CH-Schluss: Tief im Minus – Konjunktursorgen belasten

CH-Schluss: Tief im Minus – Konjunktursorgen belasten

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Donnerstag belastet von weltweiten Sorgen um die Weltkonjunktur tief im Minus geschlossen. Trotz der massiven Talfahrt sind die Abgaben im SMI aber dank unterdurchschnittlichen Verlusten der defensiven Titel wie Nestlé, Novartis und Roche weniger stark als an den übrigen europäischen Hauptbörsen ausgefallen. Zyklische Titel wie auch Finanzwerte gehörten am Donnerstag zu den Hauptverlierern. Ausgelöst worden waren die Rezessionsängste am Mittwochabend durch die US-Notenbank Fed, die von «signifikanten Abwärtsrisiken» für die US-Konjunktur gesprochen hatte.

Daneben belasteten aber auch Ängste um die Bankindustrie, nachdem die Ratingagentur Standard&Poor’s sieben italienische Banken heruntergestuft hatte. Die Konkurrentin Moody’s stufte derweil ebenfalls drei US-Grossbanken ab und bezweifelte in einem Bericht die Bereitschaft der US-Regierung zu neuen Bankenrettungen.

Der SMI schloss um 3,41% tiefer auf 5’288,48 Punkten, nachdem er am Nachmittag auf ein Tagestief von 5’267 Punkte gesunken war. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) ging um 4,49% auf 784,91 Zähler und der Swiss Performance Index (SPI) um 3,53% auf 4’809,90 Punkte zurück.

Die heftigsten Verluste unter den Blue Chips mussten Logitech (-11,7%) hinnehmen, die im Tagesverlauf zeitweise um mehr als 13% im Minus standen. Die Herstellerin von PC-Peripheriegeräten hatte vorbörslich ihre Umsatz- und EBIT-Prognosen ein weiteres Mal nach unten revidiert. Einige Analysten halten nun die Messlatte für ausreichend tief gelegt, andere befürchten allerdings, dass das Unternehmen dem Tablet-Boom und den geänderten Kundenwünschen weiterhin hinterherhinkt.

Kaum besser schnitten auch andere zyklische Werte ab. So brachen die Titel des Medizinaltechnikers Nobel Biocare um 9,4% ein und die Luxusgüterwerte Richemont (-9,4%) und Swatch (-8,8%) verloren ebenfalls massiv. Zu den starken Verlierern gehörten auch Transocean (-8,0%) und Clariant (-7,9%). Syngenta (-5,6%) wurden auch noch von einer Rückstufung von Citigroup belastet, die die Papiere noch mit «Hold» nach bisher «Buy» bewertet.

Bei den europaweit unter Druck stehenden Bankenwerten verloren CS 6,4%. Die Titel der UBS, deren Management derzeit eine Krisensitzung in Singapur durchführt, gaben 6,1% nach. Die Aktien der Vermögensverwalterin Julius Bär gaben 5,4% nach. In der Presse sind am Donnerstag weitere Details über die Vereinbarung der Schweizer Behörden mit dem US-Justizministerium bekannt geworden. Danach sollen die Schweizer Banken Daten von Konti mit einem Betrag von über 50’000 CHF an die USA liefern und müssen mit Geldzahlungen rechnen.

Auch die defensiven Schwergewichte mussten Verluste hinnehmen, hielten sich aber deutlich besser als der Gesamtmarkt. Nestlé schlossen mit einem Minus von 1,7%, obwohl die Titel des Nahrungsmittelherstellers von JP Morgan – nicht zuletzt dank der Festlegung eines Euro-Mindestkurses durch die Nationalbank – auf «Overweight» von «Neutral» hinaufgestuft worden sind.

Bei den Pharmatiteln hielten sich Novartis (-1,7%) etwas besser als Roche (-2,5%). Actelion (-5,4%) mussten dagegen deutlich stärkere Abgaben hinnehmen. Im Handel kursierten Spekulationen, wonach die britische Grossaktionärin Elliott ihr Aktienpaket abbauen könnte. Die defensiven Swisscom-Titel schlossen 2,4% im Minus.

Am breiten Markt sackten die Aktien der Liechtensteinische Landesbank ab, nachdem das Institut eine hohe Wertberichtigung und entsprechend eine Gewinnwarnung vermelden musste. Die Aktien gingen mit einem Minus von 12,2% aus dem Handel. Aryzta verloren 2,4%. Die im Agrarbereich tätige, irische Gesellschaft Origin, an der Aryzta mehr als 70% hält, hatte Zahlen für das Geschäftsjahr 2010/11 vorgelegt, die über den Erwartungen der Analysten ausfielen. (awp/mc/ps)

SIX Swiss Exchange

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