CH-Verlauf: Weiterhin schwach – Clariant im Plus

CH-Verlauf: Weiterhin schwach – Clariant im Plus

Zürich – Die Schweizer Börse steht am Montagmittag weiterhin klar im Minus. Insbesondere Finanzwerte und Zykliker stehen stärker unter Druck. Der Optimismus der letzten Woche in puncto Schuldenkrise und Konjunktur scheint vorerst etwas verflogen. Auch die Märkte in Asien hatten mit leicht roten Vorzeichen geschlossen, nachdem die japanische Notenbank mit Dollarkäufen am Devisenmarkt interveniert hat. Kaum einen Einfluss auf das hiesige Börsengeschehen hatte die Publikation der jüngsten Inflations- und Arbeitsmarktdaten in der Eurozone.

Marktkommentatoren verweisen auf eine Art Ernüchterung nach dem Kursgewinnen rund um den EU-Gipfel. Die Investoren verhielten sich abwartend, nähmen Gewinne mit und würden wieder Cash-Positionen aufbauen, sagte ein Händler. Niemand wisse genau wie die EU-Beschlüsse umgesetzt würden und ob die Krise mit den geplanten Massnahmen zu bewältigen sei. Die Volumen seien ebenfalls dürftig, obwohl genügend Liquidität vorhanden sei, so der Händler.

Der SMI baut die Verluste seit Handelsbeginn weiter aus und verliert bis um 12.00 Uhr 0,86% auf 5’802,07 Punkte. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) notiert 1,15% leichter bei 890,01 Punkten und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,79% niedriger bei 5’275,59 Punkten.

Die Quartalszahlen von Clariant (Aktie +1,0%) wurden positiv aufgenommen. Nach Jahren der Restrukturierungen sehe es jetzt danach aus, als schaffe es das Unternehmen über den Berg, sagte ein Händler. Das Zahlenset lag auf allen Ebenen über den Erwartungen der Analysten, die insgesamt jedoch von «durchwachsenen» Ergebnisse sprechen. Ein grosser Teil der Zugewinne dürfte auf Deckungskäufe zurückzuführen sein, da die Clariant-Papiere sehr stark gehebelt sind.

Die Papiere des Aufzug- und Fahrtreppenherstellers Schindler kann an die starke Entwicklung der Vorwoche anknüpfen und gewinnen 1,5% hinzu. Leichte Gewinne verzeichnen zudem Synthes und Givaudan.

Deutlich unter Druck sind unter anderem die Finanzwerte. Die Berichte über weitere geplante Stellenstreichungen bei der Credit Suisse (-1,9%) seien dabei nur ein Aspekt, sagte der Händler. Die Massnahmen seien auch Folge der erhöhten Eigenkapitalanforderungen und die beträfen auch eine Reihe anderer Institute. Neben Credit Suisse, die am morgigen Dienstag die Quartalszahlen präsentieren, stehen auch UBS mit -2,7% deutlich unter Druck. Aber auch ZFS verlieren 1,9% und Julius Bär 2,5%. Bei den Versicherungen fallen Swiss Re trotz einer positiven Analystenbewertung um 0,9% und Bâloise um 2,1% zurück.

Auch konjunktursensible Unternehmen werden heute von den Investoren gemieden. ABB (-2,1%) wird am Freitag neue Finanzziele bekanntgeben. Auch Holcim (-1,7%) und Adecco (-1,6%) geben ab. Als Belastung nannten Händler insbesondere das Rezessionsszenario für die Eurozone in der ersten Hälfte 2012, das die UBS in einer Studie entwarf. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde auf ein BIP-Wachstum von 0,2% von zuvor +1,0% gesenkt. Als Hauptgrund sehen die UBS-Volkswirte die abnehmende Kreditvergabe der Banken. Auch die Luxusgüterkonzerne Richemont (-2,7%) und Swatch (-2,9%) finden sich unter den Verlierern.

Lonza (-3,0%)wurden durch die Analysten der Citigroup auf Sell von zuvor Neutral herabgestuft. Lonza hatte in der vergangenen Woche Quartalszahlen vorgelegt.

Im breiten Markt legen Gurit gegen den schwachen Trend um 1,8% zu. Das Unternehmen hatte am Freitagabend nach Börsenschluss Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt. Insgesamt habe der Umsatz zwar leicht unter den Erwartungen gelegen, heisst es bei der ZKB. Das organische Wachstum in Lokalwährungen habe die Schätzungen indes signifikant übertroffen.

Autoneum notieren nach starkem Beginn unverändert. CEO Martin Hirzel hatte in einem Interview mit der «FuW» eingeräumt, dass die operative Marge derzeit noch lausig sei. Indes ging er darauf ein, wie und wie rasch das wichtige Europa-Geschäft auf Vordermann gebracht werden soll.

Auch HBM Bioventures (+1,9%) verzeichnen ein Plus. Das Unternehmen hat am Morgen die Ernennung eines neuen Finanzchefs bekanntgegeben und am Freitagabend das Quartalsergebnis.

Valora (+0,2%) steigen leicht, nach einer kleineren Akquisition in Österreich und einem Interview von CEO Thomas Vollmoeller, ebenfalls in der «FuW». (awp/mc/ps)

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