CH-Schluss: Leicht schwächer

CH-Schluss: Leicht schwächer

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag über Tagestief leicht schwächer geschlossen. Hin und her gerissen zwischen Hoffnungen auf weitere Fortschritte am EU-Gipfeltreffen und Aussagen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi überwog schliesslich eine vorsichtige Haltung unter den Anlegern. Per saldo seien die Erwartungen an die Europäische Zentralbank (EZB) etwas enttäuscht worden, sagte ein Marktbeobachter. Zudem hätten sowohl die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy die Hoffnungen auf eine schnelle Lösung der Eurokrise gedämpft mit ihren Äusserungen vor dem EU-Gipfel.

Die EZB sieht sich weiter als Krisenhelferin für die angeschlagenen Banken. Den Staaten des Euroraums aber massiv unter die Arme zu greifen, insbesondere in Form systematischer und massiver Anleihekäufen, lehnt die Notenbank aber nach wie vor ab. Die aktuellen Anleihekäufe am Sekundärmarkt würden weder ewig laufen, noch seien sie in ihrem Volumen unbegrenzt, sagte EZB-Chef Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Indessen senkte die EZB den Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Basispunkte auf nunmehr 1,0%. Das Zinsniveau liegt damit wieder auf dem tiefsten Stand seit Einführung des Euro.

Der Leitindex SMI schloss um 0,49% tiefer bei 5’737,82 Punkten (Tageshoch/-tief: 5’812/5’725). Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI) verlor um 1,20% auf 861,25 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,65% auf 5’193,39 Punkten.

Die doch enttäuschten Hoffnungen an die EZB und die Warnungen vor zu hohen Erwartungen an den EU-Gipfel aus der Politik drückten vor allem auf die Kurse der Finanzaktien und konjunktursensiblen Valoren. Eine Stütze boten hingegen vor allem die defensiven Pharma-Titel.

Die prozentual grössten Einbussen erlitten Transocean (-5,1%). Auf den Aktien des Tiefsee-Ölbohrkonzerns lastete Händlern zufolge eine Verkaufsempfehlung eines grossen US-Brokerhauses. Weitere grössere Verlierer waren Lonza (-4,6%), Adecco (-4,3%), Nobel Biocare (-3,4%), Logitech (-3,4%) und Swatch (-3,1%).

Im Finanzsektor gaben CS (-3,4%) und UBS (-2,0%) deutlich nach. Laut dem Stresstest der Aufsichtsbehörde EBA sollen den europäischen Banken angesichts der Schuldenkrise in der Eurozone rund 115 Mrd EUR an Kapital fehlen. Die Schweizer Banken wurden dem Test nicht unterzogen.

Unter den Assekuranzwerten verloren Bâloise (-3,4%) am meisten, gefolgt von Swiss Life (-2,8%). Die Titel des Lebensversicherers hätten unter dem Ausstieg des AWD-Gründers Carsten Maschmeyer gelitten, so Marktbeobachter. ZFS (-1,7%) und Swiss Re (-1,1%) hielten sich etwas besser.

Gesucht waren demgegenüber defensive und eher konjunkturresistente Werte. So zogen Sonova (+2,1%) markant an. Die Titel hätten von einer Rating-Anhebung durch die Citigroup auf neu «Buy» profitiert, hiess es im Handel.

Die Pharmatitel Roche (+1,7%) und Novartis (+0,6%) waren ebenfalls gesucht und boten dem Leitindex eine Stütze. Beide Unternehmen hatten positive Phase-III-Ergebnisse zu Brustkrebsmedikamenten veröffentlicht. Roche hat gemäss den Analysten der Bank Vontobel die Erwartungen des Marktes übertroffen, was die Wirksamkeit von Pertuzumab gegen Brustkrebs anbelangt. Vontobel stuft die Titel mit «Buy» ein. Novartis habe mit dem Mittel Afinitor gegen Brustkrebs die vorherigen Ergebnisse bestätigt, hiess es ausserdem. Vontobel stuft die Valoren auf «Hold» ein. Die weiteren Index-Schwergewichte Nestlé (-0,1%) schlossen wenig verändert.

Ebenfalls gefragt waren unter den defensiven Werten Swisscom (+0,4%). Dies, obwohl dem Schweizer Branchenprimus im Telekomsektor eine Entscheidung der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom) nicht entgegenkommt. Die ComCom hat die Berechnung der Durchleitungsgebühren geändert, was gemäss einem Swisscom-Sprecher «erhebliche finanzielle Auswirkungen» haben und zu «erneuter Rechtsunsicherheit» führen könne. Avancen konnten auch Clariant (+1,4%) verbuchen.

Im breiten Markt hat Petroplus (-5,0%) das Sparziel des drei Jahre laufenden Optimierungsplanes auf 275 Mio von 220 Mio USD erhöht. Zudem erwartet das Management eine stärker wachsende Nachfrage nach Erdöl-Produkten in den Jahren 2012/13. Damit wurden aber offensichtlich die Erwartungen der Anleger verfehlt.

Die prozentual grössten Einbussen erlitten Adval Tech (-8,9%), vor Charles Vögele (-5,5%). Gegen den Trend waren u.a. Escor (+5,9%) gesucht. (awp/mc/ps)

SIX Swiss Exchange

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