübergehenden Schliessung einer Fabrik und es fallen Einmalkosten von geschätzten 120 Mio USD an. Die Auswirkungen auf den Umsatz dürften sich allerdings in Grenzen halten, meinen Analysten.

Nobel Biocare sanken um 2,0%. Hier hatte sich in der Wochenendpresse ein grosser Kunde des Dentalimplantateherstellers kritisch geäussert. Die Deutsche Bank hatte zwar die Gewinnschätzungen und entsprechend das Kursziel angehoben, hält aber gleichzeitig an der Empfehlung «Sell» fest.

Geberit (-1,3%), die am Donnerstag die Umsatzzahlen für 2011 veröffentlicht, wurde durch eine Branchenstudie der Citigroup belastet. Die Bank rechnet für den Bausektor mit drei mageren Jahren in Europa. Davon seien auch Geberit und Holcim betroffen. Die Analysten bewerten Geberit mit «Sell» und heben das Kursziel auf 165 von zuvor 160 CHF. Holcim (-2,2%) wird ebenfalls mit «Sell» eingestuft und das Kursziel um einen auf 40 CHF zurückgenommen.

Die Bluechips-Gewinner wurden von Zyklikern angeführt. Oben auf der Gewinnerliste findet sich der Aufzughersteller Schindler (PS +1,7%). Auch die Titel des Logistikers Kühne + Nagel (+1,6%) und Lonza (+1,0%) legten zu, ebenso wie die Aktien der Uhrenhersteller Richemont (+1,5%) und Swatch (+0,9%).

Im breiten Markt gaben Temenos deutlich um 7,0% ab. Beim Bankensoftware-Spezialisten sorgte der abrupte Rücktritt von Verwaltungsrat Mark Austen für Verwunderung. Bereits kurz vor Weihnachten hatte Temenos bekanntgegeben, dass Austen, nebst Lewis Polk Rutherfurd, im Frühjahr an der GV nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren werde.

Grössere Abgaben verzeichneten zudem die Aktien von Charles Vögele (-9,7%) oder Kudelski (-7,1%). Auf der anderen Seite schloss das hochvolatile Papier von Swissmetal mit plus 11,1%. Auch U-Blox (+9,8%), EdisunPower (+7,0%) oder Basilea (+7,1%) verzeichneten Gewinne. (awp/mc/ps)

SIX Swiss Exchange

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